Gangelt: Verkehrssituation in der Wolfsgasse: Langer Streit, keine Lösung

Gangelt: Verkehrssituation in der Wolfsgasse: Langer Streit, keine Lösung

Es hatte in den vergangenen Wochen schon ein wenig etwas vom Krebsgang, wie sich die Politik mit der Verkehrssituation an der Ecke Einhardstraße/Wolfsgasse bewegt. Grundlage war die von Anwohnern geäußerte und an die Politik weitergeleitete Befürchtung, dass hier zu schnell und rücksichtslos gefahren werde.

Von da an gab es vermeintliche Schritte nach vorn, etwa die von der Verwaltung initiierte Vorstellung von baulichen Lösungen zur Verkehrsberuhigung. Da gab es auch seitwärts gerichtete Bewegungen wie die Idee der CDU, lieber einen Fußweg zu bauen, oder die der SPD, sich für eine Verkehrszählung einzusetzen. Auch die Straßenverkehrsbehörde wurde eingeschaltet. Und es gab empfindliche Zwickereien, deren Auslöser ein Schreiben der UB-Fraktion war.

Dessen Beantwortung über das zuständige Straßenverkehrsamt des Kreises Heinsberg lag offenbar der CDU-Fraktion schon einen Tag früher zur Beratung vor als den anderen Parteien. Bürgermeister Bernhard Tholen entschuldigte sich nun in der Ratssitzung nochmals für diesen Fauxpas, was die Freien Wähler aber nicht davon abhielt, das Ganze erneut in den Fokus zu rücken. „Ich möchte nochmals verdeutlichen, dass die FW Gangelt diese Bevorzugung der Mehrheitsfraktion nicht dulden und im Wiederholungsfall die Kommunalaufsichtsbehörde einschalten werden“, so Sprecherin Helga Heinen. Mit ein wenig ironischem Tonfall fügte sie noch an, dass es zur Erlangung von Informationen hilfreich sei, sich fast täglich im Rathaus aufzuhalten, „sich ins Vorzimmer des Bürgermeisters zu begeben, und, sobald sich die Gelegenheit bietet, wie ein Agent herumzuschnüffeln“.

Ziel dieser Aussage war natürlich CDU-Fraktionsvorsitzender Karl-Heinz Milthaler, der nachdrücklich betonte, er habe das Schreiben an diesem Tag „zufällig“ in die Finger bekommen. „An dem Montagmorgen war ich zufällig hier“, sagte er, er habe klären wollen, ob ein später am Tag benötigter Raum im Rathaus zur Verfügung stand. Und dabei sei er über das Schreiben praktisch gestolpert, „ich glaube, Sie hätten das auch gelesen“, sagte Milthaler, der lächelnd zu verstehen gab, dass er mitnichten ein Agent sei.

Den zweiten Ausdruck, der in der vergangenen Bauausschusssitzung für Diskussionsstoff gesorgt hatte — das laut CDU-Vertreter Gerd Schütz „hingerotzte Schreiben“ der UB — wurde natürlich auch noch einmal aufgegriffen. „Für jeden Rotz wird ein Bote losgeschickt“, echauffierte sich Roger Schröder (UB) mit ganz bewusst dieser Wortwahl. Eigentlich habe er das Ganze nicht mehr thematisieren wollen, aber er frage sich offen, ob eine Mail mit dem entsprechenden Schreiben als Inhalt nicht als Vorabinfo an alle Fraktionsvorsitzenden hätte gehen können.

Den letzten Akt im Verbalgefecht abseits des Themas schrieb dann wieder Gerd Schütz, der erläuterte, dass das Wort „rotzen“ im Duden so erklärt werde, dass jemand etwas tue, um Aufmerksamkeit zu erregen. Die jedenfalls hat das Thema Wolfsgasse nun bekommen, da waren sich alle einig, einzig die Lösungswege für das scheinbare Verkehrsproblem blieben vielseitig. So wünschten sich UB und FW eine günstige Lösung, die beispielsweise Baken oder auch Blumenkübeln für eine begrenzte Zeit aufzeigen könnte, um zu sehen, ob die von den Antragstellern beabsichtigte Verkehrsberuhigung auch wirklich eintritt. Das sah der Bürgermeister sehr kritisch: „Wir haben mit Blumenkübeln schlechte Erfahrungen gemacht“, so Tholen.

Rainer Mansel wiederholte für die SPD die Idee der Messung von Verkehrsströmen, die CDU beharrte in verschiedenen Stellungnahmen darauf, dass sich die Verkehrsteilnehmer an die Geschwindigkeit halten müssten. Dass das natürlich auch für die weiteren Gemeindestraßen gelte, führte Karl-Heinz Milthaler an. „Wir sollten im Bongert mal messen, dann würden wir überrascht sein, wie viele dort zu schnell fahren“, sagte er. Das bestätigte Bürgermeister Tholen, der davon berichtete, dass ihm Zu-Schnell-Fahrer in der Straße „Am Bongert“ sogar manchmal zuwinkten, wenn er dort an einer Straßenecke warte.

Letztlich blieb es gegen die Stimmen der Opposition beim jüngsten CDU-Vorschlag: Der Status quo wird beibehalten. CDU-Sprecher Milthaler begründete dies damit, dass ja auch abzuwarten sei, wie sich die Verkehrsströme mit Inbetriebnahme der ab Anfang nächstes Jahr aktivierten überörtlichen Straßen B56n und K13 entwickeln. Bis dahin sei nichts zu unternehmen, riet Milthaler, „denn wir haben schon alles gemacht, was für eine verkehrsberuhigte Zone vorgeschrieben ist“.

Die einzige winzige Neuerung wird demnächst wohl sein, dass die ohnehin schon auf die Straße eingezeichneten Parkbuchten per Zusatzschild als einzige Parkmöglichkeit entlang der Einhardstraße ausgewiesen werden.