Alexander Kowalewski aus Übach-Palenberg feiert 100. Geburtstag

100. Geburtstag : Als Baby im Korb vor dem Backofen überlebt

„Für die Jugend möchte ich als Mahnmal dienen“, sagt Alexander Kowalewski und erklärt: „Ich habe nie geraucht, kaum Alkohol getrunken, nur ab und zu ein Gläschen Wein – und deshalb bin ich so alt geworden.“ Am Samstag vollendet er sein 100. Lebensjahr.

Zur Welt kam der Jubilar am 7. September 1919 in Essen, zog jedoch bald mit der Familie nach Merkstein. Er hatte sechs Geschwister und einen Zwillingsbruder, doch dieser starb direkt nach der Geburt. Für Alexander habe auch schon ein Sarg da gestanden, habe ihm seine Mutter erzählt, denn man nahm an, er sterbe auch, da er äußerst schwach war. „Meine Mutter hat mich aber direkt mit nach Hause genommen und im Körbchen auf die Klappe vor den Backofen gestellt, es gab ja keine Heizung. Die Wärme tat mir gut – und jetzt bin ich bald hundert“, freut sich der Senior.

Alexanders Vater war Glasermeister und Bildereinrahmer, und nach der Schule erlernte auch er in dessen Glasschleiferei diese Berufe. Später, vor und nach dem Krieg, arbeitete er insgesamt 25 Jahre bis zur Rente bei den Glaswerken in Herzogenrath.

Aus Kriegszeiten erinnert sich der Jubilar, dass man ihn bestürmte, in Hitlers Partei einzutreten. „Man wurde fast gezwungen, doch ich wollte zum Teufel nicht“, bekräftigt er und schildert, er habe sich eines Tricks bedient, indem er Kontakt zur Kirche hielt als Messdiener und Kollekten-Sammler. „Die Kirche war stärker als die Partei, daher bin ich darum herumgekommen!“, verkündet er stolz.

Während des Krieges arbeitete Alexander Kowalewski zeitweise bei den Junkers Flugzeugwerken in Magdeburg. Der betagte Herr weiß noch gut: „Ich saß 1944 schon in einem Viehtransport an die Front, doch zum Glück holten mich deutsche Soldaten da raus und steckten mich in die Flugzeugfabrik!“ Später floh er von dort und kam nach dem Krieg für einige Wochen in amerikanische Kriegsgefangenschaft nach Lüttich, an die er jedoch „nur positive Erinnerungen“ hat.

Seine große Liebe Elisabeth heiratete er 1950 und lebte mit ihr in Merkstein. Die Töchter Helga und Hannelore, heute in Merkstein und Dormagen zu Hause, krönten ihre glückliche Ehe. Leider starb Gattin Elisabeth 2010, und seit 2011 lebt Alexander Kowalewski im Übacher „AWO Carolus Seniorenheim“, Carlstraße 2. „Es gefällt mir gut hier, und das Essen schmeckt!“, meint er augenzwinkernd. Nach dem Tode seiner Frau habe er stets selbst gekocht und esse viel Gemüse, besonders Möhren, verrät der 100-Jährige. Sein Lieblingsgericht sei Gulasch mit Rotkohl und Klößen.

Seit einigen Monaten hat der Senior zudem im Heim eine frühere Bekannte getroffen – Martha Streicher (88) aus Alsdorf. Beide sind sich liebevoll zugetan und genießen die gemeinsame Zeit. „Aber heiraten tun wir nicht mehr!“, schmunzeln sie. Hobbymäßig werkelte der Jubilar früher gerne mit Holz und gärtnerte. Auch hatte er eine Kaninchenzucht, doch er gibt zu: „Ich konnte keins umbringen – das machte mein Bruder, der war Sanitäter und kannte sich aus.“

Im Heim nimmt der geistig und körperlich recht fitte Herr an vielen Veranstaltungen teil und ist ansonsten mit seinem Rollator unterwegs. „Ich brauche viel Bewegung“, meint er verschmitzt und ergänzt: „Fürs Fernsehgucken habe ich keine Zeit.“ Seinen Ehrentag wird das „Geburtstagskind“ gemütlich im Heim feiern und freut sich auf Besuch von der Stadt.

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