Übach-Palenberg: Erste Ausstellung des Jahres im Schloss Zweibrüggen

Vernissage im Schloss Zweibrüggen : Das Experimentieren ist wichtiger Bestandteil der Kunst

Marie-Gabriele Ahlert , Hans-Dieter Ahlert und Joep Albertz bestreiten derzeit mit ihren Werken die erste Ausstellung im Jahresprogramm des Künstler-Forums Schloss Zweibrüggen.

In der ehemaligen Wasserburg im Wurmtal, dem Schloss Zweibrüggen, das dem Künstler-Forum als Ausstellungsfläche von der Stadt Übach-Palenberg zur Verfügung gestellt wird, zeigen Marie-Gabriele Ahlert Keramische Objekte, Hans-Dieter Ahlert Malerei und Assemblagen und Joep Albertz Malerei.

Die Wände des Schlosses Zweibrüggen sind schön geschmückt mit der Kunst, die der Aachner Kunsthistoriker Dr. Josef Gülpers dem Vernissagepublikum erläuterte. Der Vorsitzende des Künstler-Forums, Professor Dieter Crumbiegel, begrüßte die Gäste zur ersten Ausstellung 2019 zusammen mit Übach-Palenbergs Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch. Jungnitsch verwies auf die renommierte Reihe der Kunstausstellungen, die alljährlich vom Künstler-Forum angeboten werde.

Joep Albertz stellte Jungnitsch dem Publikum nicht nur als Teilnehmer der Ausstellung vor, sondern auch als neuen Geschäftsführer des Künstler-Forums. Den musikalischen Rahmen der Eröffnung steuerten Frank Ollertz am Klavier und Paul Gerards an der Gitarre bei. Die sehr schönen Instrumentalstücke gaben Gelegenheit, die im Foyer des Schlosses ausgestellten Werke auf sich wirken zu lassen.

„Das Experimentieren ist für Joep Albertz wichtiger Bestandteil seiner Kunst“, stellte Josef Gülpers fest. Intensiv widme er sich der Oberflächenstruktur eines Bildes. Gülpers: „In einem spontanen Malvorgang werden Stimmungen und Affekte zum Bild, dessen Komposition durch langes Training formaler Prozesse dennoch in klassischem Sinne perfekt sein kann.“ Die Sinnlichkeit der expressiven Entstehung übertrage sich auf den Betrachter, der in der Farbe und in den Formen die Spuren eines „gelenkten Zufalls“ erkennen könne. Gülpers: „Man könnte dies auch als glückhafte Zufälligkeiten sehen, und diese sind für den Künstler bald endgültige malerische Entscheidungen, bald Anregungsprozess zu weiterem spontanen Malen.“ Und Josef Gülpers ergänzte: „Joep Albertz Welt der Farben kreiert eine eigene Welt, eine eigene Wirklichkeit.“

Marie-Gabriele Ahlert hat den Ton als ihren Werkstoff erkannt. Gülpers erläuterte den Vernissagegästen die komplizierte Technik des Schmauchbrands, den Marie-Gabriele Ahlert für ihre Werke nutzt. Die Künstlerin entnehme ihre Ideen aus der Natur. Manche Arbeiten ließen an Pflanzensamen, an vegetabile Formen denken. Gülpers: „Mich fasziniert stets, wenn ich die Arbeiten anfassen darf.

So wie für Marie-Gabriele Ahlert das Haptische immanent wichtig ist, so ist dies auch für den Kunstbetrachter oder besser gesagt für den Kunstbefühler ein Erlebnis besonderer Art.“ Man möge aber besser die Künstlerin vorher fragen, riet Josef Gülpers, bevor man ihre Arbeiten befühle.

Hans-Dieter Ahlert nutze, so führte Gülpers aus, die Technik der Frottage. Max Ernst habe diese alte Drucktechnik weiter entwickelt. Auch Hans-Dieter Ahlert habe einen eigenen Umgang mit der Frottage für sich entdeckt. Ahlerts Bilder zeigen bizarre Muster, „die an vom Wind errichtete Dünenlandschaften aus Sand denken lassen.“ Josef Gülpers über Hans-Dieter Ahlerts Bilder: „Seine Arbeiten leben von der Spontanität und der Spannung zwischen Formauflösung und Formwerdung.“

Dynamische Prozesse würden an die Stelle anvisierter Ergebnisse treten. Eine weitere Werkgruppe, die Hans-Dieter Ahlert im Schloss zeigt, sind Assemblagen, Collagen mit plastischen Objekten, meist Verpackungen. Die ursprüngliche Bedeutung des Materials sei dem Betrachter zwar gegenwärtig, so Josef Gülpers, vermittelte dem Betrachter aber eine neue Wahrnehmung.

Gülpers verwies in seiner Rede darauf, dass auch heute noch die abstrakte und gegenstandslose Kunst auf Vorurteile stoße. Jeder, der sich mit diesen nicht erzählerischen Formen der Kunst beschäftige, müsse sich Urteilen wie „Das kann ich auch“ oder „Das sagt mir nichts“ stellen. Auch wenn Gülpers, die Werke von Joep Albertz bei dieser Anmerkung im Blick hatte, trifft sie doch auch auf viele Arbeiten der Mitaussteller zu.

Eine Arbeit von Marie-Gabriele Ahlert sei ausgenommen. Sie trägt den Titel „Kuss“: Da wird jeder Betrachter schnell wissen, worum es geht.

Die Ausstellung im Schloss Zweibrüggen ist bis zum 31. März sonn- und feiertags von 11 bis 18 Uhr, sowie mittwochs von 16 bis 20 Uhr zu besichtigen. Besichtigungstermine können auch unter der Telefonnummer 0177/5690555 vereinbart werden.

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