Therapiehund in der OGS Scherpenseel

Übach-Palenberg : Therapiehund Kimba: Von Ebay in die Offene Ganztagsschule

Die Labradordame Kimba begleitet die OGS-Schüler während ihrer Lernzeiten. Ihre Ausbildung zum Therapiehund hat sie auch bald geschafft.

Es ist Lernzeit, und eine ganz besondere Belohnung für beendete Hausaufgaben wartet. Ganz vorsichtig steckt eine Zweitklässlerin ein Hundeleckerlie in ein Stofftier, einen sogenannten Sorgenfresser. Eigentlich sind die – das sagt schon der Name – dafür da, kleine Zettel mit Sorgen und Ängsten von Kindern zu verschlucken. An der Offenen Ganztagsschule (OGS) Scherpenseel ist das allerdings ein bisschen anders. Zwar sind die Kinder hier nicht sorgenlos, aber haben dafür einen viel besseren Ansprechpartner: Labradordame Kimba. Für die übrigens auch das Leckerlie als Belohnung ist.

Seit Februar diesen Jahres mischt sich Schulhund Kimba dreimal in der Woche unter die Schüler. Und das obwohl sie anfangs erst wenige Tage zuvor in die Familie von Katrin Körfer, Koordinatorin der OGS, dazugestoßen war. „Wir haben sie Samstag bei ihrer alten Familie abgeholt, in der darauffolgenden Woche war sie schon mit mir in der Schule“, sagt Körfer. Dass es am Ende so schnell ging, hat auch Körfer überrascht. Denn sie hätte nie gedacht, dass ihre Idee von einem Therapiehund in der Schule so gut aufgenommen wird – vom Kollegium, aber vor allem auch von den Eltern. „Die Idee stieß schnell auf Begeisterung und kaum Gegenwehr. Dann hatte ich zwar die Erlaubnis von allen, aber noch keinen Hund“, erinnert sie sich. „Wenn ich erzähle, was dann geschah, ernte ich immer Kopfschütteln oder ungläubige Blicke“, sagt Körfer und lacht. Denn sie kaufte sich einen Hund auf Ebay-Kleinanzeigen. „Ich hatte von Anfang an das Gefühl, dass es passt“, erklärt sich Körfer. Und tatsächlich: Zwischen den vielen unseriösen, teils abstrusen Verkaufsanzeigen findet sie die siebenjährige Kimba aus dem mehr als 300 Kilometer entfernten Odenwald. „Ein absoluter Glücksgriff“, wie Körfer es beschreibt.

Nur wenige OGS-Hunde

Es ist nicht das erste Mal, dass sich Körfer mit den Vorteilen eines Therapiehundes auseinandersetzt, auch wenn Kimba offiziell erst im Dezember ihre Prüfung ablegen wird. Bereits während ihres damaligen Jobs bei der Hospiz hatte Körfer einen Therapiehund an ihrer Seite. Nun ist Kimba an der Reihe – als einer der wenigen Therapiehunde in einer OGS.

Das freut auch Katja Ritter von der Schulleitung: „Es ist schon fast ein Alleinstellungsmerkmal.“ Aber nicht nur deswegen sei Kimba eine echte Bereicherung. „Ich selbst bin mit Tieren aufgewachsen und kenne die positiven Effekte, die damit einhergehen“, sagt Ritter. Wenige Bedenken seitens der Eltern gab es zwar, sagt sie weiter, „aber die haben wir schnell aus dem Weg räumen können“. Etwa für Allergiker, Asthmatiker oder „Angstkinder“. Alles kein Problem, „durch die richtige Organisation und das tolle Gemüt von Kimba“. Ganz stolz berichtet Körfer von einem Fall mit einem „Angstkind“: „Wir hatten einen Jungen, der hat sogar freiwillig die Straßenseite gewechselt, wenn ihm ein Hund entgegen kam. Eines Tages war Kimba mit ihm in einer Lernzeit und setzte sich ganz ruhig neben ihn. Plötzlich fuhr er seine Hand aus und streichelte sie. Das hat uns noch nicht mal seine Mutter geglaubt.“

Kimba, der Ruhepol

Das Wort Ruhe beschreibt Kimba ziemlich gut. Vorsichtig, fast tapsig bewegt sie sich durch die wuselige Kinderschar auf dem Schulhof, die alle nur eins wollen: Kimba streicheln. „Nur zwei Hände“, ermahnt eins der Kinder seinen Nebenmann. Körfer lächelt. „Das ist eine unserer Regeln für den Umgang mit Kimba“, sagt sie. Auch wenn sich Kimba nie beschweren, gar bellen würde, gibt es ein paar Regeln, an die sich alle halten müssen. Eine davon sei etwa, dass nicht alle gleichzeitig auf Kimba losstürmen und sie streicheln sollen. „Da muss ich den Hund auch in Schutz nehmen. Ich bin dafür da, solche Stresssituationen zu vermeiden.“ Eine weitere wichtige Regel hat etwas mit Kimbas wohl einziger Schwäche zu tun: Sie darf nur gefüttert werden, wenn die Kinder die Erlaubnis haben. „Labradore sind wirklich ruhige, liebe Hunde – aber wenn es ums Essen geht, kennen sie keine Grenzen. Da ist Kimba nicht anders“, sagt Körfer.

Mit sieben Jahren, das sind fast 60 Menschenjahre, ist Kimba schon sehr erfahren, trotzdem musste sie in diesem Jahr aber noch einmal durch die Ausbildung zum Therapiehund. „Nicht nur in der Schule kann sie für Ruhe sorgen, auch jüngere, noch hibbeligere Hunde in der Ausbildung kriegt sie schnell beruhigt – manchmal nur durch ein Pfotenauflegen.“

Das bestätigt auch eine ihrer Hundeausbilderinnen Claudia Peter-Plum von „Therapie und Hund“ aus Waldfeucht, die ihre Kurse im Seniorenwohnheim St. Josef in Übach-Palenberg abhält. „Kimba ist trotz ihres Alters sehr motiviert, etwas für Menschen zu tun. Sie ist sehr gelassen, dabei aber immer auch sehr souverän“, sagt sie.

Geachtet werde bei den Hunden vor allem auf die Bindung zwischen Mensch und Tier und auf das Wohlbefinden. „Die wichtigste Frage ist: Hat der Hund Freude daran?“ Dabei sei jede Hunderasse für die Ausbildung geeignet, solange das der Fall sei. Denn der auf sie zukommende Alltag sei nicht immer etwas für schwache Nerven. „Deswegen müssen die Hundehalter ihren Partner sehr gut verstehen können, um ihn nicht zu verheizen.“ Das sei bei Team Körfer alles gegeben, sagt sie, „obwohl Kimba ein Zweithund ist, sind die beiden sehr schnell richtige Partner geworden“ – auch im Hinblick auf die bevorstehende Abschlussprüfung.

Ein Team zu Hause und in der OGS: Labradordame Kimba und ihre Besitzerin Katrin Körfer. Foto: Schwark

Mit sieben anderen Teams absolvieren Körfer und Kimba die diesjährige Ausbildung, die im Dezember beendet werden soll. „Ich mache mir mit Kimba keine Sorgen, dass wir das nicht schaffen werden“, sagt Körfer. Und auch Peter-Plum rechnet mit einem Bestehen der beiden: „Nur beim schriftlichen Teil können sich alle nicht auf den Hund verlassen, da kommt es jetzt auf den Menschen an“, sagt sie mit einem Augenzwinkern. Die Kosten für die Ausbildung bezahlt Körfer übrigens aus der eigenen Tasche.

Zurück in der Schule wirft die Zweitklässlerin den Sorgenfresser durch den Klassenraum, Kimba läuft ihm hinterher und bringt ihn zurück. Jetzt hat sich die Labradordame das Leckerlie verdient. Vorsichtig nimmt sie das Extrafutter aus der Hand des Mädchens, das  sich freudig zurück an den kleinen Tisch für ihre weiteren Hausaufgaben setzt. „So schön kann Lernzeit sein“, sagt Körfer. „Und so lecker...“, denkt sich wohl Kimba.

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