Diskussion mit dem Landtagspräsident: Mehr Politik im Unterricht gefordert

Diskussion mit dem Landtagspräsident : Mehr Politik im Unterricht gefordert

Sollte Landtagspräsident André Kuper (CDU) am Montag im gut gefüllten Pädagogischen Zentrum Übach-Palenberg mit einer netten kleinen Interview-Runde zu  seiner Lieblingsmannschaft, den Beweggründen hinter seiner politischen Laufbahn und seinem Gehalt gerechnet haben, so wurde er enttäuscht.

Die Schüler des Carolus-Magnus-Gymnasiums, der Willy-Brandt-Gesamtschule und der Städtischen Realschule nutzen die Gelegenheit lieber, um ihm Fragen zu aktuellen politischen Streitthemen zu stellen. Dabei scheuten die Jugendlichen nicht vor der ein oder anderen provokanten Formulierung zurück, bezogen klar Position und hakten gezielt nach.

Was halten Sie von der Fridays for Future-Bewegung?

„Ich glaube, es ist mehr denn je notwendig, dass sich Schüler engagieren. Daher finde ich die Bewegung grundsätzlich gut. Allerdings fände ich es glaubwürdiger, wenn die Demonstrationen am Freitagabend oder Samstag stattfinden würden“, so der Landtagspräsident. Auch würde er sich wünschen, dass sich die Jugendlichen innerhalb dieser Bewegung breiter informieren und engagieren: „Nicht nur der Klimawandel ist ein wichtiges Thema.“

Welche Möglichkeiten haben Sie gegen den Lehrermangel an den Schulen im Land?

Zunächst einmal bestätigt Kuper den Lehrermangel insbesondere an Grundschulen in NRW. Im Bereich der weiterführenden Schulen sei die Situation allerdings je nach Fach unterschiedlich. Generell würden im Landtag aktuell verschiedene Ansätze diskutiert. „Ein Ansatz könnte dabei sein, die Anzahl der Studienplätze zu erhöhen und das Studium interessanter zu gestalten“, führt der Landtagspräsident aus. Weiterhin sei in der Überlegung, den Job durch ein generelles Beamtenverhältnis attraktiver zu machen, fitte Lehrer kurz vor der Rente um einige weitere Jahre im Job zu bitten und mehr Quereinsteiger mit bereits vorhandenen fachlichen Kompetenzen umzuschulen.

Damit sich eine Diskussion entwickelt konnte, nahmen einige engagierte Schüler kurzerhand auf dem Podium Platz. Sie ließen bei ihren Fragen nicht locker. . Foto: ZVA/Michèle-Cathrin Zeidler

Wie stehen Sie zum geplanten Upload-Filter?

„Eigentlich geht es um den Urheberrechtsschutz, aber das ist in der Diskussion weniger erlebbar“, so Kuper. Ursprünglich sollten mit der Reform des Leistungsschutzrechts (Artikel 11) und des Urheberrechts (Artikel 13) große Online-Plattformen mit besonderer Marktmacht reguliert werden: „Damit die Autoren von Texten und Künstler nicht weiter in die Röhre gucken, wenn ihre Werke online verbreitet werden.“ Erst kürzlich hätte sich der Landtag von Nordrhein-Westfalen mit den Stimmen der Regierungskoalition gegen die Einführung eines Upload-Filters für Internetplattformen ausgesprochen. Diese Entscheidung spiegelt auch die Meinung von André Kuper wieder. Beim Schutz des geistigen Eigentums sei der Einsatz von Upload-Filtern der falsche Weg: „Diese Kontrolle kann auch ohne Filter durchgeführt werden“, ist er überzeugt.

Es heißt immer, dass sich die Jugendlichen nicht genug engagieren. Wenn wir es doch tun, werden wir aber von Politikern verunglimpft oder als Boots abgetan. Ich fühle mich nicht berücksichtigt!

„Es ist wichtig, dass sich Jugendliche engagieren. Wir brauchen insgesamt in der gesamten Gesellschaft mehr Engagement für Politik und mehr Dialog“, so Kuper leicht ausweichend. Es seien aber Ausdauer und Anstrengung gefragt, um etwas zu bewirken: „Man darf nie den Mut verlieren und muss dicke Bretter bohren.“

In der CDU liegt das Durchschnittsalter bei 60 Jahren. Wird es nicht Zeit für eine Erneuerung?

„Jede Partei sollte den gesamten Querschnitt der Bevölkerung widerspiegeln – vom Alter aber auch von den Berufen“, findet André Kuper. Und nutzte die Frage, um mit einer Illusion aufzuräumen: „Keine Partei bildet zu 100 Prozent die eigenen Ideale ab. Man muss gucken, bei welcher man sich am meisten wiederfindet“.

Demokratie sollte im Unterricht anfangen: Passt unser Schulsystem Ihrer Meinung nach, um uns zu mündigen Bürgern heranzuziehen?

„Die Schule ist in der Lage, eine gute Grundlage für Demokratie zu schaffen. Ich weiß aber nicht, ob nicht auch noch Verbesserungen möglich sind“, räumt Kuper ein.

Politik ist kein Pflichtfach. Alles was ich weiß, habe ich mir selber angeeignet. Wie kann dann erwartet werden, dass ich mich in der Politik einbringe? Die Politik sollte sich stärker für Politik als Unterrichtsfach einsetzen.

Mit dieser Position war die junge Schülerin nicht alleine. In einer kurzen Abstimmung sprachen sich rund 90 Prozent der Schüler dafür aus, Politik zum Pflichtfach zu machen. „Ich werde dieses Votum mitnehmen und weitergeben“, verspricht der Landtagspräsident.

Trotz dieser Zusage blieben die Schüler auf dem Podium skeptisch, denn diesen Satz hätten sie bereits vor einiger Zeit von der Schulministerin zu hören bekommen. „Auch ich kann euch nicht versprechen, dass es ab dem nächsten Schuljahr doppelt so viele Stunden Politik gibt. Aber ich nehme eure Position mit“, betont Kuper.