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Umstrittenes Baugebiet: Marienberger fürchten um seltene Arten

Umstrittenes Baugebiet : Marienberger fürchten um seltene Arten

In den vergangenen Monaten war es still geworden um das umstrittene Baugebiet Mariental. Doch nun will die Stadt Übach-Palenberg im beschleunigten Verfahren einen Teil des Gebietes an der Marienstraße auf die Schiene setzen.

Sowohl im Ausschuss für Bauen, Stadtentwicklung und Ordnung als auch im Haupt- und Finanzausschuss fanden die Pläne eine breite Mehrheit.

Übach-Palenberg habe zurzeit einen, auch durch die Bezirksregierung Köln bestätigten, großen Bedarf bei der kurzfristigen Zurverfügungstellung von Grundstücken für Wohnraum, heißt es in der Begründung der Verwaltung. Täglich werde die Warte-Liste mit Bauwilligen länger. Grundstücke würden aber aktuell nicht zur Verfügung stehen. Daher befürchtet die Gemeinde, dass Bauwillige in die Nachbarkommunen abwandern.

Die geplant Fläche liegt gemäß Regionalplan bereits heute im allgemeinen Siedlungsbereich. Die Bezirksregierung hatte daher keine Bedenken geäußert, und da die geplante Grundfläche unter 10.000 Quadratmeter liegt und direkt an einen im Zusammenhang bebauten Ortsteil anschließt, sind die Voraussetzungen zum beschleunigten Verfahren erfüllt.

„Wir begrüßen es, dass in dieser tollen Lage in Nachbarschaft des Landschaftsschutzgebietes Mariental Bauland geschaffen wird“, erklärt Gerhard Gudduschat (CDU). „Die Grundstücke werden dringend benötigt.“ In Anbetracht der Notlage beim Wohnraum könne die SPD diesem Plan ebenfalls zustimmen, so Alf-Ingo Pickartz. Er regt allerdings Gestaltungsvorschriften für die sechs geplanten Grundstücke an. Für Johannes Bröhl (sachkundiger Bürger CDU) ist das Baugebiet nur die logische Konsequenz für die ebenfalls geplante Grünvernetzung zwischen Marienberg und Scherpenseel, mit der Grünflächen dauerhaft geschützt werden sollen: „Der Plan passt ins Gesamtkonzept.“ Allerdings regt er unter dem Gesichtspunkt des Klimaschutzes an, die Dachflächen so auszurichten, dass eine Solarnutzung möglich ist.

Ausgleichsflächen würden nach ein paar Jahren in Marienberg wieder verbaut, so ein Vorwurf der Initiative. Auch auf dieser Fläche soll bald gebaut werden. Foto: ZVA/Michèle-Cathrin Zeidler

Lediglich die Grünen sind gegen den Antrag. „Wir fürchten, dass das ursprüngliche Konzept zum Baugebiet im Mariental nun doch scheibenweise umgesetzt wird. Wir sind dagegen“, so Brigitte Appelrath. Ursprünglich sollte Marienberg stark verändert werden. Es waren 175 neue Grundstücke geplant.

Mit diesen Worten spricht Appelrath Norbert Bremen und Cornelia Kutz-Klabunde von der Bürgerinitiative Marienberg aus der Seele. „Die wollen hier alles schön zubauen, dabei grenzt das Gebiet unmittelbar an das Landschaftsschutzgebiet, die Grünluftschneise und die renaturierte Kiesgrube an“, ist Norbert Bremen sauer. „Der ursprüngliche Plan wird durch die Hintertür eingeleitet und in dem Anschnitt sogar noch vergrößert.“ Er ist Diplom-Biologe und fürchtet um die Artenvielfalt: „Eigentlich müsste die Fläche hier sogar ein Naturschutzgebiet werden. Stattdessen entstehen High-Potential-Villen.“ Direkt neben schützenswerten Arten würden glyphosatverseuchte Steingärten entstehen, so seine Befürchtung da es keine Festsetzungen für die Gestaltung der Gärten gibt. Dabei habe die Natur viele Bewohner einst nach Marienberg gezogen, so auch Cornelia Kutz-Klabunde. „Wir leben hier mitten im Grünen. Doch die Natur zieht sich immer mehr zurück.“ Die Initiative hatte sich 2016 gegründet und rund 2.000 Unterschriften gegen das neue Baugebiet gesammelt.

Eine Prüfung des Artenschutzes hatte im Februar 2018 insgesamt 24 geschützte Tierarten aufgelistet, die in dem ursprünglich geplanten Gebiet zu finden sind.  „Hier gibt es alleine sechs seltene Fledermausarten, und die mögen bekanntlich keinen Baulärm“, weiß Bremen. Einige Tiere hätten sich bereits zurückgezogen. „In diesem Jahr habe ich noch keinen Uhu gesehen, und auch die Feldlerche ist weg.“

Mit den geplanten neuen Grundstücken fürchtet die Initiative, dass die Tierwelt weiter zurückgedrängt wird.  „Wenn dann in ein paar Jahren das nächste Gutachten zum Artenschutz in Auftrag gegeben wird, werden einige Arten bereits verschwunden sein“, so Bremen. Im schlechtesten Fall würden dann bereits keine schutzwürdigen Arten mehr entdeckt. „Dann wäre der Weg für eine weitere Bebauung frei, und der ursprüngliche Plan könnte umgesetzt werden.“

Die Bürgerinitiative Marienberg erkennt zwar den Druck in der Verwaltung, mehr Bauland zu schaffen an, sieht aber noch andere, bessere Lösungen. „Es gibt viel freies Ackerland, und auch der Lückenschluss ist an einigen Stellen noch mögliche“, so Cornelia Kutz-Klabunde. Auch gebe es genügend leer stehende alte Gebäude in Marienberg. „Wo bleibt der dörfliche Charakter bei diesen Protz-Villen auf 600-Quadratmeter-Grundstücken?, will Norbert Bremen wissen. Auch seien in Marienberg immer wieder Ausgleichsflächen nach einigen Jahren neu bebaut wurden. So solle beispielsweise die Fläche am Lidl einer Kindertagesstätte weichen und die Fläche hinter dem Waubacher Weg werde nun ebenfalls bebaut: „Dadurch können die Tiere nicht mehr zwischen den Flächen des Marientals und des Wurmtals wandern.“ Die Initiative sieht sich betrogen. „Es kommt der CDU darauf an, möglichst viel Natur zu zerstören“, findet Bremen.

Über das Baugebiet wird in der kommenden Ratssitzung am Donnerstag um 18 Uhr entschieden.