Geilenkirchen/Gangelt: Winterzeit: Tiere stecken Umstellung besser weg als Menschen

Geilenkirchen/Gangelt: Winterzeit: Tiere stecken Umstellung besser weg als Menschen

Endlich haben wir sie wieder: die gestohlene Stunde. Denn Samstagnacht wird wieder die Zeit von drei auf zwei Uhr umgestellt. Die einen freut‘s, dürfen sie doch eine Stunde länger schlafen, feiern oder was man sonst mit der gewonnenen Zeit anfangen möchte.

Andere können die geschenkte Stunde nicht ganz so gut ausnutzen. Bauer Josef Bergs zum Beispiel. Er hat einen Milchvieh-Betrieb in Geilenkirchen-Prummern. Weil seine 100 Kühe natürlich nicht auf die Uhr schauen, aber jeden Tag etwa zur gleichen Zeit gemolken werden, macht er ihnen den Übergang von Sommer- auf Winterzeit mit einem Trick etwas leichter. „Wir verteilen die Stunde auf zwei Tage“, sagt er.

Uhr wird umgestellt: Während Hoftiere schonend an die neue Zeit gewöhnt werden, müssen sich die Menschen, insbesondere Autofahrer, innerhalb weniger Stunden auf die Dunkelheit einstellen. Foto: dpa

Umstellung für Tiere kein Problem

Das heißt, er melkt sie am Sonntag eine halbe Stunde später als sonst und am Montag noch einmal eine halbe Stunde später. So müssen seine Kühe nicht gleich eine ganze Stunde auf einmal länger ausharren. Ein Problem sei die Zeitumstellung aber grundsätzlich nicht. „Tiere sehen das nicht so eng“, sagt er. Ähnlich sieht es auch Willi Krings, der sich um die Wildtiere im Tierpark Gangelt kümmert.

„Tiere haben keine Uhr“, sagt er. Für die Wildtiere seien andere Zeichen in der Natur wichtiger als die Zeit. So orientieren sie sich zum Beispiel daran, wann die Blätter von den Bäumen fallen und verlassen sich auf ihre Instinkte. Dass der Berufsverkehr am Montag eine Stunde später über die Straßen rollt, führt nur selten zu Konflikten. „Verkehr ist immer“, sagt Krings und wenn die Tiere über die Straßen wollen, tun sie das — völlig egal zu welcher Uhrzeit. Autofahrer, die im Winter meist noch im Dunkeln zur Arbeit fahren müssen, sollten trotzdem ein besonderes Augenmerk auf Wildtiere haben, die ihren Weg zur Arbeit kreuzen.

Die Zeitumstellung gibt es seit 36 Jahren. Im Sommer 1980 wurde erstmals an der Uhr gedreht. Hintergrund dessen war, dass mit dieser Regelung das Tageslicht besser genutzt werden sollte, um Energie zu sparen. Ob das wirklich so ist und die gewonnene Stunde Tageslicht am Morgen die Energiekosten für die nächtliche Beleuchtung ausgleichen kann, sieht Hausmeister Alexander Filips, der für das Schul- und Sportzentrum der Stadt Geilenkirchen zuständig ist, skeptisch.

„Ich denke der Energieverbrauch zwischen Sommer und Winterzeit ist in etwa gleich“, sagt er. Die Ersparnis könne nicht besonders groß sein. Auch wenn es morgens bald früher hell ist und auf Licht verzichtet werden kann, muss die Beleuchtung abends rund 1,5 Stunden früher eingeschaltet werden. Zuletzt brannten die Glühbirnen in den Turnhallen und im Schulgebäude von sechs Uhr morgens bis halb acht und von 19 bis 23.30 Uhr. Ab Montag soll das Licht abends schon um 17.30 Uhr angehen. Filips hat am Montag ein straffes Programm. Er muss sämtliche Zeitschaltuhren für Heizung und Licht anpassen sowie die große Hauptuhr im Schulgebäude umstellen.

Doch auch für den Menschen ist die Zeitumstellung nicht unproblematisch. Eine repräsentative Studie der DAK-Gesundheit aus dem vergangenen Jahr, die auf eine bundesweite Forsa-Umfrage mit 1001 Befragten zurückgeht, zeigt, dass etwa drei von zehn Befragten nach der Zeitumstellung Probleme haben.

Frauen leiden unter Umstellung

Das wirkte sich auch auf den Krankenstand der Arbeitnehmer aus, der im vergangenen Jahr in den drei Tagen nach der Umstellung um etwa 15 Prozent gesteigen war. Demnach hätten Frauen häufiger Probleme als Männer. Symptome seien Müdigkeit, Einschlafprobleme sowie Konzentrationsschwierigkeiten. Schuld sei der Biorhythmus, der sich nicht von einem Tag auf den anderen umstellen ließe.

Hilfreich seien Entspannung, frische Luft und Gelassenheit. Vielleicht sollten wir Menschen es wie die Tiere machen. Statt einer vollen Stunde, erstmal eine halbe Stunde später aufstehen, um den Körper nicht zu sehr aus dem Takt zu bringen.