Tschüss grüne Tafel, hallo Zukunft: Carolus-Magnus-Gymnasium wird für zehn Millionen saniert

Tschüss grüne Tafel, hallo Zukunft : Carolus-Magnus-Gymnasium wird für zehn Millionen saniert

Im Winter zieht es durch die Ritzen der schlecht schließenden Fenster, im Sommer knallt die Sonne auf die Südwestfassade und lässt die Schüler des Carolus-Magnus-Gymnasiums in Übach-Palenberg auf ihren Sitzen schwitzen. Ein Sonnenschutz fehlt und viele der milchig-blinden Fenster lassen sich auch nur teilweise oder gar nicht öffnen.

„Im zweiten Stock ist es im Sommer locker fünf Grad wärmer. Mit jeder Stufe die Treppe hoch kommt man mehr ins Schwitzen“, weiß auch Schulleiter Hans Münstermann. Die Schule wurde 1965 erbaut. „Seither gab es nur kleine Maßnahmen. Die Schule ist ein provisorisches Flickwerk“, sagt der Lehrer. „In jedem Raum sehe ich Kabel-Chaos von den Decken hängen.“

Doch nun soll das Gymnasium fit für die Zukunft gemacht werden. Die Planung wurde im jüngsten Ausschuss für Bauen, Stadtentwicklung und Ordnung vorgestellt und wohlwollend zur Kenntnis genommen. Ziel der Baumaßnahme ist eine energetische Ertüchtigung der Fassade des südwestlichen Gebäudetrakts und eine Sanierung der naturwissenschaftlichen Unterrichtsräume. Die Teilmaßnahme Fassadensanierung wird durch das Förderprogramm „Gute Schule 2020“ gefördert. Unter Berücksichtigung der Gesamtheit der Modernisierungs- und deren notwendigen Begleitmaßnahmen beläuft sich die Kostenberechnung derzeit auf 10,3 Millionen Euro.

So sieht der Chemieraum nach der Sanierung nicht mehr aus: Schulleiter Hans Münstermann freut sich auf eine moderne Ausstattung und eine Klimaanlage. Foto: ZVA/Michèle-Cathrin Zeidler

„Bisher sind die Unterrichtsräume für Chemie, Biologie, Physik und Informatik quer im gesamten Gebäude verstreut“, erzählt der Schulleiter. Da die Chemikalien nicht mehrfach am Tag durch die gesamte Schule und die Schülerschaft getragen werde könnten, gebe es aktuell nur ein Chemielabor: „Die Übergänge zwischen den Fächern sind fließend, es macht daher einfach Sinn, sie in einem naturwissenschaftlichen Trakt zu bündeln.“

Auch die Konstruktionen an den Decken sind eher provisorisch. Erst kürzlich fiel ein Beamer herunter. Foto: ZVA/Michèle-Cathrin Zeidler

Viel Gedanken haben sich die Planer auch über die Raumkühlung gemacht: Es ist eine Lüftungsanlage mit Nachtauskühlung, also mit einer natürlichen Zuluft und mechanischen Abluft geplant. Die Untersuchung zeigte weiterhin, dass dies für die Kühlung der PC-Räume, des Chemielabors und der Chemieübung aufgrund der erhöhten Wärmelasten nicht ausreicht. Daher soll es in diesen Räumen zusätzlich eine Klimatisierung geben. Weiterhin ist ein Sonnenschutz an der Fassade vorgesehen.

Aktuell seien einige Räume der Schule außerdem zu klein und andere wiederum zu groß - auch die Raumplanung soll sich daher im Zuge der Sanierung ändern. „Ziel ist es, eine gute Raumgröße für 32 Schüler pro Klasse zu haben und genügend Räume für G9“, so der Schulleiter. Auch sollen die neuen Räume alle mit WLAN ausgestattet werden und moderne Präsentationsmedien besitzen. „Die klassische grüne Tafel wird nach der Sanierung nicht mehr existieren“, freut sich Hans Münstermann. Seine bevorzugte Lösung sieht vor, dass alle Lehrer zukünftig einen Rechner haben und das Unterrichtsmaterial den Schülern auf ihr Tablet schicken. „Wir sind gegen interaktive Tafeln“, stellt Münstermann klar. Er will lieber schülerzentriert mit Tablets arbeiten.  „Noch ist das viel Traumwelt, aber wir arbeiten daran“, erzählt der Pädagoge. „Ob wir diesen Weg gehen können, wird sich in den nächsten sechs bis acht Monaten zeigen.“

Kabelsalat neben der Tafel: Ein alter Karton schützt die Technik  vor Wasser beim Abwischen der Tafel. Foto: ZVA/Michèle-Cathrin Zeidler

Bis die 900 Schüler sich jedoch über die sanierten Räume freuen können, wird es noch dauern. In der zweiten Woche der Winterferien soll der Umzug in die Containerschule erfolgen, die Bauarbeiten sollen neun bis zwölf Monate dauern. „Die Ausstattung in der Containerschule passt soweit. Darin kann vernünftiger Unterricht erfolgen“, so Hans Münstermann. „Ich bin glücklich, dass wir während der Sanierung nicht im Haus sind.“ Auch gebe es aktuell in der Schule deutlich kleinere Räume. „Das sind auch keine einfachen Blechdosen. Die sind isoliert“, räumt er mit Vorurteilen auf. Natürlich werde es aber Tage geben, an denen die Schule über die Zwischenlösung schimpfen werde. „Aber da müssen wir dann mal die Zähne zusammenbeißen und uns behelfen“, findet der Schulleiter. Die Aussicht auf eine moderne Schule sei dies wert.

Mit der nun geplanten Sanierung sind aber noch nicht alle Mängel der Schule behoben. Mehr könne die Stadt aber aktuell nicht stemmen, so die Verwaltung im Ausschuss für Bauen, Stadtentwicklung und Ordnung. „Die restlichen Fassaden werden folgen, aber dann werden wir die Arbeiten in die Sommerferien legen“, so Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch.

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