Übach-Palenberg: Mann betritt unerlaubt Schulen und Kitas

Eltern besorgt: Mann betritt unerlaubt Schulen und Kitas

In Übach-Palenberg beschäftigt ein Mann die Behörden, der unerlaubt Schulen und Kitas betritt. Dort lässt er sich nichts weiter zu Schulden kommen. Für Aufregung sorgen die Vorfälle aber trotzdem – und bedeuten eine Gratwanderung für die Polizei.

In Übach-Palenberg hat es ein einzelner Mann geschafft, dass sich drei Behörden sowie die Schulen und Kindergärten der Stadt mit ihm beschäftigen, im Eingangsbereich des Rathauses ein Sicherheitsdienst Wache schiebt – und Gerüchte die Runde machen. An den Schulen in Übach-Palenberg solle sich ein „vorbestrafter Triebtäter herumtreiben“, berichtete der besorgte Vater einer Grundschülerin vergangene Woche unserer Zeitung. Was steckt dahinter?

Es geht um einen Mann, der in den vergangenen Monaten mehrfach unerlaubt Schulen und Kindergärten betreten hat. Bei der Polizei sind mehr als zehn solcher Fälle aktenkundig. In den Einrichtungen ließ der Mann sich laut Polizei zwar nichts weiter zu Schulden kommen. Andererseits weiß man aber nicht, was er in den Schulen und Kindergärten will, die er verbotenerweise betritt, eine nachvollziehbare Begründung ist von ihm nicht zu bekommen – daher die Aufregung.

Bei dem Mann handelt es sich um einen 33 Jahre alten Asylbewerber, der im Oktober in Übach-Palenberg untergebracht worden ist. Zwar ist er nicht vorbestraft und es gibt auch keinerlei belastbare Anhaltspunkte dafür, dass es sich um einen „Triebtäter“ handelt. In der kurzen Zeit, die er sich in Übach-Palenberg aufhält, hat er sich aber bereits mehrere Anzeigen wegen Ladendiebstahls und Hausfriedensbruchs eingehandelt. Die Anzeigen wegen Hausfriedensbruchs beziehen sich auf das Betreten der Schulen und Kindergärten.

Anklage wegen sexueller Belästigung

Nach Deutschland eingewandert ist der Mann im Frühjahr dieses Jahres. Zunächst war er in Ratingen untergebracht. Die Gründe, derentwegen der Mann von Ratingen nach Übach-Palenberg gebracht worden ist, sind unklar. Fest steht jedoch, dass er nicht erst in Übach-Palenberg auffällig geworden ist. Die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft bestätigte unserer Zeitung, dass sie im November Anklage wegen sexueller Belästigung gegen den Mann erhoben hat. Einzelheiten dazu, was ihm konkret vorgeworfen wird, wollte die Behörde nicht preisgeben.

Sexuelle Belästigung ist 2016 im Zuge der Reform des Sexualstrafrechts ins Strafgesetzbuch aufgenommen worden. Sie liegt dann vor, wenn jemand gegen seinen Willen „in sexuell bestimmter Weise“ berührt worden ist – umgangssprachlich würde man von „grabschen“ sprechen. Eine rein verbale Belästigung reicht nicht aus, auch nicht, wenn sie sexuell konnotiert ist. Ob der Mann schuldig ist, wird das Amtsgericht Ratingen entscheiden müssen.

Schwangerer Mitarbeiterin an den Bauch gefasst

Im Übach-Palenberger Rathaus ist er auch schon aufgefallen. Laut Stadt fasste er einer schwangeren Mitarbeiterin an den Bauch und wurde daraufhin des Hauses verwiesen. „Der Mann ist aber nicht aggressiv oder gar gewalttätig geworden“, stellt der Erste Beigeordnete Helmut Mainz klar. Dennoch brachte man den Fall zur Anzeige und postierte einen Sicherheitsdienst im Eingangsbereich – „um Präsenz zu zeigen“, sagt Mainz.

Außer Frage scheint also zu stehen, dass der Mann sich unangemessen bis unheimlich verhält, vieles deutet auch darauf hin, dass er geistig verwirrt ist. Natürlich sieht sich keine der beteiligten Behörden in der Lage, verbindlich auszuschließen, dass er auch gefährlich werden könnte.

Insbesondere die Polizei sieht sich so in ein klassisches Dilemma versetzt. Einerseits gibt das Verhalten des Mannes ihr nur überschaubare Handhabe für ein Einschreiten. Andererseits kann sie die Sache aber auch nicht ignorieren und steht in engem Austausch mit Stadt, Ausländeramt, Schulen und Kindergärten. „Wir wollen weder dramatisieren noch bagatellisieren“, sagt Polizeisprecherin Angela Jansen.

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