„Gangster“ entmachtet : Wenn aus Stadtakten Konfetti wird

„Gangster“ entmachtet : Wenn aus Stadtakten Konfetti wird

„Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch ist nicht mehr im Amt“: Stünde hinter diesem Satz ein Ausrufezeichen, käme das sicherlich einem kleinen politischen Erdrutsch in der früheren Zechengemeinde gleich.

Doch da die Jecken auch am Donnertag in Übach-Palenberg den ungehemmten Start in den Straßenkarneval feierten, muss der Verwaltungschef nur für die kommenden Tage bis Aschermittwoch seinen Sessel räumen. Stattdessen profilierte sich das amtierende Stadtprinzenpaar Andy I. und Gerda I. (Steinmetz) von der Karnevalsgesellschaft (KG) „Frelenberger Esel“ als das neue Herrscherpaar der Stadt.

„Ihr werdet Euch wundern, mein Schreibtisch biegt sich durch vor Akten“, hatte der Bürgermeister den Vertretern aller Karnevalisten in der Stadt noch zugerufen. „Dann machen wir eben Konfetti aus dem Kram“, konterte Marcel Derichs als Präsident der „Frelenberger Esel“ und hervorragender Moderator des gelungenen Rathaussturms. Der gelang übrigens nicht nur, weil das Prinzenpaar zum großen Mehrkampf von eroberungswütigen Regenten antrat: Kleiner Festzug, großes Singen und schließlich noch ein flottes Dartspiel mit dem Ersten Bürger der Stadt waren unter anderem zu absolvieren.

Klar kostet das Puste, und damit die den doch einigen hundert Feierwilligen am Fettdonnerstag auf dem Übacher Rathausplatz nicht ausging, durften sie auch im Festzelt  immer mal wieder Musik und gute Laune nachtanken.

Dafür sorgte auch das Programm auf der zwar kleinen, aber feinen Bühne, die am Zelt extra für den Rathaussturm aus dem Zeltinneren auf die Straße ragte. Dort gaben nicht nur Marcel Derichs und die Vertreter des Festausschusses Übach-Palenberger Karnevalsvereine mit den Frelenbergern, der KG „Lustige Marienberger Jekken“, der Übach-Palenberger Karnevalsgesellschaft (ÜPKG), der Karnevalsvereinigung „Wurmtal-Funken“ und der jecken Gäste aus der Partnergemeente Landgraaf/NL richtig Gas. Sie hatten auch ein umwerfendes Programm mit dabei, das jedem, der auch nur ein bisschen was mit dem Brauchtum Karneval anfangen kann, die Lust am Feiern in den Körper trieb.

Da machten „Rabatz“ mit ihren Interpretationen jahreszeitlicher Stimmungshits schon von Beginn an richtig Laune. Vorher hatten schon die Damen und Herren von „De Lauzek“ – was mundartlich so etwas wie „Die faulen Säcke“ heißt – ihrem Namen so gar keine Ehre gemacht und richtig Vollgas gegeben. Im Zelt wurde derweil schonmal die Temperatur hochgefahren, denn das Einzige, was nicht zum perfekten Karnevalsstart in der Stadt passen wollte, war das Wetter.

Doch es war, als ob die Sonnenstrahlen nur auf den passenden Moment gewartet hatten. Denn in dem Moment, in dem ein sichtlich abgekämpfter Bürgermeister – übrigens mit einer toll verkleideten Schar Gangster und den passenden Gangsterbräuten aus den 1920er-Jahre hinter sich – die offizielle Kapitulationsurkunde verlas, brachen ein paar herrliche Sonnenstrahlen durch die dichte Wolkendecke.

So konnten am Ende Andy I. und Gerda I. mit Unterstützung der wärmenden Sonne einmal den Schlüssel zur Stadt gen Himmel recken und sich auf einen gigantischen Karnevalsendspurt freuen.

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