Neues Natur-Theater: Auf eine Zeitreise ins Jahr 1886 begeben

Neues Natur-Theater : Auf eine Zeitreise ins Jahr 1886 begeben

Am 19. Februar 1886 starb Karl Edmung Hubert von Eynatten, Freiherr von Eynatten, auf Burg Trips im Alter von 79 Jahren. Die Beisetzung hatte damals große Anteilnahme ausgelöst. Selbst der Kaiser hatte ein Beileidstelegramm gesandt.

Der gesamte Adel der Region machte der hinterbliebenen Familie auf der Burg seine Aufwartung. Vereine und Bevölkerung stellten einen Trauerzug auf die Beine, wie ihn das Wurmtal noch nicht gesehen hatte. An dieses Ereignis wollen die beiden Gästeführerinnen und Naturschauspielerinnen Berti Davids-Heinrichs und Therese Wasch nun anknüpfen und laden zu einer Zeitreise zurück in das Todesjahr des Freiherrn von Eynatten ein.

„Adelsflüstereien – Hinter vorgehaltener Hand plaudern Zofe und Mamsell aus dem Nähkästchen“ heißt ihr neues Natur-Theater, mit dem sie, wie schon bei ihrem ersten gemeinsamen Projekt „Hebammenflucht und Hexenbrand“, Geschichte an historischen Orten erlebbar machen wollen.

Zu 100 Prozent realitätsnah sind die Geschichten, die Zofe Franziska von Eynatten (Berti Davids-Heinrichs) und ihre Mamsell Amalia (Therese Wasch) ihren Gästen auf Burg Trips erzählen werden. Schließlich haben beide die Trauerfeier zu Ehren des verstorbenen Freiherrn ja noch in guter Erinnerung. All die kleinen Geschichten und Techtelmechtel am Rande des traurigen Ereignisses sind tatsächlich geschehen oder zumindest gut erfunden.

Der Park der Burg Trips wird in das Natur-Theater einbezogen werden. Foto: defi

Berti Davids-Heinrichs lebt derzeit schon in ihrer Rolle als Zofe und auch Therese Wasche geht voll in ihrem Part der Mamsell auf. Seit November 2018 haben die beiden Gästeführerinnen des Vereins Westblicke, die über eine Zusatzausbildung als Naturschauspielerinnen verfügen, an ihrem neuen Natur-Theater gearbeitet. Sie haben historisches Material gesammelt, im Heimatkalender einen interessanten Bericht über die Trauerfeier studiert, und sie haben auch einiges hinzu gesponnen.

Erdacht ist beispielsweise die Liebschaft der Mamsell mit einem französischen Stallknecht vom benachbarten Schloss Leerodt. Frankreich galt damals noch als Erzfeind der Deutschen. Die gestrenge Zofe Franziska von Eynatten hatte daher keine Freude an der Liebschaft ihrer Mamsell mit einem Franzosen und hätte diese gerne unterbunden. Doch konnte die Mamsell mit dem Zeigefinger ihre Zofe in Schach halten, denn techtelmechtelte diese doch selber mit einem der zur Beisetzung erschienenen Blaublüter.

Aufführungsorte der „Adelsflüstereien“ sind neben dem wuchtigen Turm des Haupthauses mit seinen noch unrestaurierten und daher umso stimmungsvolleren Räumen und Fluren auch schöne Plätze im wasserumschlossenen Park. So werden die Teilnehmer dieser etwas anderen Gästeführung das kleine Bootshaus mit der rot-weißen Tür aufsuchen. Dort traf sich einst, so will es die Fantasie der beiden Gästeführerinnen, die Zofe mit ihrem Liebhaber.

Welcher der zwölf zur Trauerfeier erschienenen Adligen aber der Liebste war, wollen Berti Davids-Heinrichs und Therese Wasch noch nicht verraten. Der von Leerodt vielleicht, da hätte man es nicht so weit gehabt? „Nein“, sagt Berti Davids-Heinrichs, „der stand viel zu hoch.“ Franziska von Eynatten war als Nichte des Freiherrn doch nur als Zofe auf der Burg angestellt. Wie einst die hohen Herrschaften werden die Teilnehmer der Führung das Herrenhaus über die alte Brücke betreten.

Mamsell Amalia wird ihnen mit dem großen Torschlüssel die Hauptpforte aufsperren. Dann wird man im Innenhof des mächtigen Turmgemäuers stehen und über eine weitere Treppe das Herrenhaus  betreten. Im großen Saal werden zwölf Stühle leer bleiben. Sie sind für die Herrschaften reserviert, die Zofe Franziska von Eynatten vorstellen wird. Und dann wird die honorige Trauergesellschaft des Jahres 1886 wieder lebendig werden, zumindest in der Fantasie der Zuhörer.

Die Gäste werden derweil natürlich nicht stehen müssen. Für sie sind Stühle am Kopf des Saales reserviert. Berti Davis-Heinrichs und Therese Wasch haben nicht nur ihrem Stück größte Aufmerksamkeit gewidmet, sondern auch ihrer Kleidung. Was nicht im Original etwa beim Flohmarktbesuch im belgischen Tongeren zu bekommen war, wurde nach historischen Vorlagen neu angefertigt. Ganz der Rolle der Grand Dame entsprechend reicht Zofe Franzisak von Eynatten die behandschuhte Hand zum Handkuss, bevor der Gast das ehrwürdige Gemäuer verlässt. Am Pfingstmontag um 14 Uhr werden Mamsell Amalia und Zofe Franziska von Eynatten die ersten offiziellen Gäste auf der Burg Trips zu den „Adelsflüstereien“ empfangen.

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