Solent-Mitarbeiter fordern höhere Löhne

Streik bei Solent : „Statt Schokolade gibt’s heute Saures“

Rund 100 Mitarbeiter streikten am Dienstag bei der Übach-Palenberger Schokoladenfabrik Solent. Die Solent GmbH & Co. KG gehört zur Schwarz Gruppe und gilt als eine der größten und modernsten Schokoladenfabriken Europas.

Um 13 Uhr war am Dienstagmittag Schichtwechsel. Danach ging rund zwei Stunden nichts mehr.

„Der Betrieb liegt still“, hatte Diana Hafke, Geschäftsführerin der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten der Region Aachen, festgestellt. Unter dem Motto „Statt Schokolade gibt’s heute Saures“ hatte die Gewerkschaft die Beschäftigten der Süßwarenindustrie zu ersten befristeten Arbeitsniederlegungen aufgerufen, um den Druck in den seit Anfang April laufenden Tarifverhandlungen zu erhöhen.

Die Gespräche seien nach zwei Verhandlungsrunden ohne Ergebnis vertagt worden, erläuterte Diana Hafke. Die Gewerkschaft fordere 6,5 Prozent mehr Lohn und Gehalt. Doch, so Diana Hafke: „Nach zwei Verhandlungen sind wir weit davon entfernt, ein Tarifergebnis zu erzielen. Die Kolleginnen und Kollegen sind über das letzte Angebot der Arbeitgeberseite zu Recht empört. Der Vorschlag der Arbeitgeber von 2,4 Prozent für dieses Jahr und 2,0 Prozent Entgelterhöhung im nächsten Jahr reicht gerade aus, um die gestiegenen Lebenshaltungskosten zu decken.“

Die Schokoladenfabrik Solent in Übach-Palenberg wurde am Sonntag bestreikt. . Foto: defi

Die guten Gewinne, die die Süßwarenbetriebe in fast allen Geschäftsfeldern erwirtschaftet habe, hätten nur durch die hohe Einsatzbereitschaft und Innovationsfähigkeit der Kolleginnen und Kollegen erzielt werden können. Die NGG verweist auf die stabile Entwicklung in der „süßen“ Branche in 2018 und in den ersten Monaten des Jahres 2019. Nach eigenen Angaben der Arbeitgeber sei die Lust der Deutschen auf süße oder salzige Leckereien ungebrochen.

Der Pro-Kopf-Verbrauch von Süßwaren liege bei 31 Kilo und sei seit zehn Jahren auf hohem Niveau stabil. Auch der Export boome. Hafke: „Alles in allem geht es der Branche gut. Hinter dieser Entwicklung steht harte Arbeit, die jeden Tag von den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern gemacht wird. Und die muss angemessen honoriert werden.“ Vor dem Hintergrund steigender Lebenshaltungskosten dürften die Tariflöhne nicht abgehängt werden. Ausgerüstet mit Fahnen, Transparenten und Trillerpfeifen zogen die Solent-Mitarbeiter von einem gegenüberliegenden Parkplatz in geordnetem Zug vor das Werksgelände an der David-Hansemann-Straße.

Auch für Solent-Geschäftsführer Matthias Berner war es der erste Streik in seinem Betrieb. Ihm war an einem ordnungsgemäßen Streikverlauf gelegen. Er hatte Absperrbänder, Getränke und eine Kollegin aus der Personalabteilung mitgebracht, die die Namen der Streikteilnehmer notierte, um Unstimmigkeiten bei der Lohnabrechnung zu vermeiden. Streikstunden müssen vom Arbeitgeber nicht bezahlt werden.

Der Betriebsratsvorsitzende Bernd Jacobs (l.) sprach während der Arbeitsniederlegung zu seinen Kollegen. Foto: defi

Bernd Jacobs sprach als Betriebsratsvorsitzender bei Solent zu den Streikenden. Auch er vertrat die Ansicht, dass das Angebot der Arbeitgeber den Leistungen der Kollegen nicht gerecht werde. Von den rund 370 Mitarbeitern des Unternehmens seien, so Jacobs, 40 bis 50 Prozent gewerkschaftlich organisiert. Er zeigte sich verhalten optimistisch, dass bei der nächsten Tarifverhandlung am 12. Juni für die Süßwarenindustrie an Rhein und Ruhr, zu der auch die Firma Solent gehört, die Arbeitgeber ein akzeptables Angebot machen werden.

Leo Müller, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender der Chocoladefabriken Lindt & Sprüngli GmbH am Standort Aachen, sicherte den Solent-Kollegen die Unterstützung der Aachener Kollegen zu. Müller kündigte an, man werde die Tarifverhandlung in der nächsten Woche abwarten und nötigenfalls auch über einen Streik bei Lindt & Sprüngli nachdenken.

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