Zum Tag der Feuerwehr: Wehrleute in Geilenkirchen rüsten sich für heiße Sommer

Zum Tag der Feuerwehr : Wehrleute in Geilenkirchen rüsten sich für heiße Sommer

Wenn der Funkrufname „Florian“ durch den Äther schallt, setzt sich wenige Minuten später ein Tanklöschfahrzeug mit Blaulicht und Sirene in Bewegung. „Florian“ ist nicht nur der einheitliche Funkrufnahme der Feuerwehren in Deutschland, sondern der Schutzpatron der Wehrleute.

Am Samstag ist der Tag des Heiligen Florians, aber auch der Internationale Tag der Feuerwehrleute, der ins Leben gerufen wurde, nachdem am 4. Januar 1999 fünf Feuerwehrleute in einem Feuer in Australien ums Leben kamen. Tag für Tag sind die Florianjünger rund um die Uhr in Bereitschaft, um Hab und Gut, Gesundheit und Leben der Menschen zu schützen.

In allen kleinen und mittelgroßen Städten geschieht dies auf ehrenamtlicher Basis. „Es ist schön, zu helfen. Wir wissen ganz genau: Wenn wir Feuerwehrleute nicht mehr helfen können, kann es keiner mehr“, erklärt Franz Büßelberg, Leiter der Geilenkirchener Feuerwehr, seine Beweggründe. Sein Stellvertreter, Ralph Dechene, meint: „Wir wollen etwas Sinnvolles für die Gemeinschaft tun.“ Dazu gehört allerdings eine große Portion Engagement, Disziplin und Idealismus. Denn die Geilenkirchener Feuerwehr wird, statistisch gesehen, täglich alarmiert. Durchschnittlich 350 bis 400 Einsätze hat sie im Jahr. Aufgrund der Vielzahl der Flächenbrände waren es im vergangenen Jahr sogar 449 Notrufe, die die Geilenkirchener Wehr erreichten. Innerhalb von acht Minuten muss die Wehr dann einsatzfähig vor Ort sein. Dies fordert und überprüft die Bezirksregierung in Köln.

Über 400 Mitglieder hat die Geilenkirchener Wehr: 243 in den zehn Löscheinheiten der Einsatzabteilung, 35 in der Jugendfeuerwehr und der Rest in der Ehrenabteilung, in der die ehemals Aktiven ab dem 67. Lebensjahr aufgenommen werden. 24 Fahrzeuge stehen der Wehr zur Verfügung. Während ein Löschfahrzeug rund 300.000 Euro kostet, freut sich die Geilenkirchener Wehr über eine neue 610.000 Euro teure Drehleiter, die am Sonntag, 19. Mai, um 11 Uhr unter Beteiligung der Öffentlichkeit eingesegnet wird.

449 Notrufe gab es im vergangenen Jahr: Einer davon war der Brand von gestapelten Reifen in Gillrath. Foto: ZVA/Udo Stüßer

„Damit sind wir derzeit einsatztaktisch gut aufgestellt“, sagt Ralph Dechene. Frank Büßelberg blickt aber auch in die Zukunft: „Künftig brauchen wir andere Fahrzeuge mit großem Wassertank. Wir haben einen enormen Zuwachs an Flächenbränden dort, wo uns keine Wasserversorgung zur Verfügung steht. Experten rechnen dauerhaft mit einer Zunahme von heißen und trockenen Sommern und einer Zunahme von Vegetationsbränden.“ Deshalb ist die Wehrleitung überzeugt: „Wir brauchen künftig nicht mehr, sondern andere Fahrzeuge.“

Alleine im Juli des vergangenen Jahres fuhren die Geilenkirchener Wehrleute 90 Einsätze, bis zu sieben Mal am Tag wurden sie meistens zu Flächenbränden alarmiert. „Die Waldbrandgefährdung ist auch auf höherer Ebene ein wichtiges Thema, es werden auf Landesebene Einsatzexpertisen für Waldbrände erarbeitet“, erklärt Büßelberg, wobei Dechene feststellt: „Auch dieser März und April waren schon zu trocken.“

Innenhalt von acht Minuten muss die Feuerwehr einsatzfähig vor Ort sein. Auch bei diesem Verkehrsunfall zwischen Gillrath und Birgden wurde diese Zeit eingehalten. Foto: ZVA/Udo Stüßer

Über ihre Ausrüstung denken die Wehrleute ebenfalls nach: „Wir brauchen Schläuche mit einem kleineren Durchmesser. Weil die Einsatzkräfte größere Distanzen damit zurücklegen müssen, muss die Belastung für die Wehrleute geringer werden“, sagt Dechene.

Sechs Euro erhalten die Ehrenamtler pro Einsatz als Pauschale, dauert der Einsatz mehr als drei Stunden, so sind es zehn Euro. Und auch dieser geringe Betrag ist eine freiwillige Leistung der Stadt. „Dem hilfesuchenden Bürger ist es egal, ob eine ehrenamtliche Feuerwehr oder eine Berufsfeuerwehr eintrifft. Er will qualifizierte und professionelle Hilfe. Und das ist sein gutes Recht. Die Tatsache, dass wir ehrenamtlich arbeiten, bedeutet nicht, dass wir weniger professionell sind. Wir sind Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge“, sagt Büßelberg. Mit ihren über 29.000 Einwohnern müsste die Stadt Geilenkirchen eigentlich auch hauptamtliche Feuerwehrkräfte in ihren Reihen haben.

Da sie aber ständig ihre Leistungsfähigkeit beweisen kann, wurde von der Bezirksregierung eine Ausnahmegenehmigung erteilt. Innerhalb von acht Minuten nach Alarmierung müssen die Feuerwehrkräfte einsatzfähig am Einsatzort sein. „Bei den 120 Einsätzen, die wir in diesem Jahr hatten, ist uns das immer gelungen“, sagt Büßelberg nicht ohne Stolz.

Frank Büßelberg (links) und Ralph Dechene leiten die Geilenkirchener Feuerwehr. Foto: ZVA/Udo Stüßer

Es sind nicht nur Brände und Verkehrsunfälle, bei denen die Feuerwehr alarmiert wird. Ist ein Verkehrsschild umgekippt, muss eine Ölspur beseitigt, eine Katze vom Baum gerettet, ein Mensch aus einem stecken geblieben Aufzug gerettet oder eine in einem Kippfenster eingeklemmte Ratte beseitigt werden, ist die Wehr gefragt: „Es gibt kaum jemand, der nicht auf die Idee kommt, die Feuerwehr zu rufen“, sagt Büßelberg.

Um für alle Fälle gerüstet zu sein, sind Lehrgänge und Weiterbildungen erforderlich. „Die Bereitschaft zu lernen ist groß“, lobt Büßelberg seine Kameraden und macht die Bedeutung von Weiterbildung an der technischen Unfallhilfe deutlich: „Die Autos werden immer moderner, die Elektronik wurde weiterentwickelt, und es gibt immer andere Materialien, mit denen unsere Schneidegeräte ein Problem haben könnten. Trotz dieser Belastung hat die Wehr keine Nachwuchssorgen. Vier Kameraden sind im vergangenen Jahr ausgetreten, drei wurden in die Ehrenabteilung überstellt. Ihnen standen 18 Neuzugänge gegenüber.“

Was Büßelberg und Dechene bedauern, ist der geringe Frauenanteil: Zwischen fünf und zehn Prozent der Wehrleute sind Frauen. „Wir wären nicht böse, wenn das Mischungsverhältnis besser wäre“, sagt Büßelberg.

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