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Übach-Palenberg: Was man der Bürgerinitiative Marienberg nicht sagen wollte

Übach-Palenberg : Was man der Bürgerinitiative Marienberg nicht sagen wollte

Natürlich ging es auch um PR. 85 Fragen umfasste der Katalog, den die Bürgerinitiative Marienberg erarbeitet hatte.

Die Verwaltungsspitze nahm die Fragen bei einem Termin im Rathaus entgegen, die Kameras machten „klick“, man versprach Antworten. Wir suchen den Dialog, so die Botschaft.

Das war im März 2017, die Antworten auf die 85 Fragen sind längst veröffentlicht. Wie ernst man die Sache im Rathaus nahm, lässt sich aber noch besser anhand der verschiedenen erarbeiteten Versionen erahnen, die niemals den Weg an die Öffentlichkeit fanden. Sie sind Teil der Akten zum Baugebiet Mariental, die unsere Zeitung diese Woche einsehen konnte.

„Kein Handlungskonzept“

Die Änderungen stammen maßgeblich von führenden Verwaltungsmitarbeitern, wie an den Vermerken „Korrektur Waliczek“ und „Korrektur Mainz“ unschwer zu erkennen ist. Überwiegend wurden Feinheiten korrigiert oder ergänzt.

Doch manchmal wurden auch komplette Sachverhalte gestrichen, zum Beispiel bei der Frage nach dem Bedarf nach dem Wohngebiet.

Gegenüber einer frühen Version fehlt in der veröffentlichten Fassung dieser Hinweis: „Für Übach-Palenberg existiert kein kommunales Handlungskonzept ‚Wohnen‘, in dem die Bedarfszahlen für Wohnflächen dezidiert ermittelt werden.“ Ein weiterer Satz, der vor Veröffentlichung gestrichen wurde, lautet: „Im Rahmen der Änderung des Flächennutzungsplans werden verschiedene Entwicklungsstandorte (...) abgewogen.“

Erholung und Wohnbedürfnisse

Eine frühe Version stammt aus dem Architekturbüro Raumplan. Hier kreiste der Rotstift der Verwaltung anschließend besonders intensiv, kaum eine Zeile blieb unangetastet. Zur Naherholung hieß es in der Raumplan-Fassung noch: Es würden „vorrangig Ackerflächen in Anspruch genommen, die allerdings auch aufgrund ihrer Weite einen gewissen Wert für die Naherholung haben. Insgesamt versucht der Rahmenplan, sowohl den Belangen der Naherholung als auch den Wohnbedürfnissen der Bevölkerung gerecht zu werden.“

Das wollte die Verwaltung so jedoch nicht stehen lassen. In einer späteren, schon abgeschwächten Version hieß es: „Die Attraktivität des Wurmtals wird (...) nicht so negativ beeinflusst, dass das Wurmtal seiner Naherholungsfunktion nicht mehr gerecht werden kann.“ Doch auch das blieb so nicht stehen. In der veröffentlichten Version steht nun: „Die Attraktivität des Wurmtals wird (...) nicht beeinflusst. Das Wurmtal kann seiner Naherholungsfunktion auch zukünftig vollumfänglich gerecht werden.“

So leicht lässt sich ein Naherholungsgebiet erhalten. Jedenfalls auf dem Papier.

(jpm)