Geilenkirchen-Kraudorf: Wenn Kunst auf dem platten Land erblüht

Geilenkirchen-Kraudorf: Wenn Kunst auf dem platten Land erblüht

Schon ein bisschen komisch, dass sich Kunstvereine in unserer Region dort ansiedeln, wo sich Hase und Igel gute Nacht sagen und höchstens mal die Kuh Muh macht. Der Kunstverein Region Heinsberg residiert auf dem Horster Hof, einem Vierkanthof, weit draußen abseits von Unterbruch an der Rur bei Heinsberg.

Und auch der frisch gegründete Kunstverein Kraudorf 11 hat sein Domizil auf einem ehemaligen, um einen geschlossenen Innenhof gelegenen Bauernhof. Der liegt immerhin mitten in Kraudorf, gegenüber der Kirche. Kraudorf allerdings kennen die wenigsten. Der kleine Ort ruht sehr schön im Tal der Wurm zwischen Geilenkirchen und Randerath. Kunstfreunden aus der Region aber auch von weiter her - die von weiter her erkennt man daran, dass sie immer zu spät nach Kraudorf kommen, weil sie erst mal durch die schöne Gegend irren, ist der Ort inzwischen bekannt durch die Musik und Kunstveranstaltungen kurz MuKu genannt.

Zu MuKu die IV. hatte der Kunstverein Kraudorf 11 eingeladen; er setzt damit die Veranstaltungsreihe fort, die Wolfgang Morawe und Karin Hildebrandt mit ihrer Galerie 11 am selben Ort begonnen hatte. Wolfgang Morawe: „Mit der Gründung eines Kunstvereins wollten wir die Aktivitäten auf eine breitere Basis stellen, um so auch in Zukunft Musik- und Kunstveranstaltungen auf dem gewohnten Niveau anbieten zu können.”

Die Aktiven des Kunstvereins kommen überwiegend aus Kraudorf und der näheren Umgebung. „MuKu die IV.” bot den zahlreich erschienenen Kunstinteressierten Arbeiten dreier sehr unterschiedlich arbeitender Künstler und natürlich auch etwas Musik. Diesmal nicht wie gewohnt einen ganzen Konzertblock im Rahmen der Vernissage, sondern zur Begrüßung der Besucher ein Flötenstück von Dr. Burkhart Ollertz. In Kraudorf spielte er auf der Querflöte die Komposition „Shakuhachi” von Frank Michael.

Das Stück ist eine Hommage an die japanische Bambusflöte und überträgt die Leidenschaft der traditionellen japanischen Musik auf die moderne Konzertflöte. Das Stück war eher eine Hinführung zu den Bildern des aus China stammenden und in Düsseldorf heimisch gewordenen Malers. Yeyun Zhang zeigt bei „MuKu die IV.” aktuelle abstrakte Bilder. Seine figürliche Malerei aus den Jahren des vergangenen Jahrhunderts hat er aufgebeben. Wahrscheinlich konnte er den oft zitierten Vergleich mit Francis Bacon nicht mehr hören. Sehr schön sind zwei etwas ältere Bilder, die er nach dem Prinzip des Goldenen Dreiecks, das die traditionelle chinesische Malerei prägte, komponiert hat. Der leere Raum bekommt wie bei den sparsamen Tönen des Flötenstücks eine besondere Bedeutung. Glas ist das Arbeitsmaterial von Karel Cornelis aus Berlare in Belgien.

Karel Cornelis ist Architekt. Zu jeder seiner Glasarbeiten entsteht zunächst eine fein ausgeführte Zeichnung. Cornelis ist in Kraudorf nicht nur in den Innenräumen der Galerie präsent, sondern fast noch stimmungsvoller sind seine Arbeiten im Garten im Wind und dem Wechselspiel des Lichtes zu erleben. Wie Karel Cornelis mit seinem Werkstoff Glas arbeitet, können die Besucher bei der Finissage der Ausstellung am Sonntag, 27. November, um 17 Uhr erleben. Dritte im Bunde ist Anke Lohrer. Ihren Arbeiten gehören die oberen Galerieräume. Dort hat die Düsseldorfer Künstlerin, Meisterschülerin von Professor Fritz Schwegler an der Kunstakademie Düsseldorf, ihre Buchkunst ausgebreitet. Speziell für die Ausstellung „MuKu die IV.” hat Anke Lohrer ihr Buch „Playground” geschaffen.

Bei Morawe war Anke Lohrer auf dessen große Spielzeugsammlung aufmerksam geworden. „Playground” ist eine Verbindung von Zeichnungen dieses Spielzeugs mit Texten von Dichtern des Barock und der Romantik aber auch zeitgenössischer Autoren.

Die „MuKu die IV.” ist bis zum 27. November freitags von 15 bis 18 Uhr sowie samstags und sonntags von 11 bis 18 Uhr sowie nach Vereinbarung unter ? 02453/2474 in Geilenkirchen-Kraudorf, Kraudorf 11, zu besichtigen.

Am Sonntag, 20. November, um 18 Uhr findet im Kunstverein eine Lesung aus der Anthologie „Tödlicher Selfkant” und am Sonntag, 27. November, ab 17 Uhr die Finissage mit flämischer Musik und einer Vorführung von Karel Cornelis statt.