Gangelt-Stahe: Vorstand des KC Stöher Sankhase befürchtet, Raucher zu verlieren

Gangelt-Stahe: Vorstand des KC Stöher Sankhase befürchtet, Raucher zu verlieren

Obwohl es doch „alte Hasen“ sind, haben sie so etwas noch nicht erlebt. Heinz-Theo Lang wird sogar ein wenig rot vor Wut im Gesicht. Mit den anderen drei Mitgliedern des geschäftsführenden Vorstandes des KC Stöher Sankhase, Silvia Wolters, Marion Eigelshoven und Patrick Korsten, sitzt er im Vereinslokal Wolters in Stahe. Die Gedanken überschlagen sich beinahe, und die Wörter sprudeln nur so aus den Karnevalisten heraus.

Heiße Diskussionen stehen an. Allerdings geht es dabei um Probleme, die nicht nur Kopfschmerzen bereiten, sondern auch für kalte Füße sorgen — auch anderen Vereinen und Gesellschaften geht es wohl so. Das Thema: Das neue Nichtraucherschutzgesetz, welches die Köpfe qualmen lässt.

Immer nur Ärger

„Das darf alles nicht wahr sein. Wieso macht man es Brauchtumsvereinen nur so schwer“, fragt sich da nicht nur Lang. Solche Beschlüsse führten auf Sitzungen oder Festen zu Völkerwanderungen, „und zu Ärger. Zu sonst nichts“. Die Leute müssten aufstehen, um draußen rauchen zu können, störten somit die anderen Leute, sorgten für Unruhe im Zelt, vermiesten den anderen Gästen die Stimmung, verärgerten so die auftretenden Künstler und und und ...

Sämtliche Pläne, wie es gehandhabt werden könnte, um es allen Recht zu machen, von der Idee, ein zweites offenes Zelt zu errichten, bis hin zu einer eigens dafür eingerichteten „Glasentnahmestation“ wurden bereits wieder über Bord geworfen. „Ein zweites Zelt funktioniert leider platztechnisch nicht, Gläser abgeben, weil ja niemand welche mit rausnehmen darf, ist auch total bescheuert.

Wir sind wirklich verzeifelt“, gibt die 1. Vorsitzende, Marion Eigelshoven, zu. Sie und auch Patrick Korten sind erst seit den Neuwahlen im Juli Mitglieder des Vorstandes. Die 23-Jährige und der 30-Jährige sollen nicht nur für junge Ideen sorgen, sondern auch mit dazu beitragen, die jüngsten Probleme zu bewältigen.

„An den Schützenfeierlichkeiten haben einige Vereine ja schon feststellen müssen, dass viele Raucher nicht mehr kommen. Das wird Karneval wohl genauso sein“, befürchten die „Sankhasen“. Viele hätten ihre Abwesenheit bereits angekündigt.

Dabei sei es doch gerade in solchen Situationen wichtig, dass die Dorfbewohner ihre ortsansässigen Vereine unterstützen, auch, wenn es einmal schwer wird.

Kopfschüttelnd und ratlos sitzen die Vereinsmitglieder an den Tischen und fragen sich: „Wo führt das bloß noch hin?“. „Bevor wir den Verstand verlieren, widmen wir uns erst einmal den anderen Themen auf der Agenda“, beschließt Präsident Lang.

Aber auch das sind ganz schön schwere Brocken: Immer höhere Kosten für Zeltbau und Musik, GEMA-Problematik, Versicherungen, eben „alles, was den Vereinen langsam, aber sicher das Genick bricht und kostet, kostet, kostet“. Geld, welches viele Vereine bald nicht mehr hätten, erst recht nicht, wenn es immer ungemütlicher für die Gäste werde.

Lang: „Ich sehe es schon kommen. Bald dürfen wir bestimmt überhaupt keinen Alkohol mehr ausschenken oder wenn, nur in Plastikbechern.“

Rücksicht auf Nichtraucher

„Der Erhalt des Brauchtums liegt den Leuten, die auf solche schwachsinnigen Ideen kommen, doch gar nicht am Herzen“, schimpft er. Natürlich sei es wichtig, auf die Nichtraucher Rücksicht zu nehmen, aber so bitter das klingt: Alkohol und Zigaretten würden nun einmal dazu gehören. Das sei ja immer so gewesen. Jetzt sei das alles ein unlösbares Pro—blem.

Doch plötzlich leuchten seine Augen. Wirft doch jemand eine zündende Idee in den Raum: „Da hat es doch diesen Wirt gegeben, der einen Wohnwagen vor seine Kneipe gestellt hat, in dem die rauchenden Besucher dann zumindest trocken und windgeschützt im Warmen ihre Zigarette rauchen konnten.“

Sofort reden alle vier wild durcheinander. Vielleicht, so lässt das Stimmenwirrwarr erkennen, ist das die Lösung? „Vielleicht können wir das Erdbeerbüsschen des Bauern ja dafür bekommen und vor das Festzelt stellen“, überlegt Korsten laut. „Lösungen wie diese könnten vielleicht auf einer Sitzung mit anderen Vereinen des Kreises Heinsberg besprochen werden“, schlägt Lang vor und will sich kümmern.

Vielleicht gibt es ja auch in den anderen Ortschaften Erdbeerbüsschen, die dann zu Raucherbüsschen umfunktioniert werden können, wer weiß auf welche Ideen die Karnevalisten letztendlich zurückgreifen.

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