Geilenkirchen: Wie aus Feinden Freunde werden: Vortrag zu deutsch-französischen Beziehungen

Geilenkirchen : Wie aus Feinden Freunde werden: Vortrag zu deutsch-französischen Beziehungen

Mit der Geschichte der deutsch-französischen Beziehungen ist der Historiker Dr. Reinhard Schreiner befasst. Schreiner hielt seinen Vortrag „Geschichte und Aktualität — 55 Jahre Élysée-Vertrag“ auf Einladung des Stadtverbands Geilenkirchen der Europa Union im Haus Basten vor einem sehr interessierten Publikum.

Professor Dr. Gerd Wassenberg, Vorsitzender der Europa Union, verwies in seiner Einführung darauf, wie wichtig der Élysée-Vertrag von 1963 sei. Denn beide Länder wären über viele Jahre verfeindet gewesen. Sie hätten es in ihren Beziehungen an Demütigungen nicht fehlen lassen. Wassenberg erwähnte die Proklamierung des Deutschen Kaiserreiches durch Wilhelm I. im Jahr 1871, nach dem deutsch-französischen Krieg, im Spiegelsaal des Versailler Schlosses.

Und er erinnerte an die Demütigung der Deutschen bei den Friedensverhandlungen im Juni 1919, ebenfalls im Spiegelsaal von Versaille, als die beiden deutschen Vertreter, zwei Minister, durch einen Hintereingang in den Spiegelsaal geführt wurden und sich niemand der Anwesenden auf Drängen der französischen Gastgeber erhob, obwohl dies zu den diplomatischen Gepflogenheiten gehört habe. Wassenberg erwähnte auch, dass die beiden Minister an einem „Katzentisch“ Platz nehmen mussten und nicht am offiziellen Konferenztisch sitzen durften.

Fundiert erläuterte der Troisdorfer Historiker Dr. Reinhard Schreiner die Geschichte der deutsch-französischen Beziehungen. Schreiner hatte nach dem Studium von Geschichte und Französisch in Trier und Frankreich über die deutsch-französische Beziehungen nach 1945 promoviert. Er war 1981 bis 2015 bei der Konrad-Adenauer-Stiftung als wissenschaftlicher Mitarbeiter mit dem Forschungsschwerpunkt Geschichte der Europäischen Integration tätig gewesen.

Dr. Reinhard Schreiner gelang es in seinem Vortrag, ein komplexes Thema verständlich und anschaulich darzustellen. Schneider ordnete den Vertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Französischen Republik über die deutsch-französische Zusammenarbeit vom 22. Januar 1963, der als Élysée-Vertrag in die Geschichte einging, als einen Meilenstein in der Entwicklung der deutsch-französischen Beziehungen ein. Deutschland und Frankreich hätten in der europäischen Geschichte stets eine besondere Rolle gespielt. Nach den Verheerungen zweier Weltkriege, die einen Tiefpunkt der Beziehungen dargestellt hätten, habe der Élysée-Vertrag, das besondere Verhältnis zwischen den beiden ehemaligen Feinden begründet.

Die Freundschaft zwischen beiden Ländern sei heute eine Selbstverständlichkeit. Lange Zeit sei aber das Gegenteil der Fall gewesen, was heute vor allem jungen Leuten nicht mehr bewusst sei. Dr. Schneider: „Die Erfolgsgeschichte kann nur der ermessen, der die Geschichte kennt.“

Schneider erläuterte, wie es zu dem erstaunlichen Prozess eines fundamentalen Wandels der Beziehungen in wenigen Jahren kam. Er ging auf den Start zu einer neuen Ära der Beziehungen ab 1949 ein, der von Konrad Adenauer, Robert Schuman und Jean Monnet mitgestaltet wurde.

Den Störfaktor Saarfrage stellte Schneider ebenso dar wie das Ringen um die Europäische Integration und den Weg zum Freundschaftsvertrag von 1963.

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