Geilenkirchen: Zehn Monate Haft nach Zufallsfund im Keller

Geilenkirchen : Zehn Monate Haft nach Zufallsfund im Keller

Es war ein klassischer Zufallsfund, den Düsseldorfer Ermittler am 25. Oktober 2016 im Keller einer Heinsberger Doppelhaushälfte machten. Eigentlich waren sie einem Fall von Steuerhinterziehung auf der Spur, der in Zusammenhang mit dem Rotlichtmilieu steht und der demnächst am Düsseldorfer Landgericht verhandelt werden wird.

Dementsprechend interessierten sie sich vor allem für zahlreiche Handys, Computer und Datenträger, die sie vor Ort entdeckten. Doch als sie in den Keller vordrangen, stießen sie auch auf eine Marihuanaplantage, bestehend aus Lampen, Lüftungsanlage, Kohlefiltern und 57 Pflanzen, die auf eine Größe von bis zu 1,20 Meter kamen. Die Anlage machte einen „hochwertigen und durchdachten Eindruck“, notierte ein Ermittler.

Mit dem eigentlichen Anliegen der Steuerfahndung stand der Fall jedoch in keinem erkennbaren Zusammenhang, weshalb er am Dienstag in einem eigenen Verfahren am Geilenkirchener Schöffengericht verhandelt wurde. Nach zweistündiger Verhandlung wurde S. von Richterin Corinna Waßmuth zu zehn Monaten Haft verurteilt, die zur Bewährung ausgesetzt wurden.

Der Anwalt der Beklagten hatte zuvor versucht, Zweifel an der Rolle seiner Mandantin zu schüren. „Was steckt wirklich dahinter?“, fragte er bedeutungsschwer und deutete an, dass noch andere Personen das Gebäude genutzt haben könnten, es gebe auch einen zweiten Eingang. „Bei einer Doppelhaushälfte mit Terrasse und Garten ist ein Zugang zum Garten eigentlich eher gewöhnlich“, stellte Richterin Waßmuth in ihrer Urteilsbegründung ungerührt fest. Ohnehin sei eine mögliche Beteiligung Dritter an der „mit erheblicher krimineller Energie“ angelegten Plantage noch lange kein Grund, von einer Bestrafung der Beklagten abzusehen.

375,7 Gramm konsumierbares Material

Denn es ging um immerhin 375,7 Gramm konsumierbares Material, was eine Menge ist, die auch ambitionierte Kiffbrüder eine ganze Weile bei Laune hält. Es wäre wohl noch mehr geworden, hätte die Hausdurchsuchung zu einem späteren Zeitpunkt stattgefunden, machte ein Drogensachverständiger des LKA deutlich, die Pflanzen seien eigentlich noch gar nicht so weit gewesen. Die Ernte von Amts wegen hatte dann aber nicht unter szeneüblichen Gesichtspunkten stattgefunden.

Dass es bei dem eher milden Urteil blieb, mit dem der Forderung der Staatsanwaltschaft entsprochen wurde, lag vor allen Dingen an zweierlei: Erstens ließ sich trotz der Drogenmenge der Verdacht nicht erhärten, dass damit Handel getrieben werden sollte. Auch die Aussagen zweier Heinsberger Polizeibeamter, die nach dem Zufallsfund zu der Hausdurchsuchung hinzugerufen worden waren, brachten keine Erkenntnisse, die in eine andere Richtung gedeutet hätten. Und zweitens hatte S. bis dato ein unbescholtenes Leben ohne Vorstrafe geführt. So werteten Staatsanwaltschaft wie Gericht den Fall letztlich als minderschwer.

Während der Hausdurchsuchung hatte S. behauptet, die Plantage sei zur Deckung des Eigenbedarfs gedacht. Vor dem Schöffengericht machte ihr Anwalt nun zu Verhandlungsbeginn deutlich, dass seine Mandantin sich nicht einlassen werde, und zwar auch nicht dahingehend, ob sie selbst Konsumentin sei. Die Verhandlung lief dann auch ohne Zutun von S. ab. Nur einmal machte sie eine kleine Ausnahme, und zwar als Richterin Waßmuth fragte, ob eine Reihe von Asservaten, die zum Konsum von Marihuana geeignet, nichtsdestoweniger aber nicht illegal sind, vernichtet werden dürften. S. nickte knapp. Das war wahrscheinlich eine kluge Entscheidung.