Demokratiekurs kämpft für Badeshorts: „Jugend will einfach nur cool aussehen“

Demokratiekurs kämpft für Badeshorts : „Jugend will einfach nur cool aussehen“

In einer engen schwarzen Badehose spielt Pavou Vasilis mit seinen zwei kleinen Kindern im Nicht-Schwimmer-Becken des Ü-Bads. „Natürlich sind diese lockeren Badehosen moderner, aber sie sind eben nicht so hygienisch“, zeigt er Verständnis für die seit Jahren geltende Badeordnung in Übach-Palenberg.

Hätte er die Wahl, würde er allerdings lieber zu einer Badeshort greifen. „Aber im Wasser sieht man die Hose sowieso nicht. Ich mache mir da keine Gedanken mehr drüber“, sagt der Vater. Seine Kinder würden das Wasser genießen. Den typischen Schwimmbad-Geruch nach Chlor hätten sie dabei nicht in der Nase. „Die Wasserqualität ist super. Die Kleinen hatten noch nie rote Augen“, versichert der Übacher.

Nicht einverstanden ist hingegen der Demokratiekurs des Carolus-Magnus-Gymnasiums mit der aktuellen Badeordnung für Hallen- und Freibad. Die Jugendlichen haben einen Antrag gestellt, lockere Badeshorts im Ü-Bad wieder zu erlauben. Im jüngsten Haupt- und Finanzausschuss der Stadt wäre der Antrag fast ohne Diskussion durchgewunken worden. SPD und CDU zeigten sich begeistert von dem Engagement der Jugendlichen.

Wie die Mitarbeiter des Ü-Bads zu der Diskussion stehen, wurde in dem Ausschuss nicht thematisiert. Uwe Maass hat sich daher in dieser Woche mit einem offenen Brief an die Stadt Übach-Palenberg gewandt. Der geprüfte Meister für Bäderbetriebe arbeitet zwar nicht im Ü-Bad, kritisiert in seinem Schreiben aber massiv die Politiker. „Da schreiben Jugendliche einen aus ihrer Sicht vernünftigen Antrag und die Politiker sehen nur noch Wählerstimmen“, so sein Standpunkt. Acht Jahre habe die Regelung erfolgreich für eine bessere Wasserqualität gesorgt. „Es darf doch nicht wahr sein, dass man nur für eventuelle Erstwähler-Stimmen nun einen Schritt zurück macht.“

Auch habe das Personal des Schwimmbads, zu dem unter anderem seine Ehefrau zählt, erst durch die Presse von dem Antrag erfahren. Eine Rücksprache sei zunächst nicht erfolgt. „Die bestehende Regelung ist richtig“, erklärt der 57-Jährige. Badeshorts würden nicht nur zum Sprung ins kühle Nass getragen, sondern vielfach den ganzen Tag über. Außerdem werde weiterhin häufig eine Unterhose unter den Shorts getragen. „Das ist einfach nur unhygienisch“, betont Maass und macht auf ein Umsetzungsproblem beim Erlauben von Badeshorts aufmerksam. „Die Politiker sollen mir mal zeigen, wie man kontrolliert, ob eine Unterhose unter den Shorts versteckt ist. Dieser Blick in den Intimbereich gehört sich einfach nicht.“

Sehr über seinen Brief gefreut hat sich Jenny Wagner, Fachangestellte für Bäderbetriebe im Ü-Bad: „Ich hätte es nicht besser formulieren können.“ Die Angestellten seien aus mehreren Gründen auch weiterhin strikt gegen Badeshorts. „Wir wollen unsere gute Wasserqualität beibehalten“, sagt Jenny Wagner. „Mit Badeshorts gehen die Jungs auch im Wald spielen und springen dann einfach komplett so ins Wasser – da weiß man dann, in was für einer Brühe man schwimmt.“ Gerade für kleine Kinder sei dieser Mangel an Hygiene ungesund.  Bevor sie nach Übach-Palenberg kam, war Jenny Wagner in Alsdorf im Schwimmbad tätig. Dort habe es auch Überlegungen gegeben, Badeshorts zu verbieten. „Aber wir hatten leider nicht die Rückendeckung aus dem Rathaus“, so die Fachfrau. „Mit dem Ergebnis, dass ich nachmittags Müll aus dem Becken fischen durfte.“

Die männlichen Gäste im Ü-Bad haben Verständnis für die Vorschrift. Pavou Vasilis greift gerne zur engen Hose, wenn dafür die Wasserqualität stimmt. Foto: ZVA/Michèle-Cathrin Zeidler

Auch die Badegäste würden die Regelung akzeptieren und überwiegend sogar befürworten. „Erst vor 15 Minuten musste ich wieder einen Gast auf unsere Badeordnung hinweisen, aber die meisten zeigen Verständnis und machen Gebrauch von unserer kostenlosen Leih-Badehose“, verrät Jenny Wagner. Viele hätten sich vorher einfach keine Gedanken über die Hygiene gemacht.

Die Besucherzahlen seien seit der Einführung des Shorts-Verbots nicht rückläufig. „Vom Gefühl her sind es allerdings mehr Familien mit kleinen Kindern und weniger Jugendliche, die das Bad besuchen“, sagt Jenny Wagner. Dadurch herrsche in dem Bad eine entspanntere Atmosphäre: „Das wissen viele Besucher zu schätzen.“ Die Erfahrung habe gezeigt, dass Streitigkeiten im Schwimmbad häufig durch Jugendliche in Gruppen entstehen. „Das Publikum ist einfach besser, und wir brauchen im Ü-Bad dadurch keine Security wie in Merkstein und Gangelt“, ergänzt Uwe Maass.

Bei der nächsten Behandlung des Antrags im Fachausschuss wollen die Zwei teilnehmen. „Die Jugendlichen wollen doch einfach nur  cool aussehen, aber sie haben das nicht durchdacht“, sagt Jenny Wagner. Ihre Hoffnung daher: „Wenn sie eine Fachmeinung hören, verstehen sie das Verbot.“

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