Übach-Palenberg: Erstes Plädoyer im Drogenprozess gegen Marienbergerin

Drogenprozess in Darmstadt : Staatsanwältin fordert sieben Jahre und neun Monate Haft

Obwohl die Angeklage nach Auffassung des Landgerichts Darmstadt in „herausragender Stellung“ in den bandenmäßigen Drogenhandel integriert gewesen sei, fordert die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer nur eine Haftstrafe von sieben Jahren und neun Monaten.

Das Plädoyer der Verteidigung und das Urteil folgen. Im Drogenprozess gegen ein ehemaliges Pärchen aus Übach-Palenberg hat die Staatsanwaltschaft ihr Plädoyer gehalten. Wenn sich das Gericht in seinem Urteil annähernd an deren Forderung orientiert, dürfte die Angeklagte aus Marienberg mit einem „blauen Auge“ davonkommen.

Die 59-Jährige und ihr fast 80 Jahre alter Ex-Freund sollen Mitglieder einer Bande gewesen sein, die Drogen bis nach Süddeutschland verkauft hat. Der Stoff stammte aus den Niederlanden, das Haus der Angeklagten in Marienberg habe als Zwischenlager gedient. Dort sollen die Drogen auch portioniert und verpackt worden sein, bevor die Angeklagte und später deren Partner sie zu Abnehmern fuhren.

In dem Verfahren geht es um mehr als zehn Kilo Heroin sowie diverse andere, auch harte Drogen, an deren Handel die Angeklagte beteiligt gewesen sein soll. Bis zuletzt hat die Frau jedoch weder den eigenen Tatbeitrag unumwunden eingeräumt noch über Strukturen der Bande ausgesagt. Dennoch darf sie überraschend auf eine Haftstrafe von deutlich unter zehn Jahren hoffen.

Ein psychiatrischer Sachverständiger hatte, ergänzend zu seinem bereits erstatteten Gutachten, erläutert, dass die Angeklagte in ihrer Kindheit Zurückweisungen durch die Mutter erfahren habe. Dadurch sei sie stets auf der Suche nach Zuwendung und Anerkennung. Unter anderem deswegen habe sie – trotz des Wissens, dass Drogenhandel illegal ist – bei den Geschäften mitgemacht. „Besser eine missbräuchliche Beziehung als gar keine“, beschreibt der Gutachter die Sichtweise der Frau. Allerdings neige sie zum Dramatischen. Seit Monaten etwa wird sie im Rollstuhl ins Gericht gebracht, wegen einer vor Jahren erlittenen Fußverletzung. Der Psychiater bestätigt zwar, dass es der Frau nicht gut gehe, betont aber: „Sie ist sehr fixiert auf ihre Krankheiten, sie kann laufen und ist nicht gelähmt“.

„Schamlos ausgenutzt“

Die Staatsanwältin gesteht der Angeklagten zu, dass sie vom inzwischen zu zwölf Jahren Haft verurteilten Kopf der Bande, einem Heerlener, „schamlos ausgenutzt“ worden sei – wegen ihrer Persönlichkeitsstruktur. Dennoch habe sie gewusst, was sie tat und sei mit „hoher krimineller Energie“ vorgegangen. In enger Absprache mit dem Bandenchef habe sie organisiert, wer wann welche Lieferungen bekommen solle. Sämtliche Kommunikation sei über sie gelaufen, die Angeklagte in „herausragender Stellung“ in das System integriert gewesen. Ferner habe sie aus reinem Gewinnstreben gehandelt.

„Es wäre die bessere Verteidigungsstrategie gewesen, mal diejenigen zu benennen, die tatsächlich hinter all dem stecken“, so die Anklägerin in Richtung der 59-Jährigen. Diese jedoch habe sich darauf beschränkt, ihren Ex-Freund zu beschimpfen – der aber laut Staatsanwaltschaft lediglich eine Gehilfentätigkeit als Kurier übernommen und keinen Gewinn aus den Geschäften erzielt habe. Er habe der Frau auch nicht eingeflüstert, was sie am Telefon zu sagen habe. Wie vieles andere, was die Angeklagte behauptet hatte, habe sich auch das als „erwiesenermaßen unwahr“ herausgestellt.

Die Staatsanwältin fordert für die Angeklagte, die Anfang der 2000er Jahre mehrfach wegen Förderung der Prostitution sowie unerlaubter Abgabe von Betäubungsmitteln an Minderjährige zu Geld- sowie einer Bewährungsstrafe verurteilt worden war, eine Haftstrafe von sieben Jahren und neun Monaten. Ihr nicht vorbestrafter Ex-Freund solle wegen Beihilfe eine Haftstrafe von zwei Jahren und sieben Monaten erhalten. Ohne die umfassende Aussage des Seniors hätten die Behörden weniger Details über Art und Menge der gehandelten Drogen erfahren. Außerdem sei der Mann von Anfang an geständig gewesen. Der Prozess wird mit den Plädoyers der Verteidigung und dem Urteil fortgesetzt.

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