Übach-Palenberg: Jana Marie Blunk erhält Dr. Hans Riegler-Fachpreis

Biologiepreis für Jana Marie Blunk : Mit Hefe gegen giftige Stoffe im Meer

Eigentlich ist Jana Marie Blunk eine normale Schülerin: Die 16-Jährige besucht das Carolus-Magnus-Gymnasium und steht kurz vor dem Abitur. Was Jana von ihren Mitschülern unterscheidet, ist ihre Leidenschaft für die Forschung: Der verdankt sie jetzt einen zweiten Platz beim Dr. Hans Rieger-Fachpreis NRW und einen weiteren zweiten Platz bei Jugend forscht.

Jana Marie Blunk ist 16 Jahre alt, besucht die Stufe Q2 am Carolus-Magnus-Gymnasium Übach-Palenberg und steht kurz vor ihrem Abitur. Ihre Leistungskurse sind Mathe und Biologie. Was Jana von ihren Mitschülern unterscheidet, ist ihre große Leidenschaft für die naturwissenschaftliche Forschung. Ihre Neugier und ihr Fachwissen haben ihr nun einen zweiten Platz beim Dr. Hans Rieger-Fachpreis NRW und einen weiteren zweiten Platz bei Jugend forscht eingebracht.

„Enzymatischer Alkanabbau durch Hefe“ lautet der Titel von Jana Marie Blunks Facharbeit in Biologie. Was für Laien klingt wie ein nicht ganz alltägliches Backrezept, ist in Wirklichkeit ein komplexes biochemisches Thema, mit dem die Schülerin aus Übach-Palenberg einen Beitrag leisten möchte, um die Welt zu retten.

„Das Problem, das ich angehen will, ist die Ölpest in den Weltmeeren“, sagt Jana Marie Blunk. „Ich habe versucht, einen Stoff zu finden, dem es gelingt, die Alkane im Öl zu zersetzen und somit das Wasser zu reinigen“, erklärt sie. „Denn die Alkane sind gefährlich für das Ökosystem.“ Einen Stoff, der das leisten kann, hat die Schülerin gefunden: Es ist einfache, handelsübliche Backhefe.

Schon neben Schule an der Uni

Schon mit 13 Jahren hatte Jana Marie Blunk begonnen, sich für Hefe und das, was Hefe leisten kann, zu begeistern. „Ich habe den Stoff bei einem Praktikum am Forschungszentrum Jülich kennengelernt und wusste gleich, dass ich damit weiterarbeiten möchte.“ Vor etwas mehr als einem Jahr hatte Jana dann die Chance, im Rahmen des Projektes „Studieren vor der Uni“ ein Semester Anorganische Chemie an der RWTH Aachen zu studieren. „Das war ein Studiengang für das dritte Semester, aber ich hatte keine Probleme, das fachliche Niveau mitzuhalten.“ Auch äußerlich unterschied sie sich kaum von ihren älteren Kommilitonen, höchstens aufgrund ihrer leuchtenden Begeisterung für den Stoff dürfte sie im Hörsaal doch herausgestochen haben.

„Hefe ist ein einfacher Organismus, der ungefährlich ist, aber unheimlich viel kann“, erklärt Jana die Wahl ihres Forschungsobjektes. Während ihre Klassenkameraden in Freistunden oder Pausen versuchen, sich zu erholen, zieht sie Kittel und Schutzbrille an und experientiert im Chemie-Raum für ihr Projekt, oft auch noch nachmittags nach dem Unterricht.

Unterstützung bekommt sie von ihrem Lehrer Markus Köhler, der natürlich sehr stolz auf seine besondere Schülerin ist: „Jana hat sich schon sehr frühzeitig Gedanken darüber gemacht, was das Thema ihrer Facharbeit sein soll und mich auch penetrant damit gelöchert, wann sie denn endlich beginnen kann.“ Eigentlich arbeiten die Schüler am CMG rund drei Monate lang an ihrer Facharbeit, Jana hat schon in der Einführungsstufe, also der Jahrgangsstufe 10 damit begonnen, sich intensiv mit ihrem Projekt auseinanderzusetzen. Köhler: „Sie hatte direkt klare, strukturierte Gedanken. Das ist nicht alltäglich. Meine Hilfe beschränkte sich im Prinzip darauf, ihr mögliche Probleme aufzuzeigen, die sie dann gelöst hat, oder ihr hier und da mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.“ Auch bei Rückschlägen sei die Schülerin konsequent am Ball geblieben. „Ich bin beeindruckt, wie viel Geduld und Zeit sie über einen so langen Zeitraum für dieses Projekt aufgebracht hat.“

Im ersten Schritt ihrer Forschung untersucht Jana, ob die Hefe überhaupt überleben kann, wenn sie auf Alkane, also letztlich Gifte, stößt. Das kann sie. Im zweiten Schritt untersucht sie, ob es der Hefe auch gelingen kann, die Alkane abzubauen, beziehungsweise was die Hefe braucht, um wirken zu können. Jana testet konkret, ob durch Zugabe von Zucker, also Glukose und Fruktose, der Stoffwechsel der Hefe so angeregt wird, dass sie arbeiten kann. Die Ergebnisse sind durchaus vielversprechend, aber die Forschung ist noch längst nicht abgeschlossen. „Ich würde natürlich gerne an dem Thema weiterarbeiten“, sagt Jana. „Aber im Moment fehlt dazu einfach die Zeit, da nun erst einmal das Abitur an erster Stelle steht.“

Im März 2019 ist zumindest Janas Facharbeit fertig, und Markus Köhler motiviert sie, sich für den Dr. Hans Riegel-Fachpreis der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und der Dr. Hans Riegel-Stiftung zu bewerben. Mit Erfolg: Jana wird mit dem zweiten Platz im Fachbereich Biologie ausgezeichnet. „Ich habe mich darüber sehr gefreut. Vor allem, weil ich viele Kontakte gewonnen habe und auch in Zukunft über die Stiftung Hilfe für meine Forschung bekommen kann. Ich wurde von der Jury eingeladen, im Labor weiterzuforschen. Das wäre natürlich super. Schließlich will ich meine Ergebnisse jetzt nicht liegen lassen.“

Motiviert durch das Klimaproblem

Würde ihre Forschung zu einem Projekt werden, das tatsächlich zum Einsatz kommt, wäre das für Jana – und natürlich für die Umwelt – ein großer Erfolg. Auch in ihrem angestrebten Studium im Bereich Biotechnologie oder Biochemie will sie gerne an ihrem Thema weiterarbeiten. „Unsere Umwelt und die Klimaproblematik betreffen uns schließlich alle und meine Zukunft als junger Mensch auch ganz direkt. Darum ist es für mich eine besondere Motivation, in dieser Zeit zu forschen und vielleicht einen Beitrag zu leisten.“

Janas Geschwister und auch Klassenkameraden sind beeindruckt von ihren Leistungen. „Meine Klassenkameraden sind ganz froh, dass ich in ihrem Leistungskurs bin, denn ich kann eigentlich immer helfen“, meint Jana, die in andern Fächern wiederum auch gerne auf die Hilfe ihrer Mitschüler zurückgreift. „Jeder hat seine Stärken. Mir macht das Experimentieren jedenfalls sehr viel Spaß. Der ganze Einsatz hat sich auf jeden Fall gelohnt, und die Zeit war nicht verschwendet!“ Das spiegelt sich dann auch in der Note von Janas Facharbeit wieder: Ihr Projekt bekommt eine 1+.

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