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Übach-Palenberg: Verhaltenes Interesse an Umgestaltung des Rathausplatzes

Übach-Palenberg : Verhaltenes Interesse an Umgestaltung des Rathausplatzes

Der erste Wortbeitrag aus dem Publikum drehte sich um Parkplätze. Und der zweite drehte sich um Parkplätze. Als sich dann auch der dritte Wortbeitrag um Parkplätze drehte, stellte sich die Frage, ob die Veranstaltung im PZ richtig überschrieben war. Ging es tatsächlich um die Umgestaltung des Rathausplatzes? Oder um die Durchsetzung eines flächendeckenden Parkverbots in der Innenstadt?

Nicht nur die inhaltliche Schwerpunktsetzung legte am Dienstag nahe, dass Übach-Palenbergs Entscheidungsträger andere Prioritäten setzen als viele Bürger, wenn es um die Zukunft des Übacher Zentrums geht. Auch die Zahl der Teilnehmer, die in offizieller Mission ins PZ gekommen waren, stand in einem so sicher nicht erwarteten Verhältnis zur Zahl der teilnehmenden Bürger. Als mögliche Redner knubbelten sich nicht weniger als 17 Vertreter aus Politik und Verwaltung auf der Bühne, ergänzt um Bauingenieur Jan Siebenmorgen von der Aachener Planungsgruppe MWM.

Ganz offensichtlich also stuft man das Thema im Rathaus als eines der wichtigsten ein, die Übach-Palenberg aktuell und in den kommenden Jahren zu bieten hat. Den übrigen Platz im weitläufigen PZ teilten sich gerade mal 70 Besucher, was vermuten lässt, dass sehr vielen Bürgern der Rathausplatz deutlich weniger wichtig ist. Oder zumindest nicht wichtig genug, um den Anstoß der WM-Paarung Argentinien gegen Nigeria zu verpassen. Auf dem Podium dürfte man diese Resonanz als enttäuschend empfunden haben.

Diejenigen, die gekommen waren, erfuhren einige interessante neue Einzelheiten zum zukünftigen Rathausplatz, die in den vergangenen Monaten ausgetüftelt worden sind und nunmehr von Bauingenieur Siebenmorgen vorgestellt wurden.

Parkraum: Es bleibt dabei, dass Parkplätze wegfallen, allerdings nicht ganz so viele wie noch Anfang des Jahres gedacht. Damals ging man davon aus, dass von den zurzeit vorhandenen Parkplätzen nur 44 übrig bleiben. Nun aber wird mit sogenannten Blockparkplätzen geplant. Die „Blocks“ werden gebildet von je zwei bis vier Parktaschen, in denen die Autos nebeneinander stehen, parallel zur Fahrbahn. Zwischen den Blocks bestehen große Lücken. „So entstehen Sichtbeziehungen auf die Schaufenster“, sagte Jan Siebenmorgen mit einem Seitenblick auf die Geschäftsleute im Saal. Nach aktuellem Stand der Dinge bleiben so 61 Parkplätze.

Asphalt: Dass die Autos nicht mehr über Pflaster rollen sollen wie bisher, war schon bekannt. Es wird aber nicht etwa durch schwarzen Asphalt ersetzt. Dieser soll nachbehandelt werden und würde farblich deutlich heller ausfallen, also irgendwo zwischen beige und grau liegen.

Zufahrtsstraßen: Die Herderstraße wird zwar nicht abgebunden, der Verkehr aber durch eine Schwelle ausgebremst. Passierende Fußgänger haben Vorrang. Was die Carolus-Magnus-Straße betrifft, bleibt es beim Ratsbeschluss, keine Einbahnstraße einzuführen. Kernelement der Neugestaltung bleibt die Verkehrsführung an der Westseite des Platzes entlang.

Das grüne Element: Jan Siebenmorgen geht zurzeit von 24 Bäumen aus: 20 von ihnen stufte er als „Straßenbegleitgrün“ ein, die übrigen vier als „große Solitärbäume“, die sich über den Platz verteilen. Die vorhandenen Bäume kommen alle weg.

Das feuchte Element: Statt eines Brunnens im herkömmlichen Sinne wird es einen sogenannten Fontänenring geben, der das Wasser direkt aus dem Boden sprudeln lässt. Dort soll auch das Kunstwerk „Op et Mölke“ integriert werden, das zurzeit noch auf der ansonsten schrottreifen Brunnenanlage thront, die ausgedient hat. Im Bereich des Fontänenrings könnte auch das 40 mal 15 Meter große Festzelt aufgebaut werden. Der Biergarten rutscht Richtung Süden.

Vor dem Rathaus: Die Treppe zum Rathaus soll aufgeteilt werden und sehr flach ausfallen. Dadurch entsteht auch unmittelbar vor dem Rathauseingang eine kleine Aufenthaltsfläche. Es ist vorgesehen, das Stadtwappen wieder in den Untergrund zu integrieren, der genaue Ort ist jedoch noch nicht klar.

Und unterm Strich? Grundsätze der Planung sind mit den Worten von Jan Siebenmorgen erstens die „Neuordnung der Fläche“, zweitens ein „störungsfreier Raumbezug“ zwischen Platz und Rathaus sowie drittens eine „vielseitige, multifunktionale, barrierefreie“ Nutzbarkeit. Zurzeit bestehe der Rathausplatz noch zu 44 Prozent aus Raum für Fußgänger, zu 37 Prozent aus Fahrbahn, zu 14 Prozent aus Parkständen und zu fünf Prozent aus nicht begehbarer oder nutzbarer Fläche. In Zukunft sollen 66 Prozent auf Raum für Fußgänger entfallen, 25 Prozent auf die Fahrbahn, sieben Prozent auf Parkstände und nur noch zwei Prozent nicht begehbar sein.

Die auf die Präsentation folgende Diskussion mit den Einwohnern war erwartungsgemäß geprägt von kritischen Einwürfen. Eine Besucherin äußerte mit Blick auf die Tatsache, dass in der Präsentation mehrfach der Biergarten genannt worden war, den Verdacht, dass die Planung in erster Linie im Sinne von dessen Inhaber gestaltet werde, was Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch (CDU) zurückwies.

Mit vorsichtiger Erleichterung wurde indes die Auskunft aufgenommen, dass voraussichtlich keine Kosten auf die Eigentümer der anliegenden Immobilien umgelegt werden müssten. Auch die Frage nach den Kosten für die Stadt wurde gestellt.

Achim Vogelheim, Leiter des Fachbereichs Hoch- und Tiefbau, rechnete vor, dass in den prognostizierten Kosten von 4,5 Millionen Euro eine ganze Reihe Pflichtaufgaben enthalten seien, etwa die Erneuerung der Platzoberfläche und der Kanäle. Schlussendlich, so seine Botschaft, müsste die Stadt einen sehr großen Teil der 4,5 Millionen Euro über kurz oder lang ohnehin in die Hand nehmen, auch ohne tatsächliche Umgestaltung.

Und dann waren da eben die Parkplätze. Bürgermeister Jungnitsch versicherte, dass die Stadt neue, unweit des Rathausplatzes gelegene Parkmöglichkeiten schaffen werde. Eine besondere Rolle dürfte dabei die Fläche gegenüber der Feuerwehr an der Friedrich-Ebert-Straße spielen. Und mit Blick auf die Autos auf dem Rathausplatz konnte Jungnitsch noch eine andere Erkenntnis präsentieren, die seine Kollegen offenbar in den vergangenen Monaten gewonnen haben: „Da stehen jeden Tag um die 40 Dauerparker.“ Das würde durch die wohl kommende Parkraumbewirtschaftung abgestellt.