1. Lokales
  2. Geilenkirchen

Spiritualität: Wer bin ich? Und warum bin ich hier?

Spiritualität : Wer bin ich? Und warum bin ich hier?

Der Kreuzrather Walter Zillgens beschäftigt sich mit Spiritualität und den drängenden Fragen des Lebens. Seine Gedanken und Erkenntnisse hat er in dem Buch „Unser wahres Leben“ zusammengefasst.

Es gibt Dinge im Leben eines Menschen, die sind für Walter Zillgens eine Tatsache. Die Wiedergeburt zum Beispiel und auch, dass es im Leben keine Zufälle gibt. „Alles was uns widerfährt, haben wir selbst auf irgendeine Art und Weise verursacht“, ist sich Zillgens, Jahrgang 1947, sicher. Im Laufe der Jahre hat sich der Handwerksmeister und Kaufmann, der aus Hastenrath stammt und nun in Kreuzrath lebt, viele Gedanken über das Menschsein gemacht. Diese hat er in seinem Buch „Unser wahres Leben – Wer bin ich? Wo komme ich her? Wo gehe ich hin?“ zusammengefasst.

„Es war immer schon ein Wunsch von mir, mal ein Buch zu schreiben, auch wenn das für einen Handwerker vielleicht nicht ganz üblich ist“, erinnert sich Walter Zillgens. „Schon als junger Mann hatte ich großen Respekt vor all den Autoren und war mir sicher: Die müssen richtig was auf dem Kasten haben! Auch ich wollte das, was ich weiß, einmal praktisch in Worte fassen. Vor rund zweieinhalb Jahren – die Zwangspause durch Corona hat mir in die Karten gespielt, weil ich plötzlich Zeit hatte – habe ich dann angefangen, zunächst mit Pausen, dann konsequent an einem Stück zu schreiben.“

Im November 2021 ist „Unser wahres Leben“ dann erschienen. Das Buch bietet „Spiritualität und Lebensgesetze zum Anfassen, fürs tägliche Leben“. Es richtet sich an neugierige Menschen aller Altersgruppen, die für praktische Spiritualität und energetische Ganzheitlichkeit offen sind und gerne über den Tellerrand hinausschauen möchten. So formuliert es zumindest der Klappentext.

 An der Wand in Walter Zillgens Arbeitszimmer hängen allerhand Zertifikate und Urkunden. Unter anderem ist er Reiki-Meister und Reinkarnations-Therapeut.
An der Wand in Walter Zillgens Arbeitszimmer hängen allerhand Zertifikate und Urkunden. Unter anderem ist er Reiki-Meister und Reinkarnations-Therapeut. Foto: MHA/Simone Thelen

An den Wänden im Arbeitszimmer von Walter Zillgens lässt sich sozusagen auch seine berufliche und spirituelle Biografie ablesen. Neben dem Fenster hängt sein Meisterbrief, ein paar aufmunternde und anregende Sprüche hängen links vom Schreibtisch, auf der gegenüberliegenden Seite gibt es Urkunden, die seine Ausbildungen im spirituellen Bereich belegen: Ganzheitliche Krisenberatung, Integrative Reinkarnationstherapie und Reiki, um nur einige zu nennen.

Seine berufliche Laufbahn beginnt der Hastenrather Walter Zillgens mit einer Ausbildung zum Fliesenleger in Grotenrath. „Mit 24 habe ich mich dann als Fliesenlegermeister selbstständig gemacht, erst mit einem Betrieb in Gangelt, dann mit einer größeren Firma in Geilenkirchen Niederheid.“ Nach ein paar Jahren hat Zillgens 60 Mitarbeiter und führt damit einen der größten Verlegebetriebe im Raum Aachen, Mönchengladbach und Düsseldorf. Dann kommt der Crash. Der Betrieb ist zu groß geworden. „Es braucht verdammt viele Aufträge, um so viele Mitarbeiter beschäftigen zu können. Also habe ich Aufträge angenommen, die eigentlich nicht lohnend waren.“ Die schlechte Konjunkturlage, hohe Außenstände und die sinkenden Preise tun ihr Übriges. Wenn der Zug einmal ins Rollen gerät, ist er nicht mehr aufzuhalten.

„Anfangs fühlte ich mich als Opfer und wurde von allen bedauert. Aber dann habe ich erkannt, dass ich eigentlich der Täter bin. Natürlich habe ich mir die Niederlage nicht herbeigewünscht. Aber ich habe sie selbst verursacht. Heute sehe ich das als ein Geschenk, das ich mir selbst gemacht habe, denn es hat mich – zugegeben über große und steinige Umwege – zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin.“

Spiritualität: Wer bin ich? Und warum bin ich hier?
Foto: MHA/Simone Thelen

Walter Zillgens arbeitet kurz in der Finanzbranche und wechselt dann wieder in den Fliesen- und Sanitärbereich – als Arbeitnehmer im Außendienst. Mit 60 bricht er der Liebe wegen seine Zelte im Kreis Heinsberg ab und zieht nach Leonberg in der Nähe von Stuttgart. „Meine zweite Frau lebte dort. Und um ehrlich zu sein, der Umzug war auch ein wenig Flucht für mich. Plötzlich kannte mich niemand mehr. Es war eine Befreiung.“ Mit 67 stellt Zillgens noch eine Dienstleistungsfirma auf die Beine und arbeitet auch in der Gesundheitsbrache. Nach ein paar Jahren im Süden zieht es ihn und seine Frau aber dann doch zurück nach Gangelt, zurück zu seiner Familie, vor allem zu seinen zwei Söhnen, und zurück zu den Freunden, mit denen der Kontakt nie abgerissen ist.

Einen Freund, den Zillgens im Laufe der Jahre dazu gewonnen hat, ist Antonius von Padua, gestorben vor 790 Jahren, aber Walter Zillgens geistiger Ratgeber. „Ich bin mir sicher, dass er mich auf der energetischen Ebene immer unterstützt. So hat er mir beim Schreiben geholfen und zum Beispiel auch das Cover des Buches geschickt, das ich ohne seine Hilfe nicht gefunden hätte.“ Es zeigt einen Baum, dessen Äste einen Kopf formen. Der Wind bläst die Blätter weg, die auch wiederum als ein Gesicht durch den Himmel wehen – ein Symbolbild für das Leben, wie es Walter Zillgens sieht. „Ich habe schon früh angefangen, mich für Spiritualität zu interessieren. Es gab dafür keinen bestimmten Grund oder Auslöser. Aber wie schon erwähnt: Nichts geschieht aus Zufall.“

Walter Zillgens fängt an, die Bücher von Joseph Murphy zu lesen. Es folgen weitere Werke, und die Erkenntnisse, die Zillgens aus der Lektüre und seinen eigenen Gedanken gewinnt, lässt er schon als junger Mann immer wieder in Gespräche einfließen. „Aber damit habe ich mir eine blutige Nase geholt. Die Menschen wollten lieber über Fußball oder das Wetter sprechen. Also habe ich mich nur für mich mit der Spiritualität beschäftigt.“

Auch sein Buch schreibt Zillgens – viele Jahre später – zunächst still und ohne das Projekt an die große Glocke zu hängen. Nach dem Lektorat verschenkt er es zunächst im Familien- und Freundeskreis – und bekommt viele positive Rückmeldungen. „Ich möchte mit dem Buch niemanden missionieren, aber zum Nachdenken anregen.“

Der erste Teil beschäftigt sich mit Zillgens Spiritualität und seinen Ansichten über Gott und die Welt und das Thema der Ganzheitlichkeit. „Ich bin davon überzeugt, dass es den Gott als weisen alten Mann, der die Zügel in der Hand hält, nicht gibt. Vielmehr ist Gott eine allumfassende Energie, aus der alles Leben hervorgeht. Es ist energetisch im Fluss, alles ist miteinander verbunden. Daraus ergibt sich auch die Frage danach, warum wir hier sind: Weil wir uns freiwillig auf diese Ebene gewünscht haben. Und wir gehen wieder in die göttliche Energie zurück. Für mich selbst kann ich deshalb sagen, ich bin in meinem Leben immer auf dem Weg nach Hause. Und ich werde noch ein paar Mal wieder kommen.“

Der zweite Teil seines Buches beschäftigt sich mit den Lebensgesetzen, mit Zillgens Gedanken über den Tod und das Sterben. Seine ehrenamtliche Arbeit als Sterbebegleiter in einem Hospiz hat ihm hier wertvolle Erkenntnisse geschenkt. „Mein Buch ist trotzdem praxisnah“, sagt Walter Zillgens. „Es bietet Spiritualität für Anfänger, und es ist so geschrieben, dass es jeder, der sich darauf einlassen möchte, verstehen kann. Was ich beschreibe, sind fundierte Informationen und natürlich subjektive Ansichten. Aber alle Fakten sind umfassend recherchiert, dabei bleibt das Buch spannend, fast schon wie ein Krimi. Die Kapitel bauen zwar nicht aufeinander auf, aber es gibt einen roten Faden.“

Um die Fragen nach dem „Wer bin ich? Und warum bin ich hier?“ zu beantworten, bemüht Walter Zillgens nicht die Biologie, sondern die Spiritualität. „Ich frage mich auch, warum sind wir Mensch in so unterschiedliche Bereiche geboren? In Armut oder Reichtum, in verschiedene soziale Schichten, das ist doch eigentlich ungerecht! Die Antwort finde ich in der Reinkarnation und in der Idee von Energie und Karma. Die Wiedergeburt ist für mich ein Fakt, für den es viele Belege gibt. Nichts ist ein Zufall. Und ich bin, der ich wirklich bin: ein Teil der göttlichen Energie und das Ganze zugleich. Wir alle sind wie ein riesiges Puzzle, vernetzt, aber jeder für sich auch vollständig.“ Wer das richtig verstehen oder mehr darüber erfahren möchte, dem sei das Buch „Unser wahres Leben“ von Walter Zillgens ans Herz gelegt.