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Nostalgie-Veranstaltung: Vereinsgemeinschaft Birgden besteht seit 50 Jahren

Nostalgie-Veranstaltung : Vereinsgemeinschaft Birgden besteht seit 50 Jahren

Es gibt so manch Denkwürdiges zu berichten über das 50-jährige Bestehen der Vereinsgemeinschaft Birgden.

Für Leo Dautzenberg muss es eine Zeitreise gewesen sein, Hein Gottfried Fischer bekommt endlich einen Posten, und das ganz ohne erfolglosen Wahlkampf, und Andrea Milz, immerhin als Staatssekretärin leitend in der Düsseldorfer Staatskanzlei tätig, wird gerüffelt, weil ihre Unterschrift nicht leserlich war. Für all das verantwortlich zeichnete Ehrenbürgermeister Heinrich Aretz (86, CDU), der den Abend bei bester Laune und in Topform moderierte. Er hatte das alles auch organisiert, wofür er von allen Seiten Beifall erhielt. Dass eine Blausteintafel zum Gedenken an das Jubiläum der Vereinsgemeinschaft enthüllt wurde, trat dabei ein bisschen in den Hintergrund.

Leo Dautzenberg ist Anfang 2011 vom Bundestag (CDU) in die freie Wirtschaft gewechselt. Das hat Heinrich Aretz damals gar nicht gefallen; trotzdem freute sich Birgdens bekanntester Bürger, seinen alten Weggefährten wiederzusehen. Ist es auch in den vergangenen Jahren um Heinrich Aretz bedeutend ruhiger geworden, erlebte Dautzenberg Aretz so, wie er ihn von Hunderten gemeinsamen Auftritten — für die CDU, fürs Dorf oder für die Gemeinde Gangelt — kannte: charmant, rhetorisch mit einigen Wassern gewaschen und in der Sache immer bestimmt und klar positioniert.

Birgden gemeinsam, ein Miteinander der Bürger und das Zusammenstehen der Vereine, das war einem Heinrich Aretz immer wichtig. Und damit ist auch schon der Sinn und Zweck der Vereinsgemeinschaft umrissen. Man spricht sich ab im Dorf der 26 Vereine; Überschneidungen bei den Festivitäten gibt es da nicht. „Bei uns gibt es keinen Streit um die Feste und Feiern — anders als in Geilenkirchen!“, stellte Aretz fest in Anspielung auf die kritischen Stimmen, die jüngst im Rahmen des Bierfestes laut geworden waren.

Er dankte all den Vorständen, die über fünf Dekaden zu dieser Harmonie beigetragen haben. Aretz erinnerte an ein Gespräch mit dem damaligen Neubürger Josef Meiers. Der beantwortete die Frage, warum er nach Birgden gezogen sei, mit der guten Infrastruktur und dem schönen Vereinsleben. Unter anderem deswegen stieg die Einwohnerzahl in den letzten 30 Jahren um fast 1000 auf derzeit knappe 3300, wovon wiederum 446 aus 45 Nationen kommen.

1300 Birgdener sind aktive Vereinsmitglieder. Viele aus diesen Vereinen haben mit dazu beigetragen, dass Birgden 2005 und 2017 Golddorf wurde. Pastor Andreas Krieg sprach neben Gebeten auch ein Grußwort und lobte das Vereinswesen im Ort ebenso wie Bürgermeister Bernhard Tholen (CDU), der auch wusste, warum Heinrich Aretz viele seiner Posten aufgegeben, den Vorsitz der Vereinsgemeinschaft aber behalten hatte.

Den einzigen Wermutstropfen des Abends hatte Ministerpräsident Armin Laschet dem Parteifreund Aretz eingeschenkt. Er hatte die Zusage zur Schirmherrschaft zurückgezogen. Als dann die „Vertretung“ Andrea Milz, Staatssekretärin für Sport und Ehrenamt, Grüße und eine kleine Entschuldigung von Laschet überbrachte, schaute Heinrich Aretz nicht mal von seinen Notizen auf.

„Dann werden Sie Zukunft haben“

„So positive Signale sehe ich nicht überall“, erklärte Andrea Milz, die ja bei einem Blick über den Rhein aus dem Landtag in alle 396 NRW-Kommunen schaut. Viel werde in Birgden für die Bürger getan. Milz erzählte von Strategiepapieren, die die aktuelle Regierung derzeit erarbeite, um das Ehrenamt zu stärken und aufrecht zu erhalten. „Lassen sie nicht nach in dem Bestreben um eine menschliche Gemeinschaft, dann werden sie hier Zukunft haben!“

Dann ging es daran, dass die Ehrengäste eine Urkunde als Erinnerung an den Festtag unterzeichneten. Das die Milz-Unterschrift dabei praktisch aus drei Kreisen bestand, gefiel Heinrich Aretz gar nicht: „Ich war immer dafür, dass Unterschriften leserlich sein müssen!“ Schützen-Kaiserin Sabine Beumers und die aktuelle Königin Jenny Nijskens enthüllten dann den Blaustein, der in den nächsten Tagen auf dem Pley einen Platz finden wird. Natürlich ließ es sich auch Landrat Stephan Pusch (CDU) nicht nehmen, die Birgdener zu loben.

Vor seinen Worten gab es noch einen typischen Aretz. An Hein Gottfried Fischer, den wohl erfolglosesten Bürgermeisterkandidaten der Republik, der ja 2020 Landrat im Kreis werden will, gewandt: „Ich werde in zwei Jahren Stephan Pusch unterstützen — Du wirst Stellvertreter“, versprach der Hein dem Hein.

Neben Reden, Erinnerungen und Grußworten hatte der Abend in Birgden auch musikalisch einiges zu bieten. Schlagersängerin Lena Falk trat auf, das Tambourcorps und der Musikverein gaben einiges zum Besten, das befreundete Akkordeonorchester aus Nieustadt/NL trat auf und eine Gruppe des Kirchenchores sang. Die Flamingoboys, die zur Kirmes spielten, konnten ihre zweite CD „Pretty Flamingo“ vorstellen.