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Übach-Palenberg: Tod im Kirchenschiff, Betrug und Beutezug bei „Mord und Musik“

Übach-Palenberg : Tod im Kirchenschiff, Betrug und Beutezug bei „Mord und Musik“

Mindestens einen Ohrwurm haben die Gäste beim ausverkauften „Mord und Musik“-Abend im Schloss Zweibrüggen mitgenommen. Denn neben den lokalen literarischen Gänsehautgeschichten, gab es auch musikalische Einlagen vom Allerfeinsten.

Dafür sorgte der rein weibliche Chor „Auftakt“, dem schon beim Opener „Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett“ der Spaß am Tun ins Gesicht geschrieben war. Und spätestens, als die Damen bei der letzten Strophe — die mit dem „Alkohol“ — ein paar kleine Fläschchen zückten, waren die Besucher auch von den schauspielerischen Qualitäten der Damen überzeugt.

Schreiberische Vielfalt

„Wir sind restlos überwältigt“, waren denn auch die ersten Worte von Kurt Lehmkuhl, dem Kopf des Abends, und dem Mann, ohne die sich die Autoren wohl gar nicht präsentieren würden. Denn gemeinsam mit Gerd Grunewald sorgte er in der grün und schwarz eingebundenen Kurzkrimisammlung „Mörderischer Selfkant“ für schreiberische Vielfalt, die sich nicht nur inhaltlich komplett in unserer Region abspielt. Auch die Autoren und Akteure des von der Anton-Heinen-Volkshochschule (VHS) und dem Kulturamt der Stadt Übach-Palenberg präsentierten Programms kommen von hier und lasen selbst.

„Enkeltrick“-Betrüger

So zum Beispiel Margarete Kaiser, die sich mit „Oma ist die Beste“ in Topform präsentierte. Darin zeigt sich die rüstige Rentnerin nicht nur als beste Helferin der Polizei, die damit einem „Enkeltrick“-Betrüger auf die Schliche kommt. Sie zeigt auch die sozialkritische Seite der Rentnerin, die von ihrer kleinen Rente nicht leben kann. Damit war es auch für den „Kronk“ genannten Mann schnell vorbei, der sich in seiner steten Gier nach Geld in der Geschichte „Mein ist die Rache“ von Helmut Wichlatz ein finales Mal mit einem „Interessenten“ traf. Leider hatte der kein Interesse, Geld anzulegen, sondern eher den windigen Geschäftemachern umzulegen.

Uneheliche Schwangerschaft

Zwischen den kurzen Lesungen kamen übrigens nicht nur die singenden Damen zu ihrem Einsatz. Auch Kurt Lehmkuhl wusste auf kurzweilige Art und Weise die Wechsel von einem zum anderen Autor zu überbrücken.

Einen Tod im Kirchenschiff hatte Heike Dahlmanns in ihrer Geschichte „Virgo intacta“ zum Thema und schilderte eindringlich die Gedanken einer jungen Frau, die sich damit abfinden muss, dass ihre uneheliche Schwangerschaft zum Bruch mit den Eltern führte. Wie passend richteten sich die Chordamen dazu auf, und sangen ihren nächsten Gassenhauer „Männer sind alle Verbrecher“, ließen dabei noch genug Raum für die kommende Geschichte.

Die hieß einfach nur „Glück und Pech“, stammt aus der Feder von Beatrix Hötger-Schiffers und beschreibt nicht nur, wie nahe Glück und Pech zusammenliegen können. Sie erzählt auch vom unheimlichen und widerlichen Verlangen eines Mannes nach einem Kind, das zum Glück nicht Opfer seines Keks-Tricks wird.

Raffinierte Komplizin

Bevor allerdings Kurt Lehmkuhl selbst zu seinem „Beutezug“, bei dem sich der verheiratete Täter einer mehr als raffinierten Komplizin gegenübersah, dem letzten Titel des Programms kam, durfte auch Heidi Hensges noch ans Rednerpult. „No reply“ heißt ihre Geschichte, die mit einem Knall das Leben eines geliebten Menschen völlig aus den Fugen brachte.

Wie gut war es, als nach so viel Spannung und einem restlos begeisterten Publikum schließlich auch der Damenchor noch mal zu einem Stück ansetzte. „Wochenend‘ und Sonnenschein“, sangen sie, und das war wieder eine der Melodien, die sich, ähnlich wie die eindringlichen Geschichten, im Kopf festsetzte und den letzten Ohrwurm des Abends manifestierte.