Landgericht Darmstadt: Letztes Kapitel im Drogenprozess abgeschlossen

Drogenprozess Darmstadt : Abschlussverhandlung findet ein rasches Ende

Es kann auch schnell gehen am Landgericht im hessischen Darmstadt: Nach nur einem Verhandlungstag ist das Verfahren wegen Drogenhandels gegen einen 34 Jahre alten Niederländer aus Heerlen zu Ende gegangen. Der Mann muss für sieben Jahre und acht Monate ins Gefängnis, die Strafe darf er in seinem Heimatland absitzen.

Der Angeklagte ist das sechste Mitglied einer Bande, denen bandenmäßiger Drogenhandel in nicht geringer Menge vorgeworfen worden ist. Fünf andere Mitglieder der Gruppe, darunter eine 59-Jährige aus Übach-Palenberg und ihr fast 80 Jahre alter Ex-Freund, sind von einer anderen Kammer des Landgerichts bereits zu Haftstrafen zwischen zwei Jahren, ausgesetzt zur Bewährung, und zwölf Jahren Gefängnis verurteilt worden. Das Paar aus Übach-Palenberg war erst wenige Tage vor dem jetzt angeklagten Niederländer verurteilt worden.

Der nun vor Gericht stehende Heerlener und sein Verteidiger haben wenig Interesse an einem ausufernden Verfahren. Nicht nur, weil der Angeklagte bereits vor Prozessbeginn zugesichert bekommen hatte, seine zu erwartende Strafe in seiner niederländischen Heimat absitzen zu dürfen. Er stehe auch unter dem Eindruck dessen, welche Haftstrafe sein Bruder in Darmstadt erhalten habe, so der Verteidiger. Denn der Heerlener ist nicht der erste seiner Familie, der wegen Drogenhandels vor Gericht steht – sein Bruder ist jenes Mitglied der Bande, das zu zwölf Jahren Haft verurteilt worden ist. Er sei der Kopf der Truppe gewesen, für die unter anderem das Paar aus Übach-Palenberg sowie der jetzt angeklagte Heerlener tätig waren, so das Gericht in dem Verfahren.

Der 34-Jährige habe laut Staatsanwaltschaft insgesamt fast zehn Kilo Heroin in den Niederlanden besorgt und seinem Bruder sowie den anderen Bandenmitgliedern zur Verfügung gestellt. Ohne ihn hätte die Bande ihren „schwunghaften Handel“, wie es der Staatsanwalt nennt, nicht betreiben können, für den sie letztlich verurteilt worden ist.

Der Angeklagte war zwar vergangenes Jahr in seinem Heimatland festgenommen worden. Als Teil jener Bande, der zuvor in Darmstadt der Prozess gemacht worden war, musste aber auch er dort vor Gericht erscheinen. Seit der Heerlener im September 2018 wegen eines Auslieferungsantrags in ein hessisches Gefängnis überstellt worden war, wartete er auf seinen Prozess.

Die Aktenlage sei soweit zutreffend, sein Mandant räume die Vorwürfe „umfassend“ ein und werde „die Verantwortung übernehmen, die sich daraus ergibt“ äußert sich der Verteidiger des Heerleners bereits kurz nach Sitzungsbeginn. Dafür aber solle der 34-Jährige, der Vater eines kleinen Kindes ist, das er seit Beginn der Untersuchungshaft in Deutschland nicht mehr sehen konnte, mit einer Strafe von deutlich weniger als acht Jahren davonkommen. In einem Telefonat mit der Staatsanwaltschaft, bei dem der Verteidiger die Möglichkeiten für seinen Mandanten ausloten wollte, seien ihm acht Jahre genannt worden. „Da ist aber noch Luft nach unten“, findet der Anwalt. Komme man überein, spare das Gericht die weiteren, für dieses Verfahren noch angesetzten vier Termine, ergänzt er.

Obwohl sich Verteidigung und Staatsanwaltschaft nicht auf eine deutlich geringe Strafe einigen können, findet das Verfahren an diesem Tag ein Ende. Anhand von abgehörten Telefonaten sei deutlich geworden, dass der Bruder des Angeklagten sowie die bereits verurteilte Übach-Palenbergin deutlich mehr in das „Deutschland-Geschäft“ der Bande verstrickt waren als der Angeklagte, so dessen Verteidiger in seinem darauffolgenden Plädoyer.

Dem zwar in den Niederlanden unter anderem wegen Körperverletzungs- und Drogendelikten, aber nicht in Deutschland vorbestraften Heerlener könne ferner nicht nachgewiesen werden, dass er die fast zehn Kilo Heroin selbst über die Grenze nach Deutschland gebracht habe. Das könnten auch andere Bandenmitglieder erledigt haben. Es sei davon auszugehen, „dass er hauptsächlich in den Niederlanden gewirkt hat“, betont der Anwalt. Sein verurteilter Bruder habe das Geschäft in Deutschland „deutlicher geführt“. Die Strafe des Angeklagten solle daher sieben Jahre nicht überschreiten.

Die Staatsanwaltschaft hatte zuvor sieben Jahre und acht Monate Haft gefordert. Zugute käme dem Angeklagten, dass er mit seinem Geständnis „erheblich zur Beschleunigung des Verfahrens“ beigetragen habe und dass ihm – im Gegensatz zu den anderen Bandenmitgliedern – „lediglich“ zehn Kilo Heroin, nicht aber weitere Drogen wie Kokain und Amphetamine zugerechnet werden könnten. „Auch, wenn man anhand der Telefonüberwachung ahnen kann, dass da mehr dahintersteckte“, ergänzt der Staatsanwalt.

Das Gericht hält sich in seinem Urteil an die Forderung des Anklagevertreters: sieben Jahre und acht Monate Haft. „Egal, wieviel Sie davon in den Niederlanden absitzen, für einen jungen Mann ist das ganz schön viel“, so der Vorsitzende Richter.

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