Übach-Palenberg: Übacher Stadthotel: Zwischen Angriff und Verteidigung

Übach-Palenberg : Übacher Stadthotel: Zwischen Angriff und Verteidigung

Vergangene Woche griff Heribert Werden zu einer Daumenschraube, die er bisher übersehen hatte. Er meldete sich bei der Enwor und ließ das Wasser im Übach-Palenberger Stadthotel abstellen. Anschließend setzte er unsere Zeitung in Kenntnis.

Er könne es sich nicht mehr bieten lassen, was sich da in der Freiheitstraße abspielt, sagte er, genug sei genug. Dass Werden dort eine Menge Ärger hat, daraus macht er allgemein kein großes Geheimnis.

Ein Versorger als Druckmittel: Über die Enwor hat Heribert Werden seinem Pächter Cevdet Genc das Wasser abstellen lassen. Foto: Jan Mönch

Noch am gleichen Nachmittag meldete sich ein gewisser Cevdet Genc hilfesuchend in der Redaktion. Man habe ihm im Stadthotel das Wasser abgestellt, dabei zahle er alle Rechnungen, er wisse nicht mehr ein, nicht aus. Genc ist der, mit dem Werden den Ärger hat.

Die zwei kennen sich seit Jahren und pflegten mal ein freundschaftliches Verhältnis. Dann kamen sie auf die Idee, dass Genc zum Betreiber des Hotels und der nebenan liegenden Stadthalle, die Werden gehören, werden könnte.

Nur einer sagt die Wahrheit

Wenn zwei sich streiten, liegt das sehr oft an unterschiedlichen Blickwinkeln und die Wahrheit irgendwo in der Mitte. Bei der Fehde, die Werden und Genc um das Stadthotel austragen, ist das anders. Die Aussagen der beiden widersprechen sich in vielen Punkten komplett.

Es geht um einen traditionsreichen Betrieb, ziemlich viel Geld und um die Frage, wer die Wahrheit sagt und wer lügt. Mit dieser Frage beschäftigt sich seit einiger Zeit auch das Aachener Landgericht, wo Werden eine Räumungsklage eingereicht hat. Beide Seiten haben sich dort im Rahmen mehrerer Verhandlungstermine gegenseitig mit Vorwürfen überzogen. Am 6. Juni geht es weiter.

Die Geschichte von Heribert Werden geht zusammengefasst so: Guten Glaubens verpachtete er 2016 Stadthotel und Stadthalle an Genc. Der aber zahle seitdem die Pacht nicht, weshalb Werden ihn vor die Tür setzen will. Genc aber weigere sich, habe gar die Schlösser ausgetauscht und wolle erst Geld sehen. Dieses Geld kommt auch in Gencs Version der Geschichte vor. 40.000 Euro seien Heribert Werden ausgezahlt worden, in bar, als Sicherheit für eine Kaufoption, und diese 40.000 Euro hätte er gerne zurück.

Schriftlich gibt es dazu zwar nichts, jedoch sagten drei Zeugen am Landgericht im Sinne von Genc aus. Gencs Problem an der ganzen Sache ist, dass die Stadt ihm keine Konzessionen für den Betrieb von Hotel und Halle ausgestellt hat, was er sich natürlich anders vorgestellt hatte.

Vor Gericht hatte eine Mitarbeiterin der Stadt, die als Zeugin aussagte, vorgebracht, es hätten Zweifel an Gencs Zuverlässigkeit bestanden. Woher diese Zweifel rühren, wollte die Stadt unserer Zeitung auf Nachfrage nicht näher erläutern und verwies auf das laufende Verfahren. Kein Geheimnis ist, dass man es im Rathaus am liebsten sähe, wenn die Liegenschaft abgerissen und ein Investor in der attraktiven Lage etwas Neues schaffen würde, Wohnungen etwa.

Der Status quo ist nunmehr allerdings einer, der keinem weiterhilft, am wenigsten den streitenden Parteien. Genc fühlt sich von Werden betrogen. Werden fühlt sich von Genc erpresst und sogar bedroht. Nach einem Verhandlungstermin im Dezember vergangenen Jahres verließ er eiligen Schritts das Aachener Justizzentrum und blickte immer wieder hinter sich, ganz so als habe er Angst, dass jemand ihm folgen könnte. Dazu passt, dass Werden auch schon Anzeige erstattet hat, weil er seiner Darstellung nach am 29. September vergangenen Jahres unweit des Stadthotels zusammengeschlagen und ausgeraubt worden sei. Beweisen konnte er das nicht, die Staatsanwaltschaft hat ihr Ermittlungsverfahren eingestellt.

Einen Ruf zu verlieren

Die Kontrahenten sind keine Unbekannten, beide haben einen Ruf zu verlieren. Genc veranstaltet in verschiedenen Kommunen der Region Hochzeiten und Konzerte insbesondere für eine türkischsprachige Zielgruppe. Vor einigen Jahren wollte er ein türkisches Kulturzentrum in einem Stolberger Gewerbegebiet eröffnen, die dortige Politik ließ ihn aber nicht, es kam zum Streit. Auch als Musiker ist er aktiv. Werden indes betreibt in Baesweiler ein bekanntes Restaurant. Früher trugen Stadthotel und Stadthalle in Übach-Palenberg seinen Namen. Die Karnevalsvereine bedauern bis heute, dass die Halle ihnen nicht mehr zur Verfügung steht, die Zusammenarbeit mit Werden haben viele von ihnen in guter Erinnerung.

Weiteres Verfahren liegt in Köln

Dennoch bereitet die Liegenschaft Werden nicht erst Probleme, seit die Auseinandersetzung mit Cevdet Genc ihren Lauf nahm. Anfang 2016 scheiterte der Verkauf an ein namhaftes Bauunternehmen aus der Region. Doch zwischen dem Scheitern dieses Verkaufs und dem Krach mit Cevdet Genc unternahm er noch einen weiteren Versuch, Hotel und Halle loszuwerden. Wie Recherchen unserer Zeitung ergeben haben, gab es eine weitere Interessentin, die sich vorstellen konnte, die Immobilie für 450 000 Euro zu erwerben.

Auch mit diesem Vorgang musste sich später das Landgericht auseinandersetzen. Dieses Verfahren hat Werden bereits verloren. Das Landgericht verurteilte ihn am 19. Dezember 2017 dazu, der Interessentin eine Anzahlung von 50 000 Euro zurückzugeben. In diesem Falle sah die Richterin es als erwiesen an, dass das Geld geflossen war. Weil Werden in Berufung ging, liegt die Sache nun am Oberlandesgericht in Köln. Einen Verhandlungstermin gibt es noch nicht.

Obwohl die beiden Verfahren sich um die gleiche Liegenschaft drehen und auch einigen Parallelen aufweisen, wurden sie in Aachen vollkommen unabhängig voneinander und von verschiedenen Richtern behandelt. Dies entspricht dem sogenannten Beibringungsgrundsatz in Zivilprozessen: Der Richter soll allein auf Grundlage dessen entscheiden, was ihm von den streitenden Parteien vorgelegt wird. Mögliche andere laufende Verfahren müssen ihn dabei nicht interessieren, und seien sie sich auch in der Sache ähnlich. Anders ist das beispielsweise in Strafverfahren, in denen der Amtsermittlungsgrundsatz gilt.

Werden steht nunmehr mit zwei offenen Verfahren da, einmal als Kläger in der Offensive, einmal als Beklagter in der Defensive. Das Stadthotel, das er selbst um die Jahrtausendwende von der Stadt Übach-Palenberg erwarb, ist für ihn zum Problem geworden.

Versorger bestätigt: Haben Wasser abgestellt

Der Herzogenrather Versorger Enwor GmbH bestätigte unserer Zeitung diese Woche, dass man im Stadthotel das Wasser abgestellt habe. Dies sei auf Wunsch des Eigentümers geschehen. Der allein sei Vertragspartner, seinem Wunsch mithin zu folgen. Die Frage, ob die Rechnungen für das Wasser durch den Pächter beglichen wurden, sei dabei juristisch unerheblich, stellte ein Sprecher klar.