Mobile Jugendarbeit: Vom Graffiti bis zum Einhorn-Peeling

Mobile Jugendarbeit : Vom Graffiti bis zum Einhorn-Peeling

Wer bald eine junge Blondine durch die Straßen von Gangelt schlendern sieht, muss sich nicht wundern – Das ist Jasmin Mittmann bei der Arbeit. Seit dem 1. August kümmert sich die 24-Jährige um die mobile Jugendarbeit in der Gemeinde Gangelt.

„Bisher wissen nicht alle Jugendlichen von dem neuen Angebot und den Jugendtreffs“, erzählt Jasmin Mittmann. Gerade in der dunklen Jahreszeit sei es schwer, die Jugendlichen zu erreichen und mit ihnen in Kontakt zu kommen: „Im Frühjahr werde ich daher einfach durch die Orte laufen, schauen, wo sich die Jugendlichen aufhalten, und versuchen, mit ihnen ins Gespräch zu kommen.“

Wer sie unterwegs sieht, könne sie gerne ansprechen.  „Die Kommunikation läuft in der Jugendarbeit viel über Mund-zu-Mund-Propaganda“, weiß Jasmin Mittmann. Auch die Sozialen Medien seien für ihre Arbeit wichtig: „Über Facebook erreiche ich die Eltern und die Gemeinde,  über Instagram sind es eher die Jugendlichen.“

Insgesamt sei die Jugendarbeit in der Gemeinde gut ins Rollen gekommen. „Bevor ich angefangen habe, gab es in Gangelt keine pädagogisch begleitete Jugendarbeit“, blickt Jasmin Mittmann zurück. Alle anderen Kommunen in der Region seien in diesem Bereich schon länger aktiv.

„Ende November habe ich mit einem wöchentlichen Jugendtreff im Jugendheim Gangelt angefangen“, erzählt Jasmin Dittmann, die im Sommer 2018 ihr Studium „Soziale Arbeit“ mit dem Bachelor abgeschlossen und Praxiserfahrung in einem Jugendzentrum in Wassernberg gesammelt hat. Jeden Donnerstag von 16 bis 20 Uhr öffnet sie das Jugendheim, Frankenstraße 41b in Gangelt, für Jugendliche ab zwölf Jahren. Neben einem kreativen Angebot, Spielen und dem bereitstehenden Kicker gibt es auch immer etwas zu essen und zu trinken.

Schnell habe sich allerdings herausgestellt, dass sich die Mädchen  lieber einen eigenen Treff wünschen. „Sie wollten einen geschützten Ort, um gemeinsam Zeit zu verbringen, über ihre Probleme zu sprechen und kreativ zu arbeiten“, verrät Jasmin Mittmann. Nach einem etwas schwierigen Start wird der Mädchentreff, der jeden Freitag von 16 bis 20 Uhr im Gemeindezentrum Gangelt stattfindet, mittlerweile sehr gut angenommen. „Fünf bis zehn Mädchen kommen pro Treffen“, berichtet Jasmin Dittmann, die bereits als 14-Jährige ehrenamtlich in der Jugendarbeit aktiv war.

Bei allen Treffen stehen die Wünsche der Jugendlichen an erster Stelle. Ob die Mädchen nun mit Stempeln, Stiften und Steinen ihren eigenen Beutel gestalten wollen, ein pinkes Einhorn-Peeling herstellen oder doch lieber alle zusammen kochen wollen – Jasmin Dittmann ist für alles zu haben. Die Angebote sind dabei stets kostenlos. Lediglich für die Ausflüge fällt eine Teilnehmergebühr in Höhe von zwei Euro an. „Wir waren schon zusammen im Trampolinpark, Schlittschuhlaufen und im Kletterwald“, berichtet Jasmin Mittmann.

Für die Ferienzeit organisiert sie außerdem Workshops. In den Herbstferien haben sich die Jugendlichen in einem Theaterworkshop  kreativ mit dem Thema Rechtsradikalismus auseinandergesetzt. „Außerdem haben wir zusammen mit einem Graffiti-Künstler eine Wand im Gemeindezentrum gestaltet. Das kam super an“, verrät sie.

Neben den zwei  Jugendtreffs in Gangelt kommt ab Februar noch ein neuer Jugendtreff in Birgden hinzu. Hier will Jasmin Mittmann eng mit der dort aktiven Jugendgruppe Tower Birgden zusammenarbeiten. Für den Treff stellt die Gruppe ihre Räumlichkeiten zur Verfügung.

Ziel ist, in den nächsten Jahren fünf Treffpunkte in der Gemeinde zu etablieren. „Alle Jugendliche, egal in welchem Ort sie leben, sollen dieses Angebot wahrnehmen können, daher will ich jeden Tag in einem anderen Ort der Gemeinde sein“, so die Jugendleiterin. Bevor weitere Treffs eingeführt werden, sollen sich die drei bestehenden erst einmal etablieren.

Die Treffen sind unverbindlich, und Anmeldungen sind nicht nötig.  „Das ist ganz wichtig“, weiß Jasmin Mittmann. Schließlich hätten die Jugendlichen mit Schule, Hausaufgaben und Sportvereinen schon genug Verpflichtungen. Während der Treffen hat Mittmann stets ein offenes Ohr für alle Jugendlichen. Sie möchte als Ansprechpartnerin bei kleineren und größeren Problemen zur Verfügung stehen. „Ich helfe gerne bei Bewerbungsschreiben oder der Suche nach einem Praktikum“, sagt die 24-Jährige. Bei komplexeren Problemen, wie beispielsweise Drogen, sieht sie sich als Vermittlerin. „Wir können gemeinsam überlegen, was mögliche nächste Schritte und Anlaufstellen sind“, so die Pädagogin. Doch bevor sich die Jugendlichen ihr so weit anvertrauen, braucht es Zeit: „Wir müssen erst einmal eine tiefere Beziehung aufbauen.“ Generell seien viele Jugendliche erst einmal skeptisch. „Die Hemmschwelle ist hoch. Das Gemeindezentrum klingt als Veranstaltungsort erst einmal nicht so hipp“, weiß Jasmin Dittmann. „Einige Jugendliche fürchten, der Jugendtreff sei eine Bibelstunde.“ Doch einmal teilgenommen, seien die meisten Jugendlichen positiv überrascht.  „Und auch wenn wir im Gemeindezentrum sind, die Religion spielt keine Rolle“, räumt Jasmin Mittmann mit einer häufigen Sorge der Eltern auf.

Für die Osterferien hat die Jugendleiterin wieder viele Ideen. „Zusammen mit Schauspielern aus Köln werden wir einen Theaterworkshop anbieten“, erzählt sie. Das Ergebnis soll in einer Aufführung am 25. April um 18 Uhr im Gemeindezentrum Gangelt der Öffentlichkeit präsentiert werden. Das Programm soll auf der Facebookseite „Mobile Jugendarbeit Gangelt – Ev. Jugendreferat des Kirchenkreises Jülich“ veröffentlicht werden.

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