Übach-Palenberg: Rockfabrik kehrt zurück mit großem Live-Programm

Fast so wie früher, auch mit Live-Programm : Die gute alte „Rocke“ öffnet wieder

Die „Rockfabrik“ wird wieder ihre Tore öffnen. Vieles soll wie früher sein, als die „Rocke“ Kultstätte war. Vor allem soll ein umfangreiches Live-Programm die Gäste locken.

Früher, da war alles klar: Im Wochenplan gab es für die Zeit von Donnerstag bis Sonntag feste Rituale. Kneipe und Disco gehörten dazu, ja ganze Ausgehpläne wurden entworfen, nur um nichts zu verpassen. Dass es jemals wieder so sein wird, glaubt Holger Kim natürlich nicht. Dafür hat der 47-jährige Übach-Palenberger zu viel Lebenserfahrungen gesammelt und beobachtet natürlich ganz genau das Ausgehverhalten der Leute. Warum er das tut? „Wir werden die Rockfabrik wieder eröffnen“, sagt er. Die war seit der Erstöffnung durch Wirt Albert Spiertz 1983 Kult, fand in den Nuller-Jahren ein zähes Ende und schloss in diesem Jahr nach Karneval ein weiteres Mal die Pforten. Für immer, wie es zunächst schien, doch das „wir“ in Holger Kims Worten spricht eine andere Sprache.

Hinter der Mehrzahl steckt nicht nur der Willen, sondern auch die Überzeugung von Pascual und Kirsten Karolin Corsten, Daniela und Holger Kim, die Kult-Ausgehstätte der Region wieder zu dem machen zu wollen, was sie einmal war. Alle vier sind seit vielen Jahren eng verbunden mit der Rockfabrik. Ob als DJ, als Security, als Thekenmitarbeiter oder als Gast: „Die Rockfabrik war ein Anlaufpunkt, ein Zielpunkt oder auch ne Zwischenstation, hier hat man sich getroffen, getanzt, gefeiert“, sagt Holger Kim. Er weiß das ganz genau, denn vor 25 Jahren legte er erstmals als DJ dort auf.

Damals, in einer goldenen Ära des Ausgehens, als Handys höchstens SMS und Telefon und nicht das ganze soziale Leben bedeuteten, traf man sich in der Rockfabrik und anderswo mit Gleichgesinnten, Freunden, tauschte sich aus, lernte im echten Leben neue Leute kennen, knüpfte Freundschaften und erlebte vielleicht auch mal ein Beziehungsdrama. „Alles passierte hier, nicht an irgendwelchen Bildschirmen, nicht online, sondern hier“, erinnert er sich.

Im Hier und Jetzt scheint es dem kennenden Besucher, als sei die Zeit zurückgedreht. Denn die „Rocke“, die „Fabrik“, „unser Wohnzimmer“ oder wie immer man sie auch nannte, hat wieder das Gesicht von damals. Schwarz und Rot sind die Farben, die großen alten Ölfässer, die in Bestzeiten vor Gläsern überliefen, sind da, ebenso die Stangen und die terrassenartigen Anlagen neben der zentralen Tanzfläche in Raum eins, die damals wie bald auch wieder den besten Blick auf das rockige Ganze ermöglichen.

Ein gigantisches Projekt

Unübersehbar hat aber auch der Zahn der Zeit und der Wechsel der Pächter seine Spuren hinterlassen. „Ein paar Sachen mussten wir komplett neu aufbauen, das war einfach rott“, sagt Holger. Neu aufbauen, ohne die gewaltige Historie zu verleugnen, das ist das Ziel der neuen Pächter, die sich in Zeiten des Discosterbens den Neuanfang zutrauen. „Wir wollten die Rocke wie damals, pur, und dazu gehört auch ein passendes Konzept“, umschreibt Kim das gigantische Projekt.

In Zeiten, in denen Großdiscos ringsum aufgeben, sich einschränken oder gleich ganz umsatteln, muss sich das Team der neuen Pächter natürlich auch den Fragen nach der Wirtschaftlichkeit stellen. „Warum nicht mit einem guten, durchdachten Programm durchstarten und wieder etwas bieten, das andere aufgrund ihrer Größe nicht mehr bieten können?“, fragt Holger Kim.

In großen Städten drehe sich der Trend weg vom „Homing“ mit Treffen Daheim und am Bildschirm wieder hin zum Ausgehen. „Vielleicht schaffen wir das auch hier auf dem Land“, hofft Holger Kim. Anfangs standen noch die an den Kern um den heutigen Raum eins in den 1990er-Jahren ergänzten Räume zwei und drei samt Nebenanlagen auf dem Prüfstand. Das „Go“ zur Wiederbelebung der ganzen Disco inklusive aller Räume kam aber schnell. „Nur so können wir beispielsweise an Karneval das gewohnte Niveau anbieten“, sagt Kim.

Karneval und auch die musikalische Afterparty im Anschluss an die Oktoberfestabende sind aber nur das eine. Der musikalische Geschmack des Publikums ist der andere, viel wichtigere Pfeiler der Wiederbelebung. „Klar wollen wir die Leute heute und von früher wieder ansprechen“, sagt er. Die gehen zwar nicht mehr jedes Wochenende aus, wollten aber alle paar Wochen gerne bei guter Musik in toller Stimmung feiern gehen. „Und das geht eben nur mit ner Disco, die nicht nur auf den nächsten Eventzug aufspringt“, so Kim weiter. Im Klartext: Musikalisch bleibt es in Raum eins auf der alternativen, der rockigen Szene. „So Dinger wie Mallorca-Partys wird es da nicht geben“, schließt Kim aus. Auch die Bühne in Raum eins soll zukünftig wieder regelmäßig von namhaften Bands „bespielt“ werden.

So voll konnte es in der früheren „Rockfabrik“ sein, wenn sich die Pforten an der Borsigstraße öffneten. Foto: Markus Bienwald/Markus Bienwald 2015

Der Fokus liegt hier auf „den Originalen“, also keine Tribute- bzw. Cover-Bands. Raum zwei bietet die Chance, sich aktuellen Charts zu stellen, und im dritten Raum findet sich noch ein Kleinod. Da gibt es nämlich eine Bühne, die bald wieder Kleinkunst und Musiker mit eigenem Programm bieten soll.

Das Konzept klingt gut, doch Holger Kim weiß wie seine Mitstreiter auch, dass erst die Klassiker den Kult komplett machen werden. Stichwort Chips: Früher das Zahlungsmittel in der „Fabrik“, gab es sie in verschiedenen Farben und Größen, mit und ohne Loch, mal reflektierend, mal nur mit „Rockfabrik“-Schriftzug, aber immer rund. Ein Aufruf bei Facebook ergab übrigens, dass die Leute ihre alten Chips – obwohl längst ohne monetären Wert – nicht weggeschmissen haben. Nicht nur Chips, alte Aufkleber, wahre Unmengen von alten Aschenbechern aus den rauchigen Zeiten, Konzerttickets und noch viel mehr fand in Fotoform Eingang auf der frisch gestarteten Facebookseite. Die hatte übrigens in zwei Wochen ruckzuck über 1500 „Gefällt mir“-Angaben, und jedes noch so kleine Fitzelchen an Beitrag wird mittlerweile in Windeseile von tausenden Usern geteilt, geliked und kommentiert.

„Die Resonanz und die Unterstützung unserer Facebook-Freunde macht uns wahnsinnig stolz und beweist, dass immer noch viele Herzen für die gute alte „Rocke“ schlagen. An dieser Stelle „vielen Dank“ an unsere Facebook-Community“, so Daniela Kim. Die Crew hinter der alten und neuen „Rockfabrik“ bestärkt das im Wissen darum, dass sie bei ihrem Neustart den Kult wahren müssen, ohne die Bedürfnisse der Kundschaft zu vergessen. „Wer zu uns kommt, weiß, was ihn erwartet“, betont Holger Kim.

Alternativere Musikszene

Bei der Historie des Fleckchens Übacher Erde ist so viel Respekt angebracht: Hier wurde schließlich nicht nur gefeiert, hier trafen sich die Größen der alternativeren Musikszene. So gaben sich beispielsweise die Toten Hosen die Ehre, New Model Army waren schon hier, Fisher-Z, Fury in the Slaugtherhouse, The Busters, Bad Religion, H-Blockx, Agnostic Front und noch viele mehr. Unzählige Bilder tauchen bei diesen Namen in den Köpfen auf, ihre Musik wurde auch aus der Konserve gefeiert, und so mancher dürfte schon mal beim DJ, früher noch in der Ecke ganz hinten, nach dem Umbau vorne an der Tanzfläche gestanden haben, um im Halbdunkel Lieblingshits auf die dünnblättrigen Rockfabrik-Notizzettel zu kritzeln.

Manchmal gab es die Blätter auch mit der Telefonnummer der neuesten Bekanntschaft, und manchmal hat man sich dann als Paar das nächste Mal in der „Rocke“ blicken lassen. Auch das sind Geschichten, die ohne die „Fabrik“ nicht denkbar wären und online einfach nicht diesen Charme haben können. „Auch Holger und ich haben uns hier vor mehr als zehn Jahren kennengelernt“, sagt Daniela Kim. „Vielleicht schreiben wir erneut Geschichte und Geschichten“, denkt Holger Kim. Und er verspricht, dass die kultigen Sachen ganz fest mit dazugehören: Neben neuen Chips mit dem bekannten Logo der „Rockfabrik“ werden das die Erdnüsse sein, die es immer zu der zweitägigen „Top 100“ an den beiden Weihnachtsfeiertagen gab.

Damals mussten Autos die Schlangen der Wartenden am Einlass umkurven, so beliebt war ein Besuch in der Rockfabrik einmal. Wer ausprobieren will, wie es in diesem Jahr unterm Weihnachtsbaum rockt, kann sich die beiden Feiertage schon mal im Kalender notieren. „Aber erstmal werden wir eröffnen, wann genau, wird noch nicht verraten, aber wir planen einen Termin im frühen Herbst“, sagt Holger Kim, mit Konzerten und mehr. Dann kann das inzwischen sicherlich digital geplante, aber analog erlebte Wochenende ja bald kommen. Auch wenns vielleicht bei manchem Feier-Helden von damals nur alle vier Wochen stattfindet.