Josef Fröschen will sein Amt im Seniorenverein Boscheln abgeben

Probleme beim Seniorenverein Boscheln : Wer wird der neue Vorsitzende?

Nach 23 Jahren als Vorsitzender im Seniorenverein Boscheln hat Josef Fröschen einen Entschluss gefasst: Jetzt ist Schluss. Nicht, weil die Freude an der Arbeit fehlt oder die Begeisterungsfähigkeit, sondern einfach, weil sich das Alter von 83 Jahren allmählich bemerkbar macht.

Der Posten wird also in absehbarer Zeit frei und die Frage „Was nun?“ liegt auf der Hand. Hinzu kommt, dass im Januar kommenden Jahres die Neuwahlen des Vorstandes bevorstehen. Fröschen sorgt sich um die Zukunft des Vereins, denn ein großer Teil der Vorstandsmitglieder ist mittlerweile über 80 Jahre alt und will sich allmählich aus dem Organisationsgeschäft zurückziehen. In seinem Brief an die Mitglieder des Seniorenvereins ruft er daher eindringlich dazu auf, neue Mitglieder im Vorstand einzubinden.

Ohne Internet geht es nicht

„Das größte Problem für die meisten ist, dass viele organisatorischen Sachen heutzutage über das Internet geregelt werden“, sagt Fröschen. Die Planung der Reise nach Maastricht? Via E-Mail. Die Getränke-Bestellungen für das Grillfest in Eschweiler? Via E-Mail. Er habe Enkel, die ihm bei Fragen helfen könnten, viele ältere Menschen hätten aber weniger bis gar keinen Bezug zur Organisation, die größtenteils nur online abläuft.

Zum Seniorenverein kam Fröschen „wie die Jungfrau zum Kinde“. Der damals als Schmied arbeitende Fröschen wurde beim Eintritt in den Ruhestand von einem Kollegen gefragt, ob er nicht Mitglied werden wolle. Ein Jahr später übernahm Fröschen den Vorsitz. Organisationserfahrung hatte er schon, denn er war zum Beispiel auch für vier Jahre Vorsitzender des Bundes deutscher katholischer Jugend (BDKJ).

,Nein’ sagen keine Option

Den Posten des Vorsitzenden beim BDKJ zu übernehmen, war eine wichtige Entscheidung, denn Fröschen war nicht nur hier aktiv. „Ich habe selten die Kraft, ,Nein‘ zu sagen, ich habe einfach gehofft, dass der Herrgott mir die Kraft gibt, das zu schaffen“, sagt er heute. Und es klappte. Auch später beim Seniorenverein. „Sicher konnte ich bis dahin schon Vereine organisieren, aber einen Seniorenverein? Die Kollegen haben mir damals geholfen, Laufen zu lernen“, sagt Fröschen und erinnert sich an seine ersten Jahre als Vorsitzender des Seniorenvereins.

Bei all den Verpflichtungen und Veranstaltungen gibt es aber auch einen Moment, in dem Fröschen entspannen und sich wortwörtlich zurücklehnen kann. „Wenn ich auf Reisen unterwegs bin, die ich nicht selbst organisiert habe, genieße ich das sehr. Dann lese ich die Zeitung und lasse den Herren einen guten Mann sein“, sagt er. Neben all seiner Energie und Freude, die er in das aktive Vereinsleben steckt, fasziniert ihn aber auch immer noch die Wettervorhersage. Eine kleine Wetterstation und eine selbstgeschmiedete Sonnenuhr in seinem Garten sind Zierde und Hobby zugleich. Und als die Temperaturen vor wenigen Wochen über die 40-Grad-Marke krabbelten, konnte Fröschen einem weiteren Hobby nachgehen: die Tour-de-France verfolgen.

Wenn er an all die erfüllten Jahre im Verein zurückdenkt, fehlen ihm regelrecht die Worte. Es ist eine Mischung aus zufriedenen Gesichtern, Dankbarkeit, dem Zusammensein bei geselligen Grillfesten und Hilfe, die gegeben und angenommen wurde und wird, die das Vereinsleben für ihn so wertvoll macht. Vor allem die gemeinsamen Reisen sind ihm in Erinnerung geblieben. Auch wenn die sein Organisationstalent manchmal ordentlich forderten: Die Busse, mit denen es losgehen sollte, seien teilweise überbucht gewesen, aber es habe sich immer eine Lösung gefunden. Sei es, dass ein Teilnehmer noch erkrankt sei oder dass andere angeboten hatten, mit dem eigenen Auto anzureisen.

Die meisten sind ortsgebunden

Schlaflose Nächte habe ihm die Planung aber nie gebracht. „Die habe ich selten, aber ich kann mich gut über Dinge ärgern“, sagt Fröschen und lacht. Zum Beispiel darüber, dass es kaum noch Räume gibt, in denen sich der Verein treffen kann. Zurzeit versammeln sie sich im Heim der Arbeiterwohlfahrt, aber das ginge nur im Sommer. Im Winter müsse eine andere Lösung her. Gaststätten wie das „Altertümchen“, die mangels Nachbesetzung geschlossen werden mussten, gebe es immer weniger und so auch weniger Treffpunkte vor Ort, zu denen die meist nicht mehr so mobilen Mitglieder kommen könnten.

Denn Ortsgebundenheit ist bei den meisten Senioren ein großes und wichtiges Thema. Auch Fröschen wollte nicht aus Übach-Palenberg weg. Auch nicht, als ihm vor ein paar Jahrzehnten ein attraktives Jobangebot gemacht wurde. „Ich hatte tausend Ausreden, das Angebot nicht anzunehmen, denn ich wollte hier nicht weg. Ich bin hier zu Hause“.

Neben all der Vereinsarbeit ist Fröschen zudem seit Jahrzehnten politisch aktiv. Auch wenn er in Zukunft Verantwortung abgeben möchte und für den Stadtrat nach der laufenden Legislaturperiode nicht mehr kandidieren will, weiß er: „Ab und an brennt auch Feuer in mir.“ Wenn zum Beispiel in der Politik etwas anders läuft, als er sich das vorstelle. Dann könne er nicht ruhig zusehen.

Auch die Nachbesetzungsschwierigkeiten im Seniorenverein lassen in nicht in Ruhe. Sein Rücktritt als Vorsitzender steht fest, sein Nachfolger oder seine Nachfolgerin muss noch gefunden werden.

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