Übach-Palenberg: Wasser: Zu viel Geld fließt Richtung Herzogenrath

Übach-Palenberg: Wasser: Zu viel Geld fließt Richtung Herzogenrath

Wer sich am Dienstagabend auf den Toiletten des Pädagogischen Zentrums (PZ) die Hände wusch, konnte den Eindruck gewinnen, das derzeit noch von enwor gelieferte kühle Nass wolle nochmal zeigen, was es kann. So stark es aber auch aus dem Wasserhahn schoss und dabei so manche Hose benässte, so kritisch ging aber auch ein größerer Teil der rund 150 Anwesenden mit dem Thema um.

Die Stadt stellte im PZ den Stand der Planungen zur zukünftigen Wasserversorgung ab dem 1. Juli 2016 vor. Und die Bürger äußerten ihre Befürchtungen.

Die Zweifel reichten von möglichen zerstörerischen Folgen für Maschinen durch zu hartes Wasser über schlechten, metallischen Geschmack, zu hohe Keim- und Schadstoffbelastung bis hin zur Angst vor Verseuchung durch Fracking. Auch die Befürchtung, dass die Kontrollen zu lasch oder der Wasserdruck zu gering ausfallen könnte, treibt die Übach-Palenberger um. Mit zwei Fachleuten an seiner Seite versuchte Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch, das Thema möglichst nahe an die kritischen Bürger zu bringen. Wobei allerdings am Ende die gefühlten und empfundenen Ängste der Menschen nicht komplett vom Tisch zu fegen waren.

Fakt eins ist, dass die Stadt Übach-Palenberg in enger Zusammenarbeit mit dem Wasserwerk des Kreises Heinsberg eine eigene Wasserversorgungsgesellschaft gründen will. Die Verwaltung hat bereits am 5. Februar im nicht-öffentlichen Teil der Stadtratssitzung die Zustimmung der Stadtverordneten eingeholt, entsprechende Schritte einzuleiten. Diese unter dem Arbeitstitel WÜP (Wasserversorgung Übach-Palenberg) laufende Gesellschaft soll zu mindestens 50,1 Prozent der Stadt Übach-Palenberg gehören und zu maximal 49,9 Prozent dem Kreiswasserwerk.

Laut dem Fach-Rechtsanwalt Konrad Adenauer (nicht nur ein Namensvetter, sondern auch ein Urenkel des früheren Kanzlers) von der Luther-Anwaltsgesellschaft aus Köln wäre gewährleistet, dass die Erträge letztlich bei der Stadt bleiben. „Wir haben festgestellt, dass der bisherige Wasserversorger enwor gar nicht schlecht am Wasser in unserer Stadt verdient hat“, begründete Wolfang Jungnitsch diesen Schritt.

Die von ihm zunächst als „nicht unerheblich“ bezeichnete und später als „sechsstellig“ eingeordnete Gewinnsumme soll über die Gründung der „WÜP“ ins Stadtsäckel gespült werden. Und da der Konzessionsvertrag für Wasser eine Laufzeit von 20 Jahren habe, könnte so ein erkleckliches Sümmchen zur Entlastung des Haushaltes oder auch für andere Ausgaben eingesetzt werden. Die genauen Einsparmöglichkeiten wollten aber weder der Verwaltungschef noch Kämmerer Björn Beeck mitteilen, auch die Kosten des Projekts und genaue Zahlen mussten sie mit Hinweis auf die laufenden Verhandlungen schuldig bleiben.

Fakt zwei ist, dass außer der festen Absicht, die WÜP zu gründen, noch nichts weiter wirklich feststeht. So seien die Gewinne zwar möglich, sagte Jungnitsch, es komme aber immer noch darauf an, wie am Ende aller Überlegungen die Rechnung letztlich ausfällt. „Wenn wir nur einen Euro Gewinn machen, können wir auch bei der enwor bleiben.“ Sollten aber die angepeilten Margen erzielt werden können, sieht die Frage nach dem Wasserlieferanten schon anders aus.

Und das war Fakt drei des Abends, denn wer nun den Zuschlag der WÜP als künftiger Wasserlieferant bekommt, ist noch völlig offen. Im Spiel seien sowohl der bisherige Lieferant enwor mit Sitz in Herzogenrath und seinem aufbereiteten Oberflächenwasser, das vornehmlich aus der Dreilägerbachtalsperre stammt, sowie das Kreiswasserwerk Heinsberg und die niederländische WML (Waterleiding Maatschappij Limburg) aus den Niederlanden, die beide ihr Wasser aus Brunnen beziehen.

Allerdings ließ Bürgermeister Jungnitsch durchblicken, dass selbst intensive Verhandlungen mit der enwor und Städteregionsrat Helmut Etschenberg als Aufsichtsratsvorsitzendem nur unwesentliche Bewegungen im Wasserpreis gebracht hätten, womit die enwor aus dem Rennen zu sein scheint. Die Frage nach den Wasserleitungen, die dem Versorger enwor gehören, musste beim derzeitigen Verhandlungsstand unbeantwortet bleiben. Anmieten oder kaufen? Beides ist nach Auskunft der Verwaltung denkbar.

Fakt vier des Abends war, dass sich Dr. Karl-Heinz Feldhoff als Leiter des Kreisgesundheitsamtes intensiv mit einer Betrachtung der Unterschiede zwischen dem bisherigen enwor-Wasser und dem aus tiefen Brunnen (cirka 130 Meter) grenznah in Schinveld gewonnenen WML-Wasser beschäftigt hatte. Feldhoff bescheinigte dem niederländischen Wasser nicht nur gesundheitlich völlig unbedenkliche und auch nach deutschen Richtlinien mehr als gute Inhaltsstoffe und geringstmögliche Belastungen. „Es ist gleichmäßig gutes und geschmackvolles Wasser“, sagte Dr. Feldhoff, „Wasser für lebenslangen Genuss.“

Auch entkräftete Feldhoff, dass die Härte zu hoch wäre. Zwar weise das Wasser aus den Schinvelder Brunnen mit einem Wert von durchschnittlich 5,83 nach der so genannten „deutschen Härte“ (dH) einen etwas höheren Wert als die durchschnittlich 3,63 dH des von enwor gelieferten Wassers auf. „Das Wasser ist aber immer noch weich“, so Feldhoff. Denn der nach EU-Norm festgelegte mittlere Härtebereich beginne erst ab 8,1 dH. Dazu verfüge das Wasser aus den Schinvelder Brunnen über deutlich geringere Nitratwerte, was sich auch durch deren Ursprung aus den tieferen Brunnen ergebe. Oberflächenwasser, wie es auch bei der enwor Verwendung finde, sei diesbezüglich generell höher belastet.

Trotz dieser Informationen blieben die Menschen am Ende des Abends ausgesprochen kritisch, hinterfragten beispielsweise, wie es um mögliche Fracking-Aktivitäten, eine mögliche Strahlenbelastung oder gar Lieferengpässe steht. Feldhoff führte hier an, dass die Limburger mit den deutschen Vorlagen wortlautgleiche Resolutionen gegen Fracking unterzeichnet hätten und ihr Wasser mindestens genauso gut prüften, wie es in Deutschland der Fall sei.

„Wir kümmern uns um alle Belange, auch um die Notfallversorgung“, so Bürgermeister Jungnitsch, der fest versprach, mit der WÜP keine von manchen Besuchern befürchtete „zweite Klangbrücke“ aus der Taufe zu heben.

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