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Notfall: Vierjährige von Hund attackiert, Vater beschuldigt den Hundehalter

Notfall : Vierjährige von Hund attackiert, Vater beschuldigt den Hundehalter

Mit ganz viel Glück und dank des beherzten Eingreifens des Vaters erholt sich ein vierjähriges Mädchen derzeit vom Angriff eines Hundes. Beim Spielen im Garten war sie von dem Tier attackiert und ins Gesicht gebissen worden.

Es ist eine Situation, die sich kein Elternteil vorstellen mag. Das eigene Kind, das sorglos im Garten spielt, wird von einem Hund angegriffen und gebissen. Das Tier ist größer und stärker als das Kind, lässt nicht von dem kleinen Gesicht ab. Genau diese Situation hat Matthias van Dillen am vergangenen Freitag erlebt. Seine vierjährige Tochter Myrna war die Leidtragende.

Laut der ersten Polizeimeldung vom Montag war das Mädchen am Freitag gegen 17.50 Uhr im Garten des elterlichen Hauses von einem Hund angegriffen worden, der sich beim Spazierengehen von der Leine losgerissen hatte und unter einer Hecke hindurch auf das Grundstück gelangt war. Dieser Darstellung widerspricht Matthias van Dillen energisch: „Zum einen ist es nicht auf unserem eigenen Grundstück, sondern im Garten von Freunden passiert. Und zum anderen, und das ist viel schlimmer, hat sich der Hund nicht einfach losgerissen, sondern ist absichtlich von seinem Halter abgeleint und in den Garten geleitet worden – anscheinend, damit die Kinder mit dem Hund spielen konnten.“ Aber aus dem Spiel wurde schnell bitterer Ernst.

Die Pressestelle der Kreispolizeibehörde hat ihre erste Meldung mittlerweile dahingehend korrigiert, dass sich der Vorfall tatsächlich nicht im Garten des geschädigten Kindes ereignet hat und dass noch nicht eindeutig geklärt sei, wie der Hund ohne Leine auf das Grundstück gelangen konnte, wo er das Kind angriff. „Hierzu dauern die Ermittlungen noch an“, erklärt Angela Jansen, Sprecherin der Polizei. „In manchen Fällen kommt es vor, dass die ersten Erkenntnisse, die die Beamten bei der Aufnahme vor Ort gewonnen haben, später noch einmal korrigiert werden. Darum werden nun alle Zeugen noch einmal gehört und auch der Beschuldigte vernommen. Bis sich das Bild gefestigt hat, gilt natürlich zunächst die Unschuldsvermutung.“

Matthias van Dillen hat die Ereignisse vom Freitag derweil noch deutlich vor Augen. Zusammen mit seiner Tochter war er bei Freunden zu Besuch. Deren beiden Kinder, zwei und vier Jahre alt, sowie der Sohn eines weiteren Bekannten, zehn Jahre alt, spielten zusammen mit Myrna unter Aufsicht der Eltern im Garten. Das Grundstück ist nur durch eine kleine Hecke vom angrenzenden Spazierweg abgetrennt. Dort sei der Beschuldigte mit seinem Hund, einem Continental Bulldog, unterwegs gewesen. „Meine Freunde hatten sich mit dem Mann, den ich nicht kannte, unterhalten und auch die Schönheit des Hundes bewundert. Was ich zu dem Zeitpunkt nicht wusste, war, dass der Hund im Ort schon als aggressiv gegenüber anderen Hunden und Kindern bekannt gewesen ist“, erklärt der Vater. „Ich habe dann gesehen, dass der Mann seinen Hund absichtlich von der Leine gelassen hat, damit er mit den Kindern spielen konnte. Da meine Tochter Hunde liebt und kennt, habe ich mir zu diesem Zeitpunkt noch keine Sorgen gemacht. Aber als das Tier immer wilder wurde, meine Tochter umschmiss und ihr ins Gesicht leckte, bin ich sofort hingerannt.“ Matthias van Dillen war nicht schnell genug. Der Hund biss dem Mädchen direkt ins Gesicht. „Ich habe dem Tier mehrfach in die Kieferspalte geschlagen. Nach etwa sieben bis acht Hieben hat er von meiner Tochter abgelassen. Ich habe sie sofort ins Haus getragen und versorgt, während meine Freunde den Rettungsdienst gerufen und das Tier im Garten am Halsband gesichert haben.“

Was danach im Garten weiter geschah, hat Matthias von Dillen nicht mehr selbst beobachtet. Aber seine Freunde haben ihm erzählt, dass der Hundehalter den Vorfall abgestritten und den Biss des Hundes geleugnet habe. Auch was mit dem Hund passierte, weiß er nur aus Erzählungen: Das Tier sei zunächst zum Vater des Beschuldigten gebracht und mittlerweile vom Ordnungsamt sichergestellt worden. Das bestätigt auch Armin Kaumanns, Leiter des Geilenkirchener Amtes für öffentliche Sicherheit und Ordnung, gegenüber unserer Zeitung. „Der Hund ist, nachdem wir von der Polizei informiert worden sind, sichergestellt und in einer Pflegestelle untergebracht worden. Dort wird er nun vom Veterinäramt in einer Gefährdungsanalyse begutachtet, und anschließend wird entschieden, was mit dem Tier weiter geschieht.“

Nach dem Biss ist die kleine Myrna direkt mit dem Rettungswagen ins Klinikum nach Aachen gebracht und dort notoperiert worden. „Ich bin froh, dass meine Tochter noch lebt“, sagt Matthias van Dillen. „Hätte der Hund sie nur ein wenig weiter unten erwischt, weiß ich nicht, was passiert wäre.“ Myrna hat eine etwa zweieinhalb Zentimeter große Wunde am Hals und eine weitere an der linken Wange. Es mussten Drainagen gelegt werden. Auch unter dem rechten Auge ist das Mädchen verletzt. „Meine Tochter hatte unglaubliches Glück, dass der Hund sie nicht richtig erwischt hat. Trotzdem sind es natürlich schwere Verletzungen, und es werden Narben zurückbleiben.“

Bis heute hat Matthias van Dillen nichts von dem Hundehalter gehört, kein Schuldbekenntnis, keine Entschuldigung. „Neben der Gesundheit meiner Tochter ist mir wichtig, dass sich ein solcher Vorfall niemals wiederholen darf. Der Mann hätte sein Tier niemals von der Leine lassen dürfen. Doch er hat es vorsätzlich getan und damit bewusst das Leben von vier Kindern gefährdet.“ Darum wird Matthias van Dillen nun rechtliche Schritte einleiten und mit einer Anwältin gegen den Hundehalter vorgehen. Auch die Polizei wird ihre Ermittlungen natürlich fortsetzen.

Die kleine Myrna ist mittlerweile aus dem Krankenhaus entlassen worden und erholt sich zu Hause von ihren Verletzungen. „Sie ist ein sehr offenes und fröhliches Mädchen“, sagt ihr Vater. „Dass der Hund ihr wehgetan hat, kann sie überhaupt nicht verstehen.“