Geilenkirchen: Wehrhafte Frauen beim TuS Frelenberg

Geilenkirchen: Wehrhafte Frauen beim TuS Frelenberg

Draußen wird es langsam dunkel, während in der Turnhalle an der Annabergstraße in Frelenberg die Lichter angehen. Hinten steht ein beinahe unscheinbarer Mann in schwarzer Trainingskleidung. Es ist Tom Klein, Großmeister in verschiedenen Kampfsportarten, der sich gerade auf sein neuestes Programm vorbereitet.

„Es geht bei diesem mit ‚Lady-Lions‘ überschriebenen Kurs um Frauen-Selbstbehauptung“, sagt er, doch derzeit muss er sich eher mit der Technik auseinandersetzen, denn die mitgebrachte Kombination aus All-in-One-Musikwiedergabebox und dem mobilen Mikrofon produziert mehr Rückkopplungen, als ihm lieb ist.

„Wenigstens sind jetzt alle wach“, meint eine der gut 20 Kursteilnehmerinnen, während Tom Klein sich kurzerhand dazu entscheidet, auf die Unterstützung per Mikrofon zu verzichten. „Ich denke, ich kann mich auch so bemerkbar machen“, sagt er lächelnd. Und das können die Damen ihm unbesehen glauben: Als Dozent an der Fachhochschule für Öffentliche Verwaltung ist der hauptberufliche Polizeibeamte es schließlich gewohnt, sich vor einer Truppe zu behaupten.

„Mir geht es heute vor allem darum, ganz viel über Verhaltensweisen zu zeigen und Euch einen großen Teil Selbstbehauptung beizubringen“, sagt er. Ob die Damen alle darauf eingerichtet sind, bleibt in diesem Moment unklar.

Aufwärmen bei Musik

Unmissverständlich sportlich geht es allerdings los. Das ist aber kein Problem, schließlich handelt es sich bei der Truppe um die Turnabteilung des TuS Rot-Weiß Frelenberg. „Wir sind da einiges gewohnt“, lacht Silvia Erdmann, die sonst immer die Anweisungen beim Training gibt. Zu flotter elektronischer Musik machen sich die Damen im Tae-Bo-Stil warm, und wer dachte, dass der Dozent dabei aus der Puste geraten würde, sieht sich getäuscht.

Vielmehr legt Tom Klein immer wieder eine Schippe nach. Boxbewegungen sind dabei, Ausweichbewegungen und auch das tänzerisch wirkende Vorwärtsgehen. „Alles nur Vorgeplänkel“, meint Tom ganz locker, denn als die Damen richtig warmgemacht sind, geht es in die Vollen.

Dabei sieht es so leicht aus, beinahe spielerisch, wie Tom Klein mit ein paar Schritten und einem, vielleicht zwei gezielten Griffen den Angriff seines Gegenübers zunichte macht. Dahinter steckt natürlich ganz viel Training, bevor es wie bei Klein, dem mehrfachen Meister in verschiedenen Kampfsportkünsten, ganz leicht aussieht, wenn man einem Gegner den Wind aus den Segeln nimmt.

Übergriffe in Köln

Vor dem Hintergrund der Übergriffe in der Silvesternacht von Köln, die immer noch sehr präsent in den Köpfen sind, zeigt Klein, wie wichtig es sein kann, im Alltag gerade als Frau selbstbewusst aufzutreten. Damals sind wehrlose Frauen von Männern belästigt worden, auch körperlich.

Damit das zumindest bei den Teilnehmerinnen des Verteidigungskurses nicht dazu führen kann, dass Gewaltakte vollzogen werden, zeigt Klein ihnen in einem mehrtägigen Kurs, wie die richtige Verteidigung funktioniert. „Unser Ziel sind wehrhafte Frauen“, erklärt er der Gruppe.

Sich mental auf solche Situationen vorzubereiten, Abläufe und vielleicht auch Reaktionen einzuüben, die Frauen dann im Fall der Fälle abrufen können, das ist sein Ziel.

Lautes Rufen, ja Schreien schrecke nicht nur manchen Angreifer ab, macht er klar, sondern sorge auch dafür, dass der Körper der Frauen dadurch ganz automatisch schon in Alarmbereitschaft versetzt werde. „Täter suchen sich meistens ein wehrlos wirkendes Opfer aus“, erklärt er die Psychologie des Angreifers.

Waffen einer Frau

Zum Wehren kommen die Damen schließlich auch noch, und dabei konnten auch die Accessoires einer Frau zu den Waffen einer Frau werden. „Was habe ich in der Handtasche, womit ich mich wehren könnte?“, fragte Tom Klein so in die Runde, und schnell wurden abseits von Abwehrsprays ganz normale Alltagsgegenstände gefunden, mit denen eine Frau sich zur Wehr setzen kann.

Am Ende waren die Damen übrigens nicht nur schön ausgepumpt vom anspruchsvollen Training, sondern auch zufrieden, denn im Kurs mit Tom Klein erfuhren sie, wie es funktionieren kann mit der Gegenwehr. Und sie wussten auch, dass es lange dauern wird, bis solche Bewegungsabläufe scheinbar spielerisch umgesetzt werden können.

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