1. Lokales
  2. Geilenkirchen
  3. Übach-Palenberg

Unser Dorf: Frelenberg, der Ort mit dem Esel

Unser Dorf : Frelenberg, der Ort mit dem Esel

Fast ist es einfacher aufzuzählen, was es in Frelenberg nicht gibt. Der Ort im Norden Übach-Palenbergs hat viel zu bieten: von tiefem Wasser bis zu steilen Bergen. Und natürlich das Ortssymbol: Den Esel.

„Frelenberg ist mehr als nur die Geilenkirchener Straße“, stellt Marcel Derichs, gebürtiger Frelenberger und Vorsitzender der KG Frelenberger Esel, klar. So mancher Autofahrer könnte den Ort auf diese Straße reduziert haben, wenn er zwischen Geilenkirchen und Übach-Palenberg pendelt. Dann nämlich fährt man unter Umständen nach Frelenberg rein, die Geilenkirchener Straße entlang und verlässt den Stadtteil auch schon wieder.

Wenn man aber nicht durchrast, sondern rechts und links von dieser Durchgangsstraße die Straßen erkundet, erkennt man die Fülle Frelenbergs. Mit 3079 Einwohnern ist der Ort schließlich gar nicht so klein. Und auch dass Frelenberg tatsächlich einen Berg hat, wird schnell bewusst, wenn man durch die Straßen spaziert.

„Wir haben hier eigentlich alles“, fasst Derichs die Beschreibung seines Heimatortes zusammen. Infrastrukturell ist Frelenberg gut ausgestattet – von zwei Kindergärten und einer Grundschule über einen Arzt, Apotheken bis hin zu Friseuren, einer Metzgerei, Kiosken und einer Gaststätte. Auch einige Vereine gibt es in dem großen Dorf – von Brauchtumsvereinen einerseits, etwa die St.-Dionysius-Schützenbruderschaft oder die KG Frelenberger Esel, bis zum Sportverein andererseits. Der TUS 09 Rot-Weiß Frelenberg bietet mit Fußball, Taekwondo und Turnen ein breites sportliches Spektrum an.

 Die Frelenberger Quelle ist an der Geilenkirchener Straße zu sehen.
Die Frelenberger Quelle ist an der Geilenkirchener Straße zu sehen. Foto: MHA/Benjamin Wirtz

„Frelenberg hat sogar eine Mühle – das weiß kaum einer“, sagt Derichs. Die Mühle ist allerdings seit den 1940er Jahren stillgelegt. Zu sehen gibt es nur noch ein nicht mehr ganz heiles Fachwerkhaus, das man vom Wanderweg an der Wurm erblicken kann. Nicht nur dort bietet sich Frelenberg zum Spazierengehen an: Es gibt Wasser und Berge. „Frelenberg liegt mittendrin und ist trotzdem grün. Es liegt zentral und dennoch ist man auf’m Dorf“, bringt Derichs die Gegensätze auf den Punkt. An der Wurm führen Wege im Grünen entlang. Geht man durch die Straßen, kann man die Sehenswürdigkeiten des Ortes entdecken: das Kriegerdenkmal, das Eseldenkmal, die Frelenberger Quelle und natürlich die alte katholische Pfarrkirche aus dem 15. Jahrhundert, die heute die Friedhofskapelle ist.

 In Frelenberg an der Wurm lässt es sich schön Spazierengehen. Von der Mühle (rechts im Bild) ist nur noch ein nicht mehr heiles Fachwerkhaus zu sehen.
In Frelenberg an der Wurm lässt es sich schön Spazierengehen. Von der Mühle (rechts im Bild) ist nur noch ein nicht mehr heiles Fachwerkhaus zu sehen. Foto: MHA/Benjamin Wirtz

Zu letzterer gibt es eine Sage, die auch erklärt, warum es in Frelenberg ein Eseldenkmal gibt. Der Gemeinderat von Frelenberg konnte sich einst nicht einigen, wohin die Kirche gebaut werden soll. Man entschied, einem Esel einen Sack aufzuladen. Wo er ihn abwirft, da solle die Kirche gebaut werden. Der Esel stieg daraufhin den steilen Hügel hinauf und warf sich oben angekommen nieder. Und dorthin bauten die Frelenberger ihre Kirche.

Diese Sage prägt den Ort in mehrerer Hinsicht. So sind danach nicht nur der Karnevalsverein und die Dorfkneipe benannt, man hat ihr 1994 auch ein Denkmal gewidmet. Es zeigt den Esel mit Sack, dem die Obrigkeit folgt, beobachtet von einer Bäuerin. Es befindet sich den Hügel hinab vor der neuen katholischen Kirche, die in den 1950er Jahren gebaut wurde. Für die steigende Einwohnerzahl war die Kapelle am Friedhof zu klein geworden.

 Marcel Derichs, gebürtiger Frelenberger und Vorsitzender der KG Frelenberger Esel, an dem Esel-Denkmal in Frelenberg.
Marcel Derichs, gebürtiger Frelenberger und Vorsitzender der KG Frelenberger Esel, an dem Esel-Denkmal in Frelenberg. Foto: MHA/Benjamin Wirtz

Das einzige, das dem Ort fehlt, ist ein Supermarkt. Bislang müssen die Frelenberger für den Großeinkauf nach Geilenkirchen oder Palenberg fahren. Seit einigen Jahren ist allerdings eine Norma-Filiale an der Geilenkirchener Straße geplant. Das Verfahren zieht sich aber bereits so lange hin, dass so mancher Bürger die Hoffnung aufgegeben hatte, dass sie kommt. Jetzt geht das Genehmigungsverfahren seinem Ende entgegen, bald soll Baubeginn sein. Im Laufe des Winters könnte die Filiale bereits stehen. Und wenn der Supermarkt da ist, „dann hat man eigentlich keinen Grund mehr, Frelenberg zu verlassen“, scherzt Derichs.

Was Frelenberg vor allem auszeichnet, ist die Gemeinschaft und die Solidarität, findet Derichs. Bewiesen haben das die Einwohner im vergangenen Jahr, als im Juli bei dem Jahrtausendhochwasser die Wurm über die Ufer trat und Straßen und Häuser überflutete. Ansässige Bau- und Gartenbetriebe kamen mit ihren Baggern zur Hilfe, befreiten unter anderem den Sportplatz vom Schlamm. Auch die Bewohner, die nicht betroffen waren, unterstützten diejenigen, die die Wassermassen getroffen hatten.

 Nach dem starken Hochwasser im Juli 2021, das auch Teile von Frelenberg unter Wasser setzte, war die Solidarität im Dorf groß.
Nach dem starken Hochwasser im Juli 2021, das auch Teile von Frelenberg unter Wasser setzte, war die Solidarität im Dorf groß. Foto: privat

Doch lieber als bei solchen außergewöhnlichen Notsituationen trifft sich das Dorf bei Festen und Veranstaltungen. „Wenn etwas zu feiern ist, trifft man das ganze Dorf“, sagt Derichs. Die nächsten Jahre werden zeigen, ob das so bleibt. Denn wie überall vollzieht sich auch in Frelenberg momentan ein Generationenwechsel. Das Dorf verjüngt sich, es kommen Zugezogene hinzu, die manchmal etwas Zeit brauchen, um den Weg in die Dorfgemeinschaft zu finden. Doch dass die Gemeinschaft in Frelenberg bleibt, daran hat Derichs nicht den geringsten Zweifel.