Wochenrückblick: Vier Parteichefs und eine Kandidatin auf einem steinigen Weg

Wochenrückblick : Vier Parteichefs und eine Kandidatin auf einem steinigen Weg

In dieser Woche liefen in Geilenkirchen die Drähte heiß: Die vier Parteichefs von CDU, SPD, Grüne und Bürgerliste haben sich, für viele überraschend und für manchen undenkbar, auf eine gemeinsame Kandidatin geeignet.

Sie soll bei den Kommunalwahlen im nächsten Jahr den amtierenden parteilosen Georg Schmitz als Bürgermeister ablösen. Die vier Parteivorsitzenden haben eingesehen, dass ihre Parteien alleine mit einem eigenen Bewerber kaum eine Chance haben, einen Sieg gegen Schmitz davonzutragen. In der Bevölkerung erfreut sich der „Schorsch“ immer noch allergrößter Beliebtheit.

Mit Daniela Ritzerfeld haben sie sich auf eine Kandidatin geeinigt, die nicht nur höchstqualifiziert ist, sondern auch offen und sympathisch rüberkommt. Mit dieser Frau könnte in der Bevölkerung gepunktet werden. Bis es zu dieser Übereinkunft kam, war es ein steiniger Weg.

Die einen hatten es leichter, die anderen schwerer, Mitglieder ihrer Parteivorstände von der Idee eines gemeinsamen Bürgermeisters zu begeistern. Jetzt gilt es weiterhin, noch viel Überzeugungsarbeit in den Vorständen und in den Mitgliederversammlungen zu leisten.

CDU-Parteichef Dirk Kochs wird es schwer haben, die konservativen Parteifreunde, die nur einen Kandidaten mit CDU-Parteibuch unterstützen wollen, gänzlich zu überzeugen. Er wird viele Gespräche führen müssen, damit es nicht wie bei den vergangenen Wahlen zu einem Debakel kommt.
Damals unterlag Ronnie Goertz, Kandidat der CDU, Georg Schmitz. In der Folge war die CDU dermaßen zerstritten, dass führende Christdemokraten austraten und die Fraktion „Geilenkirchen bewegen!“ gründeten. Und auch SPD-Parteivorsitzender Marko Banzet wird es nicht einfach haben, seinen Vorstand und dann die Mitglieder geschlossen hinter sich zu bringen. Denn in politischen Kreisen ist es kein Geheimnis mehr, dass die Stimmung im Parteivorstand zumindest, um es vorsichtig zu formulieren, nicht immer rosig ist.
Nicht nur die interne Kommunikation, sondern auch die Gespräche zwischen den Parteichefs werden nicht ganz einfach. Die politischen Differenzen sind – besonders zwischen Christdemokraten und Grünen – sehr groß. Man denke nur an die Bürgerhäuser, die die CDU will und die die Grünen kategorisch ablehnen, man denke an Kita-Beiträge, die Grüne absenken, die CDU aber so belassen will, man denke an die Ortsvorsteher, die Grüne abschaffen wollen, die CDU aber an ihnen festhält. Da muss jeder über seinen Schatten springen. Und diese Schatten sind lang. Und mitten in diesem kleinen „Hexenkessel“ sitzt die unparteiische und bisher unpolitische Daniela Ritzerfeld. Wie wird sie ihren Wahlkampf gegen Georg Schmitz führen und dabei Rücksicht auf vier miteinander konkurrierende Parteien und Gruppierungen nehmen? Welche Haltung soll sie in welcher Frage einnehmen?

Vor zehn Jahren wurde in Geilenkirchen ein Bürgermeisterwechsel durch ein Vierparteienbündnis aus SPD, FDP, Bürgerliste und Grünen herbeigeführt. Diese vier Parteien einigten sich auf den parteilosen Thomas Fiedler, der die Kommunalwahl am 30. August 2009 gewonnen hat und seinen Gegenkandidaten, den amtierenden Bürgermeister Andreas Borghorst (CDU, abgelöst hat. Das Vier-Parteien-Bündnis hatte damals ein einziges, gemeinsames Ziel: die seit dem Krieg in Geilenkirchen herrschende CDU-Mehrheit zu brechen. Dafür wurde sogar ein gemeinsames Wahlprogramm entworfen.

Jetzt liegt der Fall anders: Jetzt soll es im gemeinsamen Wahlkampf nur um den Bürgermeister gehen. Ansonsten soll jede Partei darüber hinaus für sich um Stimmen sammeln. Das macht die Sache noch erheblich schwieriger. Das Vierparteienbündnis hielt dann auch nur ein gutes Jahr. Am 29. September 2010 zerbrach es.

Wollen die vier Parteichefs in diesem aktuellen Fall erfolgreich sein, müssen sie sehr große Kompromisse eingehen, noch wichtiger: viel Vertrauen aufbauen, und sich nicht von kleinen Störfeuern, woher auch immer sie kommen, verunsichern lassen.

Derweil muss der gute „Schorsch“ nur weiter Hände schütteln und Schulter klopfen, um auf der Beliebtheitsskala noch weiter nach oben zu steigen. Die Zeiten bleiben in Geilenkirchen spannend.