Übach-Palenberg: Über den Wogen den Überblick haben

Übach-Palenberg: Über den Wogen den Überblick haben

„Da muss Druck dahinter, das muss knallen“, ruft Jürgen Senz in die Halle. Die Kacheln werfen das Gerufene zurück, im Wasser spiegeln sich die Worte in gesteigertem Bewegungsdrang wider. „Und immer den Kopf über Wasser halten“, macht er den jungen Menschen im 25-Meter-Becken der Schwimmhalle an der Carlstraße Mut.

Die sind jetzt, am Ende einer sehr anspruchsvollen Trainingseinheit der Wasserballer vom VfR Übach-Palenberg, schon ziemlich ausgepumpt. Doch noch geht etwas, der Ball läuft, vor allem bei den schon etwas erfahreneren Spielern von der C-Jugend wird im typischen Wasserball-Kraul ein schneller Angriff nach dem anderen vorbereitet. Viele Jahre hatte der Verein keine Jugendmannschaften, inzwischen macht sich die kontinuierliche Arbeit der Wasserball-Abteilung aber bemerkbar. Zwei Mannschaften gibt es nun wieder. Für den Bezirk Aachen ist das beachtlich.

Trockentraining? Aber sicher. Denn wer ein guter Wasserballer sein will, der muss auch an Land fit sein. Foto: Markus Bienwald

Trainerkollege Jens Ueberdick nutzt seine Pfeife, um die rigorosen Spielregeln lautstark umzusetzen, während Jürgen Senz seine Stimme für Anweisungen nutzt. Für empfindliche Gemüter ist das hier nichts. Vor allem einige Schwimmer, die im Anschluss an das Wasserballtraining ihre Bahnen ziehen wollen und sich jetzt schon in der Halle warm machen, rümpfen etwas die Nase. Dabei sind die beiden Sportarten nicht nur über das Element Wasser verbunden. „Ohne Kachelzählen gibt es keinen Erfolg“, sagt der Trainer lachend. Und das bedeutet Schwimmen. Aber richtig.

Das fängt schon bei der Haltung im Wasser an. Am besten gelingt es, beschreibt der Wasserballprofi, wenn man wie ein Frosch im Wasser „sitzt“ und abwechselnd mit den Beinen das Wasser tritt. „Anfänger erkennt man daran, dass sie auf- und abpumpen, dabei die Augen zwar über dem Wasser halten, aber nie den Überblick behalten“, so Senz weiter. Überblick bedeutet beim Wasserball sehr viel, denn neben dem Tempo der nur in 30 Sekunden zu absolvierenden Angriffsversuche heißt es, möglichst in gleichbleibendem Niveau über dem Wasser zu bleiben. Und in Bewegung bleiben, das möglichst schnell. „Ich kenne einen Wasserballer, der bei Olympia war und auf einer Strecke von zehn Metern sogar dem damaligen Olympiasieger Michael Groß viel Zeit abnehmen konnte“, erinnert sich Senz.

Er ist seit 1979 begeisterter Wasserballer, war in der Schwimmabteilung einer der Männer der ersten Stunde. Aber seit acht Jahren muss er auch aus gesundheitlichen Gründen darauf verzichten, im Wasser den Ball zu führen. Begeistert ist er allerdings von der Art und Weise, wie seine Jungs und das Mädchen Dana Krings durch das Wasser pflügen. „Aus denen wird noch was“, sagt er, „natürlich dauert das noch seine Zeit, doch von denen, die schon ein Jahr länger dabei sind, spielen schon ein oder zwei in den höheren Altersklassen“, erzählt er.

Eine gute Stunde vorher waren die Jungs und das eine Mädchen, das offiziell übrigens noch bis zum Eintritt in die C-Jugend bei den jungen Herren mitspielen darf, noch im Trainingsdress beim Trockentraining. Trocken? Wasserball? Aber ja, in der Halle geht es vor dem Wassertraining auch rund. Schubkarre, Liegestütze, sich gegenseitig mit den Armen und Beinen wegdrücken und auch Sprints mit schnellen Kehrtwenden sind heute dran. „Meistens spielen wir noch Handball oder Basketball, um das Ballgefühl zu sichern“, so Jürgen Senz, bevor er seinem jüngsten Spieler noch die Schuhe zubindet. Und mit den Worten Schnellkraft und Sprintvermögen auf den Lippen lässt der erfahrene Wasserballtrainer es heute fast bewenden. Denn ihm liegen neben Kraft,

Ausdauer und Spielvermögen auch der Teamgeist und das Bewegungsvermögen jedes seiner Schützlinge am Herzen. „Ich habe mal einen sehr interessanten Artikel gelesen, da ging es darum, dass Kinder heutzutage größtenteils nicht mal mehr in der Lage sind, rückwärts zu laufen“, schließt der gelernte Koch das Trainingskapitel. Davor brauchen sich seine Spieler nicht zu fürchten, denn, das weiß Jürgen ganz genau: „Die schlafen heute gut!“

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