Geilenkirchen: Viel Wortwitz beim Leseabend des Historischen Klassenzimmers

Geilenkirchen: Viel Wortwitz beim Leseabend des Historischen Klassenzimmers

Fast ist der Leseabend des Historischen Klassenzimmers schon Tradition geworden, und der Veranstaltungsort ebenso — die gute Stube der Stadt Geilenkirchen, das Haus Basten. Auch dieses Mal begrüßte der Vorsitzende des Schulmuseums, Rudolf Müller, die Gäste zu einem kurzweiligen Abend.

Unter ihnen befanden sich auch Mitglieder des Heimatvereins. Er bedauerte, dass einer der Akteure, Dr. Ferdinand Zander, krank geworden sei und daher nicht kommen konnte und der neue Bürgermeister Georg Schmitz wegen einer Sitzung verhindert sei.

Zur Einstimmung intonierte eine junge, talentierte Musikerin, die 17-jährige Schülerin Rebekka Falk aus Grevenbroich, am Flügel mit großer Fingerfertigkeit feinfühlig und schwungvoll „Clair de lune“ (Mondlicht) von Claude Debussy und verstand es, eine träumerische Stimmung in den Saal zu zaubern.

Gleich darauf brachte Cornelia Grewe, Lehrerin in Ratheim, das Publikum mit einem Auszug aus ihrem Buch „Beim Duschen bitte Türen schließen“ zum Schmunzeln. Geschrieben aus der Sicht eines Mannes, karikiert sie mit viel Wortwitz die alltäglichen Probleme des Zusammenlebens. „Es erscheint jedoch erst im nächsten Jahr, ich muss es erst noch fertig schreiben, und mir fallen immer wieder neue Sachen dazu ein“, erklärte sie.

„Volkslieder werden heute kaum noch gesungen“, ergriff der Vorsitzende danach das Wort, „daher wollen wir dies heute tun.“ Von Grewe am Flügel begleitet, schallten nun mit Hilfe eines Textblattes alle Strophen von „Kein schöner Land in dieser Zeit“ klangschön durch das altehrwürdige Gemäuer.

Alsdann konnten sich die Besucher in einer kurzen Pause viele Dinge mit Bezug auf das Historische Klassenzimmer ansehen und teils käuflich erwerben, wie zum Beispiel aus Holz gefertigte Griffeldosen, das Buch „Struwelpeter“, gedruckt in Sütterlin, sowie Bücher mit Gedichten und Geschichten von Mitgliedern.

Mit „Ihr Kinderlein kommet“, auf dem Flügel gespielt, lockte Grewe schelmisch die Gäste nach der Pause wieder in den Saal. Ein temperamentvolles Stück des armenischen Komponisten Arno Babajanyan, von Falk virtuos und mit viel Spielfreude zu Gehör gebracht, leitete den zweiten Teil der Veranstaltung ein. Annemarie Veckes aus Lindern, die Archivarin des Vereins, erzählte, dass sie erst kürzlich aus einem Nachlass 80 Aktenordner mit Zeitungsausschnitten von früher habe übernehmen dürfen und sich sogleich bis spät in die Nacht hinein darin vertieft habe, so spannend sei dieser „große Schatz“ gewesen.

Ausdrucksstark betont, trug sie anschließend verschiedene Herbstgedichte und „Das Schokoladenauto“ von Elisabeth Finke vor. Marianne Höppener betrat das Rednerpult und brachte die Zuhörer mit der Erzählung „Was früher alles besser war“ und einem als junges Mädchen geschriebenen Gedicht „Einsamkeit“ zum Nachdenken, ehe Cornelia und Irene Grewe an Flügel und Violine die sangesfreudigen Besucher bei „Der Mond ist aufgegangen“ begleiteten.

Last not least setzte sich Müller hinter das Mikrofon und überraschte mit teils nachdenklich stimmenden, teils amüsanten Vierzeilern, betitelt „Lyrik für Jedermann“ oder „Gedichte zum Frühstück“. „Immer, wenn ich morgens die Brötchen beim Bäcker hole, fallen mir auf dem Nachhauseweg Gedichte ein, mit denen ich meine Frau überrasche“, verriet er, „in 20 Jahren entstand so diese Sammlung.“

Zum Abschluss dieses gemütlichen Beisammenseins gaben Cornelia und Irene Grewe an Flügel und Violine den Anwesenden musikalisch ihre besinnliche Eigenkomposition „Manchmal“ mit auf den Nachhauseweg: „Freundschaft und Geborgenheit, Zusammenleben ohne Streit — davon träum‘ ich manchmal in der Nacht“. Üppiger Schlussbeifall zeigte, dass der Abend allen überaus gut gefallen hatte.