Geilenkirchen-Lindern: Zahntechniker will regionalen Wirtschaftskreislauf schaffen

Geilenkirchen-Lindern: Zahntechniker will regionalen Wirtschaftskreislauf schaffen

Er will ein neues Geschäftsmodell ans Laufen bringen, klar. Er will aber auch seinen Kollegen und sich ein bisschen Unabhängigkeit verschaffen — Unabhängigkeit von der Großindustrie. Und ausgelagerte Aufträge zurück in die Region holen.

Seit 17 Jahren betreibt Zahntechniker René Stübner sein Dentallabor QuadroCAD in Geilenkirchen-Lindern. Und seit Ende letzten Jahres beschreitet er verstärkt digitale Wege. Sein Labor hat er mit einer entsprechenden Fräsanlage ausgestattet. Es handele sich um die erste ihrer Art im Kreis Heinsberg, versichert er.

Digitale Zahnmedizin? Das ist ganz grundsätzlich zunächst mal eine gute Nachricht für alle, die den althergebrachten Zahnabdruck mit Silikonmasse kennen und hassen gelernt haben. Ein Metalllöffel, der sich ins Zahnfleisch bohrt und in den Rachen schiebt, ist für manch einen mit akutem Brechreiz, zumindest mit Schmerzen für jeden verbunden.

Ein modern ausgestatteter Zahnarzt oder Kieferorthopäde erledigt das Ganze digital: mit einem Gerät, das kaum größer ist als eine elektrische Zahnbürste. Die Abdrücke, ob nun digital oder auf dem althergebrachten Wege gefertigt, sind vor allen Dingen dafür da, damit Zahntechniker wie René Stübner ihre Arbeit machen können. Aus den Silikonmodellen wird ein Gipsabdruck gegossen, mit dessen Hilfe dann Brücken, Prothesen oder Kronen gefertigt werden.

„Erfinden nicht das Rad neu“

Im Digitalen hat René Stübner nun einen Weg erkannt, den hiesigen Dentalsektor und damit, so glaubt er, den Wirtschaftsstandort zu stärken. Anstatt die Datensätze an weit enfernt in den Großstädten gelegene Fräs-Zentren zu liefern, setzt Stübner auf kurze Wege und den direkten Kontakt mit den Kollegen: „Was mir heute geschickt wird, hat der Kollege morgen zurück“, sagt er. Die Aufträge könnten so weit individueller bearbeitet werden. Und das marktwirtschaftliche Gesetz „Je mehr der Anbieter schafft, desto günstiger der Preis“ treffe nicht zu. Durch die kurzen Wege sieht er sich in der Lage, konkurrenzfähige Preise anzubieten. „Wir erfinden hier nicht das Rad neu“, sagt René Stübner: „Aber an den Belägen kann man ja durchaus noch etwas machen.“

Dabei legt er Wert darauf, keinem der hiesigen Kollegen die Butter vom Brot nehmen zu wollen. Es gehe vielmehr darum, Aufträge in der Region zu halten. Auch will er demnächst Schulungen anbieten, damit auch andere sich mit der digitalen Technologie vertraut machen können. Ihm schwebt ein regionales Netzwerk aus Zahnmedizinern und -technikern vor.

Auch Thomas Fiedler, der dem Labor bereits einen Besuch abgestattet hat, sieht den Vorstoß mit großem Wohlwollen. „Es ist sehr interessant, wie da ein kleiner, regionaler Wirtschaftskreislauf erzeugt wird“, findet der Bürgermeister — und ganz im Sinne der hiesigen Wirtschaftsentwicklung. Auch füge Stübner sich gut in den Gesundheitssektor Geilenkirchens ein, der ja durch das breite Angebot an Reha-Maßnahmen und Fachärzten viel zu bieten habe. „Das ist ein Pfund, mit dem man wuchern kann.“

Stübner glaubt auch, dass mit dem Weg ins Digitale mehr junge Leute für den Beruf des Zahntechnikers gewonnen werden können. Dort gebe es nämlich durchaus Nachwuchssorgen. „Das Handwerkliche und das Filigrane“ liege den Schulabgängern heute wohl weniger als früher. Zu Bits und Bytes hingegen habe die Jugend ja bekanntlich eine hohe Affinität.

Zeitgemäße Internetverbindung

Rund 25 Megabyte groß ist ein unbearbeitetes Digitalmodell. In bearbeitetem Zustand kommt man knapp auf das Doppelte. Das sind heutzutage keine allzu großen Datenmengen mehr, sie lassen sich ohne Probleme per E-Mail verschicken — vorausgesetzt, die Internetleitung ist nicht von gestern oder vorgestern. Praktisch nebenbei zeigt René Stübner, der über eine 50\.000er-Leitung verfügt, mit seinem Labor also, wie wichtig eine zeitgemäße Internetverbindung für die hiesige Wirtschaft ist.

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