Steine: Neuer Trend erreicht Geilenkirchen und Übach-Palenberg

Facebook-Trend erreicht Region : Steine bunt bemalen und auslegen

Ein neuer Trend erreicht Geilenkirchen und Übach-Palenberg. Steine werden phantasievoll und bunt bemalt und dann ausgelegt, um andere Menschen zu erfreuen. Ein Stein hat es sogar in weit entferntes Land geschafft.

Wer mit offenen Augen durch Geilenkirchen und Übach-Palenberg geht, entdeckt sie an den verschiedensten stellen: auf einer Parkbank, oben auf einem Zaunpfahl, mittig auf einem Stromkasten positioniert oder in einem Einkaufswagen in der Innenstadt abgelegt – phantasievolle bunt verzierte Steine mit Blumen, Tieren oder Sprüchen  bemalt.

Sie erfreuen ahnungslose Spaziergänger, bringen Farbe in die Welt und zaubern dem Finder ein Lächeln ins Gesicht. Die bemalten Steine sind ein Facebook-Trend. Immer mehr  Hobbymaler verzieren auch hier in der Region Steine mit kreativen Bildern und verteilen diese.

Auf Facebook Fund teilen

Wer einen findet, postet ihn mit dem Fundort in der entsprechenden Gruppe bei Facebook – der Name steht jeweils auf der Rückseite der Steine.

Von Schmetterling bis zur Raupe: In der Facebook-Gruppe wurden für den 3. Oktober ein Insektentag ausgerufen. Foto: ZVA/Michèle-Cathrin Zeidler

„Der Trend kommt aus England“, erklärt Annette Smolka. Sie hat die beiden Facebook-Gruppen „Gk Stones“ und „ÜP-Stones“ gegründet, in der die Fans der Bewegung ihre gefundenen Steine posten. „Durch einen Zufall bin ich auf Facebook auf die Bewegung gestoßen. Ich war sofort begeistert.“ Für Alsdorf und Hückelhoven habe es zu diesem Zeitpunkt bereits eine entsprechende Facebook-Gruppe gegeben: „Aber nicht für Geilenkirchen und Übach-Palenberg.“

Über 400 Mitglieder

Anfang August hat die 40-Jährige dies geändert. „Am Anfang lief es noch recht schleppend, aber mittlerweile nehmen wir immer mehr an Fahrt auf“, erzählt die zweifache Mutter stolz. In der Geilenkirchener Gruppe seien aktuell rund 370 Mitglieder aktiv, in der für Übach-Palenberg 430 Mitglieder. Tägliche werden bis zu 15 Beträge in der Gruppe geteilt. „Sogar Bürgermeister Georg Schmitz beteiligt sich an der Aktion“, berichtet die Geilenkirchenerin. Ihre ganze Familie ist von dem Trend begeistert.

Bei den Motiven sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt. Nur politisch sollte es nicht werden. Foto: ZVA/Michèle-Cathrin Zeidler

Über 100 Steine haben die Smolkas schon verziert und ausgelegt. „Die ersten Steine haben wir noch mit Nagellack bemalt, doch mittlerweile sind wir auf Acrylfarbe umgestiegen“, sagt Annette Smolka. Nach dem Bemalen werde die Farbe noch mit Klarlack versiegelt, damit  die Farbe bei Regen nicht verläuft und die Umwelt verschmutzt. Der Kreativität sind bei dem Trend kaum Grenzen gesetzt:  „Die Steine dürfen nur nicht beklebt werden. Das ist eine Gefahr für Tiere und Kinder. Sie können sie Aufkleber verschlucken und es besteht Erstickungsgefahr!“ Aus dem gleichen Grund sind auch Verzierungen wie Strasssteine sind unter den Hobbymalern verpönt.

„Wir sitzen nun wieder regelmäßig als Familie abends zusammen und bemalen gemeinsam Steine“, verrät Annette Smolka.

Ganze Familie macht mit

Selbst ihre erst zweijährige Tochter Stella sei mit Elan dabei: „Wir reden beim Bemalen über alles Mögliche und veranstalten kleine Wettbewerbe, wer den schönsten Stein des Abends kreiert.“ Zu ihrem Leidwesen sei ihr Mann allerdings deutlich begabter als sie: „Selbst einen Wurm bekommt er freihändig in wenigen Minuten hin. Ich liebe ihn dafür.“ Auch ein Dinosaurier und eine Ente zählen zu seinen Werken.

Die 13-jährige Tochter Janna orientiert sich bei ihren Motiven gerne an der Form der Steine. „Auf diese Weise sind schon Pizza-Stücke und ein alter Gameboy entstanden“, erzählt die Mutter stolz. „Auch Harry Potter ist bei ihr gerade hoch im Kurs.“ Mittlerweile hat die Familie mehrere Kisten mit Farben zur Auswahl, sucht bei jedem Spaziergang am Wegesrand nach neuen Steinen zum Bemalen und auf der Terrasse gibt es eine Lack- und Trockenstation. „Ein Lieblingsmotiv habe ich nicht, aber ich schreibe gerade etwas auf den Stein“, sagt Smolka und zeigt einige ihrer Werke. Darunter befindet sich auch ein Ü-Ei-Stein. „Ein bisschen Produktwerbung ist okay. Nur von allem politischem distanzieren wir uns. Es soll einfach Spaß machen.“

Finden, posten, weiterreisen lassen – das sei der Leitgedanke der Bewegung. „Wenn jemand einen Stein behält ist das natürlich ein großes Kompliment für den Künstler, aber die Steine sind zum Weiterreisen gemacht“, erklärt Smolka. Einer ihrer ersten Steine habe es auf diese Weise bereits bis nach Griechenland geschafft: „Ich habe keine Ahnung, wie er es bis dahin geschafft hat, aber das ist auch der Reiz.“

Besonders traurig sei es daher, wenn Steine mutwillig zerstört werden – auch das haben Mitglieder der beiden Facebook-Gruppe bereits erlebt. „Aber solang die Motivation noch da ist, die Leute noch Spaß haben und es noch Steine zum Bemalen gibt mache ich weiter“, verspricht Smolka.

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