Experte zeigt Pro und Contra auf: Stadtentwicklungsgesellschaft: Zeitpunkt verpasst?

Experte zeigt Pro und Contra auf : Stadtentwicklungsgesellschaft: Zeitpunkt verpasst?

Experte Dr. Axel Thomas warnt vor überhitzten Märkten und Rückschlagpotenzial. Frage des Startkapitals weiter unklar.

Welche Argumente sprechen für die Gründung einer Stadtentwicklungsgesellschaft in Übach-Palenberg und was sind mögliche Hindernisse und Probleme? Über diese Fragen hat Dr. Axel Thomas in der jüngsten Sitzung des Rates referiert. Die Stadtverwaltung hatte den externen Gutachter aufgrund eines Antrags der SPD-Fraktion aus dem Sommer 2017 mit der Prüfung zur Gründung einer kommunalen Stadtentwicklungsgesellschaft beauftragt.

Die Stadtentwicklungsgesellschaft ist insbesondere Alf-Ingo Pickartz, dem SPD-Ortsverbands- und Fraktionsvorsitzenden, ein Anliegen. Erreicht werden soll, dass ganze Quartiere und Stadtteile  nach und nach saniert oder abgerissen und neu gebaut werden. Pickartz hatte in diesem Zusammenhang moniert, dass Verwaltung und CDU sich stattdessen nur auf die Ausweisung neuer Baugebiete konzentrierten, und das teils in „pikanten Lagen“, womit Mariental gemeint gewesen sein dürfte. Dabei bestehe gerade in den vorhandenen Zentren und Vierteln dringender Handlungsbedarf.

„Sie befinden sich an einer Weichenstellung, es sind viele Aspekte zu berücksichtigen“, startet Axel Thomas in seine Präsentation. Der Geschäftsführer der Gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft für die Städteregion Aachen GmbH hatte Ende Januar auch die Geschäftsführung der Parkplatz Marienhöhe GmbH übernommen. Generell rät er davon ab, die Stadtentwicklungsgesellschaft mit der Wirtschaftsförderung zu vermischen.

Timing wesentlich

Entscheidend bei der Gründung einer Stadtentwicklungsgesellschaft sei das Timing, betont der Experte mehrfach. Andere Städte seien zu ganz anderen Zeiten eingestiegen (Würselen 1993, Herzogenrath 2017). Der richtige Einstieg sei dabei eigentlich vor der Finanzkrise 2007 gewesen. „Sie müssen außerdem ein solides Eigenkapital haben: Geld und nicht bloß eine Bürgschaft“, betont Axel Thomas. Für eine Stadtentwicklungsgesellschaft würden die Gewinnaussichten und die Flexibilität bei der Beschaffung und den Entscheidungen sprechen. Weiterhin würden Gewinne, die bislang Dritte einfahren, selbst erkämpft. „Allerdings wird die Flexibilität oftmals überschätzt“, stellt Thomas klar. Auch sei der Markt aktuell überhitzt und das Risiko eines Rückschlags groß. Weiterhin seien die rechtlichen Risiken und das wirtschaftliche Risiko zu bedenken. „Ihnen fehlt es an Know-how und Fachkräften, daher müssen erhebliche Nebenkosten für die Prüfung und Beratung beachtet werden“, so der Experte. Eine zentrale Frage bleibt, woher die Gesellschaft ihr Startkapital nehmen würde. „Wo kriegen wir so viel Geld her?“, wollte daher auch Gerhard Gudduschat von dem Experten wissen. Doch auf diese Frage wusste auch der Experte keine Antwort.

„Es gibt gute Beispiele in der Nachbarschaft, wo es gelungen ist“, erklärt SPD-Chef Pickartz.

SPD sieht Chance für die Stadt

Pickartz Meinung nach lohne es sich durchaus: „Es gibt immer eine Zukunft. Man kann von einer Überhitzung des Marktes sprechen, aber der Marktplatz Übach-Palenberg ist sehr interessant. Hier gibt es viel Leerstand.“ Bei den positiven Beispielen aus Würselen und Herzogenrath gibt die UWG-Fraktion den Dunstkreis der RWTH und Aachen zu bedenken. „Diesen Effekt haben wir nicht“, so Corinna Weinhold. Sie sei dankbar, dass einmal die Risiken einer Stadtentwicklungsgesellschaft aufgezeigt wurden. „Wir sind ein gebranntes Kind und haben schon einmal schlechte Erfahrungen mit solchen Geschäften gemacht“, fügt die UWG-Vorsitzende hinzu.

„Es fehlt an qualifiziertem Personal und Kapital“, ergänzt  Wolfgang Bien (UWG). Die Stadt sollte den richtigen Zeitpunkt abwarten: „In einer besseren Zeit und mit einer stabileren Finanzlage sehe ich große Möglichkeiten.“ Aktuell sei es aber allzu romantisch verklärt, eine solche Gesellschaft zu gründen. Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch will den Ratsmitgliedern nun zunächst einmal Zeit geben, sich mit den Prüfergebnissen zu befassen. Vor der Sommerpause will er in den einzelnen Fraktionen den Beratungsstand abfragen und das Thema dann noch einmal auf die Tagesordnung heben.

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