Übach-Palenberg: Schnupperboxen mit dem Profi Daniel Bulabula beim VfR

Boxen wie ein Profi : Schnuppertraining mit Profi Daniel Bulabula beim VfR

In den Kinos läuft „Creed II: Rocky´s Legacy“, ein Spinoff zur legendären Rocky-Reihe, in der Silvester Stallone in den 70er und 80er Jahren die Begeisterung für den Boxsport von den Kinoleinwänden auf die begeisterten Zuschauer übertrug.

In Übach-Palenberg knüpft Daniel Bulabula an die Hochzeiten des Boxsports an und plant bereits sein zweites Profi-Turnier. Um seine Leidenschaft für diesen Sport mit anderen Menschen zu teilen, hat er mit Lesern unserer Zeitung und Redakteurin Simone Thelen ein Schnupper-Boxtraining organisiert. Für sie war es ein schweißtreibendes Erlebnis.

Um es gleich vorweg zu nehmen: Mir tut alles weh. Wenn ich mich auf meinen Bürostuhl setze, spüre ich Muskeln, von denen ich bisher gar nicht wusste, dass ich sie besitze. Vor allem die Oberschenkel fühlen sich an, als würde ein Elefant auf ihnen sitzen. Allerdings hinkt dieser Vergleich, da mir derartiges bisher noch nicht passiert ist. Aber ich stelle es mir eben so vor.

Wenn man sich nur vorstellt, wie es ist, Sport zu machen, dann sieht man gut gelaunte, lächelnde Menschen in wohldefinierten Körpern vor sich. Ihre Bewegungen sind fließend, alles sieht leicht aus. Genauso will ich, dass es auch bei mir ist, wenn ich Sport mache. Und mit genau dieser Vorstellung bin ich zum Probe-Box-Training beim VfR Übach-Palenberg gegangen.

Dieses Schnupper-Boxen ist ein Abo-Plus-Angebot unserer Zeitung. Inspiriert vom Übach-Palenberger Profi-Boxer Daniel Bulabula, der dem Boxsport in Übach-Palenberg zu einem Comeback verhelfen möchte und der im Dezember ein erstes Profi-Box-Event in der Waschkaue organisiert hat, sollen nun auch einige Leser die Gelegenheit bekommen, einmal an einem Training teilzunehmen. Und um jene Leser nicht alleine zu lassen, habe ich spontan beschlossen, auch selbst in Jogginghose und Sportshirt zu schlüpfen und mitzukämpfen. Total easy eben. Oder etwa doch nicht?

Erschöpft, aber gut gelaunt: Bei der Gymnastikrunde mit Uwe Jeglorz (Mitte) haben Lea Moetz und Daniel Bulabula (von rechts), Andreas Moetz (links) und Redakteurin Simone Thelen durchaus ein paar neue Muskeln kennen gelernt. Foto: ZVA/Simone Thelen

Andreas Moetz und seine 17-jährige Tochter Lea aus Würselen sind zwei der Leser, die sich für das Schnupper-Boxen angemeldet haben. Was ich noch nicht weiß, als ich sie in der Sporthalle in der Barbarastraße in Palenberg begrüße, ist, dass sie alles andere als blutige Anfänger sind. Beide machen regelmäßig Fitness-Boxen und geben selbst Kurse in Selbstverteidigung. Warum sie denn dann zum Training nach Übach-Palenberg kommen, will ich wissen. „Weil wir gerne auch mal etwas anderes kennenlernen und neue Anregungen bekommen möchten“, sagt mir Andreas. Wir haben uns auf das „du“ geeinigt. In Boxer-Kreisen macht man das so.

Schon bei der Ankunft in der Halle werden wir überaus freundlich empfangen. Viele Vereinsmitglieder begrüßen uns per Handschlag und mit einem „Schön, dass du da bist!“ Ich beschließe spontan, dass ich mich hier wohlfühle. Für meine Leser und mich habe ich Iso-Drinks und Kraftriegel im Gepäck. Was kann da noch schief gehen?

Daniel Bulabula verzichtet heute auf seine eigene Trainingseinheit, um uns seinen Sport zu zeigen. Neben uns sind noch rund 20 weitere Menschen aller Altersklassen, vom zehnjährigen Schüler bis zum 80-jährigen Rentner in der Halle. Zum Aufwärmen spielen alle miteinander eine halbe Stunde Fußball. Wir aber nicht. Daniel hat für uns Springseile mitgebracht. Mit denen machen sich auch die Profis warm. Das kann ja nicht so schwer sein, denke ich noch, als mir Daniel mein Seil in die Hand drückt. Seilchenspringen habe ich schließlich als Kind schon gerne gemacht – danach allerdings rund 25 Jahre gar nicht mehr, aber sei es drum. „Drei Minuten springen, eine Minute Pause“, lautet Daniels Anweisung, und ich beginne zu springen – wie sich herausstellt aber viel zu hoch und mit viel zu viel Krafteinsatz. Was ich auch gleich selbst bemerke.

Nach den ersten drei Minuten mit mehreren, natürlich technisch bedingten Aussetzern bin ich schon fix und fertig. Als Kind ging das leichter… Andreas und Lea sieht man die Anstrengung kaum an. Sie springen, als hätten sie nie etwas anderes gemacht, ich hingegen habe zu diesem Zeitpunkt bereits einen hochroten Kopf und muss schnell nochmal zur Toilette, hatte ich aber erst beim Springen bemerkt.

Das Aufwärmprogramm

Knapp eine halbe Stunde dauert das Aufwärmprogramm mit Springseil. Ich bin froh, dass ich ab und zu mal aussetzen muss, um mir etwas zu notieren oder ein Foto zu machen. Schließlich bin ich ja nicht zum Vergnügen hier, sondern um hinterher darüber zu berichten.

Ich weiß nicht wie, aber irgendwie überstehe ich das Seilspringen. Das Fußballspiel ist auch vorbei, und Trainer Uwe Jeglorz ruft alle zur Gymnastik-Einheit. Ich will mir schnell noch ein paar Notizen machen, als mich Daniel warnt: „Pass auf, wer zu spät zur Gymnastik kommt, muss zwanzig Liegestützen zur Strafe machen.“ Ich lache, lasse aber schnell den Stift fallen und eile zu den anderen. Es ist gerade noch einmal gut gegangen. Der Junge, der kurz nach mir dazu stößt, hat weniger Glück. Uwe fordert von ihm lautstark zwanzig Liegestützen ein, „und zwar direkt hier vorne, wo ich dich gut sehen kann“. Ich versuche, mich möglichst klein zu machen.

Uwe sieht – und das ist jetzt ganz freundlich gemeint – nicht aus wie der typische Fitness-Guru. Er ist geschätzte 1,70 Meter groß und hat einen stattlichen Bauch. Seit diesem Training bin ich aber davon überzeugt, dass sich in dieser Kugel zu hundert Prozent nur Muskeln befinden können. Anders kann ich mir Uwes Kondition nicht erklären. Wir gehen in den Sitzstand: Füße körperweit auseinander und dann langsam in mehreren Stationen nach unten. Dann halten. Und halten. „So hat meine Oma mir früher Märchen erzählt“, brüllt Uwe in die Runde. Und weiter halten.

Zwei von zehn Stationen beim Zirkeltraining: Andreas und Lea Moetz halten locker mit. Foto: ZVA/Simone Thelen

Die Übung macht Uwe selbst natürlich auch mit, und schafft es sogar noch, seinen Kaugummi dabei zu kauen. Meine Oberschenkel brennen. „Meine Oma war 94 Jahre alt“, erzählt Uwe weiter. Jetzt beginnen meine Muskeln zu zittern. „Sie hat das so gemacht, weil wir keine Stühle hatten!“. Noch eine Sekunde länger, und ich breche zusammen. „Jetzt langsam wieder hoch, aber nur halb“, ruft Uwe. Ich gebe auf. Macht aber nichts, denn die Übung wird sofort noch einmal wiederholt. So langsam wird mir klar, dass dieses Training alles andere als ein Sonntagsspaziergang wird. Ob man mir meine Erschöpfung wohl ansieht? Bestimmt nicht …

Während wir uns von Übung zu Übung durch die Gymnastik kämpfen – wir machen Situps, Kniebeugen, hundert Liegestützen am Stück (ich schaffe etwa zwölf), Bauchmuskeltraining und natürlich auch etwas für die Arme – dröhnt laute Musik aus einem Lautsprecher durch die Turnhalle: eine abenteuerliche Mischung aus Nickelback und 90er-Jahre-Popklassikern von Bon Jovi und anderen Bands, deren Namen mir gerade nicht einfallen. Die Lieder machen trotz der Anstrengung gute Laune. Und als schließlich noch „Eye of the Tiger“ aus der Box dröhnt, muss ich tatsächlich schmunzeln, auch wenn meine seitlichen Bauchmuskeln, die ich gerade erst entdeckt hatte, sich schmerzhaft wieder von mir verabschieden.

Irgendwie überlebe ich die Gymnastik. Andreas und Lea sind mittlerweile auch ins Schwitzen gekommen, und ich denke, schlimmer kann es nun nicht mehr werden. Da bauen Uwe und Daniel für uns ein kleines Zirkeltraining auf. „Halbe Stunde Kraft-Ausdauer“, lautet die Anweisung. Zehn Stationen stehen bereit. 15 Sekunden Übung, 15 Sekunden Pause, dann zur nächsten Station. Wir werfen Medizinbälle gegen die Wand, wir stemmen eine Holzbank über unserem Kopf, wir machen Hanteltraining, Liegestütze, Situps und noch weitere Übungen, bei denen es mir schwer fällt, ihnen einen Namen zu geben.

Nach gefühlten hundert Durchläufen, tatsächlich waren es nur drei, ist die dritte Trainingseinheit geschafft. Mein Puls liegt zu diesem Zeitpunkt bei rund 170 Schlägen pro Minute, so zumindest hat ihn Uwe gezählt. „Du hast dich nicht genug angestrengt“, sagt er zu mir. „Der könnte noch höher sein!“ Na klasse. Andreas Puls liegt bei rund 130, und er hat voll durchgezogen. Der Mann ist fit wie ein Turnschuh.

Während wir uns kurz von den Strapazen erholen, kommen die richtigen Boxer aus der Nachbarhalle rüber. Sie laufen von Hallenwand zu Hallenwand und springen geschätzte 1,50 Meter an ihnen hoch. Ich staune. So hatte ich mir Boxtraining gar nicht vorgestellt. „Die Jungs leiden drei Stunden lang richtig“, weiß Daniel aus eigener Erfahrung. Natürlich gehören auch Übungen am Boxsack und Übungskämpfe zu ihrem Programm. „Das ist wirklich hart“, sagt Daniel, und ich fühle mich mehr und mehr wie ein Weichei.

Nun beginnt die letzte halbe Stunde des Trainings. Uwe zeigt uns die Grundstellung beim Boxen: Schwacher Fuß nach vorne, Gewicht auf die Ballen, Schlaghand ans Kinn und Führungshand vor den Brustkorb. Wir probieren verschiedene Schlagkombinationen aus. Erst nur links, wieder zurück, dann nur rechts, und wieder zurück. Und schließlich noch die Schlagkombination mit der linken und der rechten Hand in Folge. Das ist zwar anstrengend, und man muss sich konzentrieren, aber zumindest habe ich nicht mehr das Gefühl, jeden Moment aus meinen bisher kaum genutzten Hallenschuhen zu kippen.

Nach dem Training bin ich müde, aber stolz. Schlapp, aber erleichtert. Steif, aber doch irgendwie voller Energie. Die zwei Stunden Schnupperboxen haben Spaß gemacht. Für Andreas und Lea waren die Übungen zwar nicht neu, gefallen hat ihnen das Training trotzdem. „Beim nächsten Mal kommt ihr mal mit zu den Profis rüber“, bietet Daniel an. Die beiden scheinen nicht abgeneigt. Bei aller Liebe, aber an dieser Stelle bin ich raus. „Ich hab schon Schlimmeres gesehen“, sagt Daniel dann noch zu mir, und ich überlege, ob ich beleidigt sein oder mich freuen soll.

Ich entscheide mich für letzteres, weil Uwe mir noch auf die Schulter klopft, mich lobt und mich einlädt, gerne noch einmal wieder zu kommen. Mit leichtem Schritt – oder wackligen Knien, wie man´s nimmt – gehe ich in die Umkleidekabine. Beim Blick in den Spiegel stelle ich fest, dass ich mein Bild von Sport treibenden Menschen ändern muss. Ich sehe aus, als hätte ich zu Fuß einen Dschungel durchquert. Und vielleicht habe ich aus diesem ja auch den Elefanten mitgebracht, der mir heute Morgen auf dem Schoß sitzt….

Egal. Es hat Spaß gemacht. Und wenn ich es schaffe, komme ich bestimmt mal wieder.

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