Übach-Palenberg: Kommunalpolitik in die Schulen

Kommunalpolitik in die Schule: Schüler begleiten Politiker

Das Projekt „KidS – Kommunalpolitik in die Schulen“ soll bei Jugendlichen das Interesse wecken. Gemeinsam werden Rats- und Ausschusssitzungen besucht.

Wer kürzlich den großen Sitzungssaal des Rathauses betrat, rieb sich womöglich verwundert die Augen, denn auf den Plätzen, wo normalerweise der Bürgermeister und Vertreter der Verwaltung sitzen, hatten Schüler der Realschule und des Gymnasiums Platz genommen. Dies hatten sie jedoch nicht unverfrorenerweise getan – im Gegenteil, sie waren ausdrücklich dazu aufgefordert worden, denn sie sind Teil des Projekts „KidS“, was für „Kommunalpolitik in die Schulen“ steht und das Interesse der Jugend an politischem Handeln wecken möchte.

Diese Aktion ist nicht neu – die Fraktionen im Stadtrat hatten es bereits im vergangenen Jahr ins Leben gerufen. Ideengeber ist Dr. Sascha Derichs (SPD). Dieses Jahr beteiligen sich elf Schüler der Realschule und des Carolus-Magnus-Gymnasiums, die praxisnah erfahren möchten, wie Kommunalpolitik „funktioniert“. Sie dürfen, begleitet von Mitgliedern des Stadtrates, an Sitzungen von Rat, Ausschüssen und Fraktionen teilnehmen.

Derichs frohlockte bei der kürzlichen Auftaktveranstaltung: „Dieses Jahr sind schon viel mehr da als 2017\.“ Er gab den aufmerksam lauschenden Schülern eine kurze Einführung in die Kommunalpolitik, skizzierte die öffentliche Verwaltung von Bund, Ländern, Städten und Gemeinden und wies auf die Bürger hin, die all diese Institutionen wählen dürfen. „Bürger sind wir alle – auch ihr“, betonte er, und hob hervor, dass Gemeinden die Grundlage des demokratischen Staatsaufbaus seien.

„Jetzt dürft ihr euch einen Politiker aussuchen, von dem ihr partizipieren möchtet“, erklärte Derichs, und per Los wurde die Zuteilung für die zwei Runden des Projektes bestimmt. Wer in der ersten Runde beispielsweise einen Politiker aus den Mehrheitsfraktionen CDU und FDP-USPD begleitet, wechselt in der zweiten Runde zu einem Mentor aus der Opposition, also von SPD, Grünen oder UWG, und umgekehrt.

Die erste Runde beginnt am 30. Oktober mit einer Ratssitzung, am 13. November ist eine Sitzung des Ausschusses für Bauen, Stadtentwicklung und Ordnung und am 14. November eine Sitzung des Ausschusses für Kultur, Bildung und Soziales. Zudem dürfen die Jugendlichen in einer Führung das Rathaus kennenlernen und in einem lockeren Gespräch den Bürgermeister.

Die zweite Runde startet am 22. November mit einer Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses, am 28. November ist eine Ratssitzung und am 29. November eine Sitzung des Ausschusses für Bauen, Stadtentwicklung und Ordnung.

Als besonderes „Bonbon“ dürfen sich die Nachwuchspolitiker auf hohen Besuch aus Brüssel freuen: Sabine Verheyen und Arndt Kohn, Mitglieder des Europäischen Parlaments (EP), begleiten das Projekt und werden persönlich anwesend sein am 27\. November beziehungsweise bei der Abschlussveranstaltung am 7\. Dezember. „Die beiden laden euch auch ein, sie in Brüssel zu besuchen – mit einer exklusiven Führung im Europaäischen Parlament, die es für andere Besucher nicht gibt“, freute sich Derichs, den Schülern verkünden zu können.

Das Wichtigste an dem Projekt sei jedoch die Verbindung zu den Schulen, und dass es von Schulleitern und Lehrern unterstützt werde, bemerkte Derichs. Man brauche neue Zugänge zu jungen Menschen: „In diesem Jahr erreichen wir elf Schüler, und diese sind Multiplikatoren bei ihren Freunden, denn sie erzählen von ihren Erlebnissen“, hofft er.

Beim ersten „Beschnuppern“ während der Auftaktveranstaltung kamen Schüler und Mentoren schnell ins Gespräch. Laura Jelen (15) von der Realschule meinte: „Ich möchte mehr über Politik erfahren – nicht nur in der Schule.“ Und Alf-Ingo Pickartz, der sie in der ersten Runde begleiten wird, machte sie neugierig: „Das ist jetzt die spannendste Phase in der Kommunalpolitik, weil der Haushalt verabschiedet wird, und gerade in dieser Phase darfst du dabei sein!“

Mehr von Aachener Zeitung