Heiner Buschmann aus Übach-Palenberg über die Grippeimpfung

Impfquote könnte besser sein : Schon gegen die Grippe geimpft?

Der Herbst ist da, der Winter naht mit großen Schritten und damit auch die Grippezeit. Spätestens, wenn der erste Kollege schniefend und hustend am Schreibtisch gegenüber sitzt, drängt sich wieder die Frage auf: Sollte ich mich gegen Grippe impfen lassen?

Die Grippewelle 2017/2018 war nach Angaben des  Robert-Koch-Instituts für schätzungsweise 25.100 Tote verantwortlich - das war die höchste Zahl an Todesfällen durch Influenza in den vergangenen 30 Jahren. Gleichzeitig sinken die Impfquoten bei Grippe deutschlandweit. Sogar bei Risikogruppen wie älteren Menschen sind sie viel zu niedrig. Ließ sich im Jahr 2008 noch etwa jeder dritte Bundesbürger impfen, war es 2018 lediglich jeder fünfte.

 Impfmuffel nehmen zu

„Generell lassen sich immer weniger Menschen impfen, das betrifft nicht nur die Grippeimpfung“, weiß Dr. Heiner Buschmann, Allgemeinmediziner mit einer eigenen Praxis in Übach-Palenberg. Dabei würden in Deutschland durch alle Impfungen  rund drei Millionen Menschen vor dem Tod bewahrt: „Wären die Impfquoten besser, könnten wir zwei Millionen Menschen zusätzlich retten. Impfmuffel gefährden die globale Gesundheit.“

Für die Influenzaimpfung strebt das Robert-Koch-Institut und die Europäische Union eine Impfquote von 75 Prozent an. „Aktuell sind wir nur bei 40 Prozent, daran muss dringend gearbeitet werden“, sagt der Arzt, der pro Grippesaison rund 600 Impfungen verabreicht. Damit erreiche er in seiner Praxis eine Impfquote von 80 Prozent.

„Eine Impfung bietet den besten und einzigen Schutz gegen eine Grippe“, betont Buschmann. Seiner Einschätzung nach sei die Aufklärung zu Grippe noch nicht ausreichend. „Es wird oft vergessen, dass es sich bei der Grippe um eine potenziell tödliche Krankheit handelt“, betont der Mediziner. Zudem könnten Grippeviren schwere Erkrankungen wie eine Lungen- oder Herzmuskelentzündung auslösen.

Dr. Heiner Buschmann verabreicht in seiner Praxis in Übach-Palenberg pro Grippesaison 600 Influenzaimpfung. Foto: ZVA/Michèle-Cathrin Zeidler

Warum sich viele nicht gegen Grippe impfen lassen, hängt oftmals mit einigen Irrtümern zusammen, die sich hartnäckig halten. Weit verbreitet ist die Annahme, gegen Grippeviren müsse man sich nicht jedes Jahr impfen lassen. „Das ist falsch. Eine jährliche Impfung ist wichtig“, stellt Buschmann klar.

Die Virenstämme würden sich ständig verändern. Daher werde jedes Jahr ein neuer Grippeimpfstoff auf Basis der Grippe aus dem Vorjahr entwickelt: „Unter optimalen Rahmenbedingungen hält der Impfschutz sechs Monate, meist sind es aber nur drei bis vier Monate.“

Krank durch die Impfung?

Bei der Impfung werden Bruchstücke abgetöteter Influenzaviren gespritzt. Gegen sie baut das Immunsystem Antikörper auf. Einige Patienten befürchten daher, dass eine Influenzaimpfung eine Grippe auslösen kann. „Eine Impfung kann keine Grippe auslösen“, räumt Buschmann mit einem weiteren Irrtum auf.  „Manchmal kommt es um die Einstichstelle zu Hautrötungen oder Schwellungen.“ Bei einigen Menschen komme es zudem zu leichten grippeähnlichen Symptomen wie Abgeschlagen, Gliederschmerzen und leichtem Fieber. In der Regel sei die Impfung aber gut verträglich: „Jeder Körper reagiert anders. Ich merke von der Impfung zum Beispiel gar nichts.“

Anders als bei einer Erkältung setzten die Symptome einer Grippe schlagartig ein. „Patienten können teilweise die genaue Uhrzeit angeben“, berichtet Buschmann. „Sie klagen über starke Glieder- und Kopfschmerzen, hohes Fieber von bis zu über 40 Grad, einen starken Hustenreiz sowie Ohrenschmerzen.“ Bei Kindern könne sich eine Grippe außerdem als Magen-Darm-Infekt darstellen: „Eine Erkältung ist hingegen schleichend und man fühlt sich meist nicht so krank.“ Eine Erkältung werde zudem von Batterien und nicht von Viren ausgelöst. „Bis sich das Immunsystem von einer starken Grippe erholt hat, kann es bis zu einem halben Jahr dauern“, erzählt der Mediziner. In diesem Zeitraum würden die Patienten über Abgeschlagenheit klagen: „Die Akut-Situation dauert bei einer Grippe sieben bis zehn Tage.“

Während Grippezeit wird es in der Übach-Palenberger Praxis deutlich voller. Normalerweise wollen sich täglich rund 30 Patienten untersuchen lassen, zur Grippezeit können es doppelt so viele werden. „In Deutschland gibt es in Summe vier Millionen Arztbesuche mehr in der Grippesaison“, zeigt Buschmann die Dimensionen auf.

Ideal ist es, sich im Herbst gegen Grippe impfen zu lassen: „Der Körper braucht zwei Wochen, einen vollständigen Schutz gegen die Influenzavieren zu entwickeln.“ Von zu frühen Impfungen hält der Mediziner wenig. „Ich impfe erst ab Ende Oktober/ Anfang November, schließlich soll der Schutz auch die ganze Grippesaison über bestehen“, so Buschmann. Traditionell beginne die Grippewelle hierzulande um Weihnachten  und den Jahreswechsel und hält bis Karneval an. Aber auch zum Start und während einer Grippewelle kann sich eine Impfung noch lohnen. Mitunter folgt auf eine erste noch eine zweite Grippewelle.

Beliebt ist auch die Ausrede: Ich bin zu jung für eine Grippeimpfung. „Vor allem Menschen ab 60 Jahren sollten sich impfen lassen, aber auch Schwangere und chronisch Kranke“, meint der Hausarzt. „Sinnvoll ist es auch für alle, die häufig Kontakt zu anderen Menschen haben.“ Für ihn gibt es dabei keine Altersgrenze: „Eigentlich sollte sich jeder gegen Grippe impfen lassen.“ Er rät daher jedem seiner Patienten zu dem kurzen Piks.

Die Grippe ist sehr ansteckend. Beim Husten, Niesen oder Sprechen gelangen kleinste, virushaltige Tröpfchen des Nasen-Rachen-Sekrets von Erkrankten in die Luft. „Die Viren fliegen mit bis zu 180 km/h durch die Luft. Sie sind überall“, erklärt Buschmann. „Man sollte in der Grippezeit daher nicht jedem die Hand schütteln.“  Außerdem rät er:  regelmäßig die Hände waschen oder deifizieren, mit den Händen nicht ins Gesicht fassen und Menschenansammlungen meiden.

Ingwer für das Immunsystem

Eine Erkältung kann eine Grippeimpfung nicht verhindern. Sollte man am Morgen ein leichtes Unwohlsein feststellen, rät der Arzt zu Bewegung an der frischen Luft, leichtem Sport oder einem Besuch in der Sauna: „Das stärkt ebenfalls das Immunsystem.“  Kommt aber Fieber ab 37 Grad hinzu braucht der Körper Ruhe. Damit Dr Heiner Buschmann für seine Patienten fit bleibt, schwört er auf heißen Tee mit frischem Ingwer und Zitrone. „Der frische Ingwer ist ebenfalls immunstimulierend“, verrät der Mediziner sein Geheimnis.

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