Zentec Automotive ist nicht mehr zu retten

Verhandlungen gescheitert : Zentec Automotive ist nicht mehr zu retten

Die insolvente Firma Zentec Automotive stellt zum Ende dieses Monats offiziell ihren Betrieb ein. Das bestätigte Gewerkschaftssekretärin Martina Weber von der IG Metall unserer Zeitung diese Woche. Die Bemühungen von Gewerkschaft, Belegschaft und Insolvenzverwaltung, den Geilenkirchener Automobilzulieferer zu retten, sind damit endgültig gescheitert.

De facto passiert auf dem Betriebsgelände im Gewerbegebiet Niederheid wohl schon seit einiger Zeit praktisch nichts mehr. Die letzten Handschläge sind vollzogen, der Betrieb abgewickelt, der Letzte hat das Licht ausgemacht.

Dass das Unternehmen in Schieflage geraten war, war Ende 2017 durch die IG Metall öffentlich gemacht worden. Martina Weber veröffentlichte damals eine alarmierende Pressemitteilung, in der von verspätet, gestückelt oder gar nicht ausgezahlten Löhnen die Rede war. Recherchen unserer Zeitung ergaben in den folgenden Wochen und Monaten, dass Dutzende Verfahren an verschiedenen Arbeitsgerichten anhängig oder bereits zum Nachteil des Unternehmens entschieden worden waren. Auch Krankenkassen- und Rentenbeiträge wurden durch Zentec nicht oder nicht vollständig abgeführt. Mitarbeiter berichteten davon, dass selbst einfachste Anschaffungen wie Mülltüten oder Briefmarken nicht mehr möglich seien.

Weil trotz der offenbar desaströsen finanziellen Lage keine Insolvenz angemeldet wurde, leitete die Staatsanwaltschaft später ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf Insolvenzverschleppung gegen die Geschäftsführerin ein. Die Ermittlungen laufen bis zum heutigen Tage, und wenn Anklage erhoben würde, dürfte dies für viele der ehemaligen Mitarbeiter eine Genugtuung sein. Ganz besonders gilt das für diejenigen, die erst in ebenjener kritischen Zeit engagiert worden sind – und vor Ort entsetzt feststellen mussten, dass sie auf einem sinkenden Schiff angeheuert hatten.

Insolvenzverwalter Dr. Marc Boddenberg. Foto: ZVA/Jan Mönch

Als das Amtsgericht Aachen im März 2018 ein Insolvenzeröffnungsverfahren einleitete, kam das für die Mitarbeiter einer Erlösung gleich, denn der Betrieb wurde zunächst fortgeführt und die Löhne wieder zuverlässig ausgezahlt. Zentec schien in ruhigeres Fahrwasser zu kommen. Nunmehr ist allerdings klar, dass das Drama keinen glücklichen Ausgang genommen hat.

Gewerkschaftssekretärin Weber zeigte sich davon gegenüber unserer Zeitung diese Woche überaus enttäuscht. Positiv zu vermerken sei allenfalls, dass es gelungen sei, viele der Arbeitsplätze von Beginn des Insolvenzeröffnungsverfahrens an zumindest noch rund anderthalb Jahre zu erhalten. Viele Mitarbeiter, insbesondere die höher qualifizierten, hätten diese Zeit nutzen können, um sich nach einer neuen Arbeitsstelle umzusehen.

Eigentlich hatte Insolvenzverwalter Dr. Mark Boddenberg vorgehabt, das Unternehmen in einen verkaufsfähigen Zustand zu bringen und an einen Investor abzugeben – und zeigte sich lange Zeit auch zuversichtlich, dass dies funktionieren würde. Doch mit keinem der verschiedenen Interessenten, die sich auf das Bieterverfahren hin meldeten, konnte man sich einigen, unter anderem soll ein großer indischer Konzern im letzten Moment abgesprungen sein.

Im Januar dieses Jahres schließlich kündigte Boddenberg an, das Unternehmen im Alleingang und notfalls ohne Investorenhilfe sanieren zu wollen. Doch auch dieses Unterfangen ist nunmehr gescheitert. Boddenberg war für unsere Zeitung diese Woche nicht zu sprechen.

Finale Entwicklung

Dafür meldete sich ein Mitglied des Betriebsrats. Der Mann wirkte zwar enttäuscht, aber doch gefasst angesichts der jüngsten, finalen Entwicklung. Zu Beginn des Insolvenzverfahrens hätten er und seine Kollegen sich Hoffnungen gemacht, dass das Unternehmen wieder auf die Beine kommt. Spätestens als im April circa 45 Mann entlassen worden seien, „haben wir es aber kommen sehen“, sagt er. Weitere rund 40 blieben bis zum Schluss.

Unter ihnen seien auch ungelernte Hilfsarbeiter gewesen, für die das Ende von Zentec „sicherlich am schlimmsten“ sei, so der Betriebsrat. Von vielen ehemaligen Kollegen wisse er andererseits, dass sie bereits eine neue Stelle gefunden hätten. Zu ihnen zählt auch er selbst, weshalb er seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte – die Probezeit an seiner neuen Wirkungsstätte ist noch nicht beendet.

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