Übach-Palenberg: Übach-Palenbergs Wasserturm ist kostspielig, nutzlos und nicht zu ersetzen

Übach-Palenberg : Übach-Palenbergs Wasserturm ist kostspielig, nutzlos und nicht zu ersetzen

Die Bedeutung des Wasserturms erschließt sich recht gut, wenn man sich aus Richtung Merkstein über die Aachener Straße auf Übach-Palenberg zubewegt. Am besten stellt man sich dabei vor, man sei fremd und zum ersten Mal in der Gegend. Der Blick schweift also über die Felder und die südliche Palenberger Bebauung hinweg. Dahinter erhebt sich die Bergehalde von Carolus Magnus.

Und auf ihr steht wie ein stählerner Wächter der besagte Turm. Noch bevor er das Ortsschild passiert hat, weiß der fremde Besucher also, dass er im Begriff ist, einen Ort mit langer und stolzer Industriegeschichte zu betreten.

Das Problem ist, dass der heutige Nutzen der knapp 50 Meter hohen und 600 Tonnen schweren Anlage damit auch schon erzählt ist. Um sie herum liegen nichts als Bäume und einige Waldwege, es gibt nichts, was einer touristischen Erschließung nahe käme. Und auch betreten darf man den Koloss nicht, dazu ist er nicht geeignet.

Die Stadt hat sich, wohl aus gegebenem Anlass, sogar einige Mühe gegeben, zu verhindern, dass dennoch Leute hinaufklettern, um sich die schöne Aussicht über die Dächer der Stadt gefallen zu lassen. Um die Füße des Turms wurde ein Zaun aufgestellt und mit Stacheldraht bewehrt, den man eher an einer militärischen Anlage vermuten würde als an einem Denkmal. Klammert man den sentimentalen Faktor aus, steht der Koloss also ziemlich nutzlos in der Gegend herum. Zugleich ist sein Erhalt mit einer Menge Aufwand und hohen Ausgaben verbunden. Sollte eine Stadt, die finanziell nicht auf Rosen gebettet ist, sich das leisten?

Stellt man diese Frage Alf-Ingo Pickartz, dem Stadtverbandsvorsitzenden der SPD, fällt die Antwort ziemlich klar aus. Der Wasserturm stehe ja für das, was Übach-Palenberg von einem „Agglomerat kleiner Dörfer zu einer Stadt gemacht hat“, sagt er. „Wenn man sein Wahrzeichen vernichtet, gibt man sich selbst auf.“

Und auch Oliver Walther, der Stadtverbandsvorsitzende der CDU, spricht von einem „Wahrzeichen“, einer „Landmarke“ und einem „Alleinstellungsmerkmal“. Spontane Äußerungen wie diese zeugen vom politischen Willen, das Erbe der Bergbau-Ära zu erhalten. Was wiederum viel damit zu tun haben dürfte, dass gefühlt so gut wie jeder Alteingesessene direkt oder über nähere Angehörige einen Bezug zum Bergbau hat. Nicht umsonst ziert der Turm ja auch den Briefkopf der Stadt. Dennoch deutet einiges darauf hin, dass man sich mit der Frage, ob der Turm eine Zukunft hat, mittel- bis langfristig auseinandersetzen müssen wird.

Als der Wasserturm 1912 errichtet wurde, war er natürlich als reiner Zweckbau gedacht, nicht als Denkmal, dass die Jahrhunderte überdauert. Das Material ist also eigentlich längst abgelaufen. Heute setzt sich Wasser an Schweißnähten und Nieten fest. Auch auf den waagerechten Treppenstufen bleibt es stehen. Es bildet sich Rost. Die Pflanzen ringsum belegen den Turm mit Grünspan und die Vögel mit dem, was eben von Zeit zu Zeit so aus Vögeln herauskommt.

Alle drei bis fünf Jahre muss der Turm aufwendig durch Kletterer gereinigt werden, was um die 15.000 bis 20.000 Euro kostet. Hinzu kommen jährlich kleinere Beträge zur Unterhaltung. „Das ist kostenintensiv, aber zum Glück nicht so sehr, dass wir es uns nicht leisten könnten“, sagt dazu Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch (CDU).

Eine intensivere Diskussion könnte anstehen, sobald der nächste Anstrich fällig wird. Dieses Unterfangen kostet stolze 600.000 Euro und wurde zuletzt vor fast 20 Jahren vorgenommen. Auch wenn es ein Vergleich von Apfel mit Birne sein mag: Die Stadtbücherei hat man geschlossen, um Kosten von 100.000 Euro pro Jahr zu sparen.

Eine Förderung durch den Denkmalschutz ist wohl nicht zu erwarten, wie Achim Vogelheim, Leiter des Fachbereichs Hoch- und Tiefbau, in der jüngsten Ratssitzung erklärte. Grundsätzlich wird ein Anstrich alle 20 bis 25 Jahre fällig. Laut Bürgermeister Jungnitsch wurde im Rahmen einer statischen Überprüfung zuletzt festgestellt, dass der Anstrich noch eine Weile bleiben kann, wie er ist, im Optimalfall womöglich sogar an die zehn Jahre.

Wenn diese Zeit verstrichen ist, wird sich die Zukunft des Wasserturms also nicht zuletzt an der Frage entscheiden, wie die Stadt Übach-Palenberg bis dahin finanziell aufgestellt ist.

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