Gangelt-Hohenbusch: Überglückliche Beifahrer beim Motorrad-Korso

Gangelt-Hohenbusch: Überglückliche Beifahrer beim Motorrad-Korso

Während Artur Coenen aus Geilenkirchen Bea aus den Gangelter Einrichtungen Maria Hilf zur Aussprache bat, stand Horst Sommer am Mikrophon und versucht es immer wieder: „Ich brauche noch Motorradfahrer, die einen Sitz frei haben.”

Coenen rief eindringlich ins Mikrofon, um mehr Plätze auf dem Sozius zu bekommen, damit am Ende jeder der Behinderten aus dem Kreis Heinsberg die Gelegenheit haben sollte, am Motorrad-Korso durch die Gemeinde Gangelt teilzunehmen. „Wo warst du denn letztes Jahr”, fragte Artur Coenen Bea, die etwas verlegen auf den Boden guckte. „Ich bin bei jemand anderem mitgefahren”, musste sie am Ende kleinlaut zugeben.

Motorradfahrer Artur drücke ein Auge zu und eine herzhafte Umarmung besiegelte wieder den Frieden zwischen den beiden, die eigentlich seit Jahren ein Pärchen sind - zumindest auf dem Motorrad. Denn auch darauf kommt es den Organisatoren von den „Biker & Triker Freunde ohne Grenzen Selfkant” an: „Das Miteinander der Motorradfahrer und der Menschen mit Behinderungen ist das Ziel unserer Arbeit”, so der Vorsitzende Horst Sommer. Da haben sich im Laufe der letzten neun Jahre viele Paare gebildet, erzählt er weiter. „Und wenn dann mal einer der Stamm-Fahrer nicht erscheint, ohne sich abgemeldet zu haben, ist der Frust bei dem Beifahrer oft groß”, weiß Sommer zu berichten und sieht zufrieden, dass Artur und Bea sich vertragen haben. Diakon Stephan Lütgemeier segnete vor dem großen Korso die Maschinen und Fahrer und wurde vom einigen Bikern noch persönlich an deren Gefährte gebeten.

Bürgermeister Bernhard Tholen hatte für das neunte „Festival der Begegnung” wieder die Schirmherrschaft übernommen. Ihm war es eine Freude, so viele Gäste und Teilnehmer wie selten begrüßen zu können. Auch er sagte dem Präsidentengespann mit Horst Sommer und seinem Vize Ed Haartmans ein Dankeschön für die geleistete Arbeit, die ja letztlich auch eine tolle Werbung für die Freizeitregion „Der Selfkant” sei. Besonders Lob zollte er der Organisatoren für die hervorragende Einbindung der Menschen mit Behinderungen in das Programm der Motorradfreunde. Rund 140 behinderten Menschen aus dem gesamten Kreisgebiet waren nach Hohenbusch an das Clubheim Oase gekommen. Die meisten kamen allerdings von den Gangelter Einrichtungen Maria Hilf. Schwester Patricia, Stefan Erfurth als Geschäftsführer und Sebastian Theves vertraten den „Förderverein Maria Hilf Gangelt”, der 1981 gegründet wurde, mit einem eigenen Stand auf dem Gelände. Sie warben um neue Mitglieder, um noch besser Bereiche wie Integration, Freizeitaktivitäten oder den „Tag der Begegnung” fördern zu können. „Werdet Mitglied”, fordert Sommer die Gäste auf. „Denn zum Förderverein gehören schließlich auch Uwe Seeler, Torsten Frings und Nadine Capellmann!”

Gisela und Christel von den Gangelter Einrichtungen sind seit dem ersten Tag vor neun Jahren als Beifahrer beim Korso dabei. „Ich fahre so gerne Motorrad”, erzählt Gisela, die sich freut, wenn ihr der Fahrtwind um die Nase weht. „Das ist für mich der Höhepunkt des Jahres”, gibt sie einen Einblick, welchen Stellenwert diese Veranstaltung für die Beifahrer hat. Christel hat ihren Freund Theo (65) mitgebracht. „Der ist zum ersten Mal dabei”, verkündet sie, um ihm dann bei der Helmauswahl behilflich zu sein. Zum ersten Mal ist auch Hans-Jürgen Venedey von der Kreispolizei dabei. Er fährt mit dem Motorrad vorne weg und macht den Weg auf der gut 35 Kilometer langen Strecke durch die Gemeinde Gangelt frei.

154 Motorrad- und Trikefahrer waren es, die am Ende an der Rundfahrt teilnahmen. „Da war es kein Problem, für die rund 140 Menschen mit Behinderungen einen Platz zu finden”, freuen sich Sommer und Haartmans. All das habe nur funktioniert, weil die Genehmigungsbehörden, die Polizei, die Malteser und die Feuerwehr mitgespielt haben, wurde ein Dank an diese Gruppe gerichtet. Da der Besuch der Veranstaltung sehr gut war, wird es kein Problem sein, die Aktion „Wir sind Helden” finanziell zu unterstützen. Aber auch das Schlachtfest am 24. September steht nicht nur im Zeichen der Geselligkeit. Mit dem Erlös der Veranstaltung wird die Nigeria-Hilfe der Dernbacher Schwestern mitgetragen. Nach dem Korso traf man sich zum geselligen Teil rund um die Oase - mit „Lostinmusicx” aus Aachen und dem Majoretten- und Cheerleaderteam aus Aldenhoven.

Gelungene Generalprobe für Weltrekord-Versuch

Die neunte Auflage des „Festival der Begegnung” war im Grunde eine gelungene Generalprobe für die Jubiläumsveranstaltung in 2012. Dann steht ein Weltrekord-Versuch für das Guinness-Buch der Rekorde an.

Rund um Gangelt will man den längsten Korso der Welt mit Menschen mit Behinderungen fahren. Dazu sollten sich so früh wie mögliche alle Teilnehmer, die über ein Motorrad, ein Trike, einen Roller oder ein Quad verfügen, auf der Internetseite http://www.oase-gangelt.de melden.

Diese von den englischen Guinnessbuch-Verantwortlichen genehmigte Aktion wird von zwei Notaren überwacht.