Gangelt-Kreuzrath: Tote Bäume retten Leben in Afrika

Gangelt-Kreuzrath: Tote Bäume retten Leben in Afrika

Viele emotionale Sätze und Momente prägten die Abschlussveranstaltung der „1. Gangelter Skulpturenwoche” rund um die „Alte Ziegelei” in Kreuzrath. „Dieses Land kann Menschen verändern”, begann der Geschäftsführer der Heinrichs-Gruppe, Johannes Heinrichs, der zusammen mit seiner Frau Karin zu der Kunstaktion eingeladen hatte, von seiner ersten Reise nach Tansania zu berichten.

Er sei in eine Sprechstunde für HIV-positive Kinder gekommen und habe traumatisierte Menschen voller Traurigkeit gesehen. „Da überfällt einen die Scham”, erzählte er mit Blick auf das Leben und die Versorgung in unseren Breitengraden.

„Mich hat Tansania verändert”, berichtete er und erinnerte sich, dass von der großen Idee, mit 1000 Olivenbäumen aus Portugal den größten Olivenhain in Deutschland zu machen, wegen der strengen Winter nur totes Holz übrig geblieben war. „Die Bäume waren mir mit Blick auf die Afrikareise egal”, so Heinrichs, der dann Anschluss an den Verein „Partnerschaft für Afrika” gefunden hat, viel Engagement investiert und mittlerweile dem Vorstand vorsteht.

Aber Andreas Joerissen und Brele Scholz brachten ihn auf die Idee, das Holz für seine Zwecke und für die der Kunst einzusetzen. „Tote Bäume retten Leben”, war als Motto schnell gefunden, und die Aktion begann vor zehn Tagen. 35 Prozent des Verkaufserlöses der Kunstaktion gehen in das Afrika-Projekt für HIV-positive Kinder. „Es hätten leicht 100 Leute mehr sein können”, so Heinrichs mit Blick auf die gut 100 erschienen Gäste im Festzelt.

Potenzielle Käufer hatte er eingeladen und machte gleich Nägel mit Köpfen: „Bert Wirtz, dabei habe ich unter anderem an dich gedacht”, begrüßte er den Präsidenten der Aachener Industrie- und Handelskammer. Er sei ja „weltweit vernetzt” und könne vielleicht dafür sorgen, dass die Exponate an prägnanter Stelle ausgestellt und an den Mann gebracht werden können.

Zusagen für solche Ausstellungen bekam er von Bernd Krückel (MdL) im Landtagsgebäude und von Klaus-Dieter Kroll von der Raiffeisenbank Heinsberg, der die dortigen Räumlichkeiten zur Verfügung stellen will. „Dieser Ort ist für Künstler ein Paradies”, bedanke sich Brele Scholz, die zusammen mit „sculpture network” an der Organisation der zehntägigen Aktion beteiligt war, bei Karin und Johannes Heinrichs für die ebenso professionelle und herzliche Betreuung, die sie und ihre neun Künstlerkollegen erfahren haben.

Problem der Korruption

„Ich glaube, ihr hattet aber keine Ahnung, worauf ihr euch da eingelassen habt!” Tränenreich wurde es, als sich die Künstlergruppe bei Lee Thomson und dessen Sohn Dane bedankte. Ohne die beiden wäre die Aktion nicht so reibungslos abgelaufen.

Während Dr. Günter Heidenhof als Vertreter der Weltbank über das große Problem der Korruption und dem damit verbundenen Hemmnis für Investoren in Teilen Afrikas berichtete, erzählte seine Frau Friederike Heidenhof, die im geschäftsführenden Vorstand von „Partnerschaft für Afrika” sitzt, von der Arbeit in Tansania. Auch sie warb eindringlich um Unterstützung für dieses Projekt, das immer noch eine Finanzierungslücke aufweist.

Damit die geschlossen wird, machte sich Johannes Heinrichs auf, mit potenziellen Käufern zu verhandeln. Es waren schließlich zehn außergewöhnliche Arbeiten im Angebot, die zu ihrer künstlerischen Aussage auch noch eine ganz besondere Geschichte ihrer Entstehung erzählen können. Am Nachmittag traf Professor Dr. Wolfgang Becker aus Aachen ein und erläuterte vor einer mittlerweile großen Zahl an Gästen als Kunstkritiker die Arbeiten. Die jetzt angetretenen Künstler werden wohl im kommenden Jahr nicht mehr in Kreuzrath anzutreffen sein.

Johannes Heinrichs versprach Bürgermeister Bernhard Tholen, dass er seinen Teil dazu beitragen wolle, „Gangelt auch international bekannt zu machen”. Die gleiche Aktion soll im kommenden Jahr wiederholt werden. Schließlich stehen noch weit über 100 Olivenbäume bereit, um totes Holz zu neuem Leben zu erwecken. Über den Erlös der Veranstaltung werden wir in Kürze berichten.