Geilenkirchen: Therapiehund Emma motiviert und sorgt für klare Worte in der Kita

Geilenkirchen: Therapiehund Emma motiviert und sorgt für klare Worte in der Kita

Emma hat besondere Fähigkeiten. Fähigkeiten, für die sie mancher Zweibeiner vermutlich beneidet. Denn dort, wo Emma ist, sind die Kinder urplötzlich konzentriert und fokussiert. Emma kann gut mit Kindern, und die Kinder lieben sie.

Das liegt auch daran, dass Emma die Kinder so annimmt, wie sie sind. Egal, ob sie Sprachschwierigkeiten haben oder etwas zu unruhig sind.

Ergotherapeutin Claudia Peter-Plum (links) und Logopädin Lisa Koof von Therapie und Hund. Foto: Robert Baumann

Emma ist erst zwei Jahre alt. Ihre Ausbildung hat sie aber schon erfolgreich abgeschlossen. Seit ihrer elften Lebenswoche besucht die Labrador-Hündin gemeinsam mit ihrem Frauchen Lisa Koof die integrative Kindertagesstätte (Kita) Triangel in Geilenkirchen. Die ausgebildete Logopädin und ihre Therapiehündin helfen dort Kindern mit Sprachproblemen. So wie der fünfjährigen Kira. Das kleine Mädchen habe eine allgemeine Entwicklungsverzögerung und oftmals eine undeutliche Aussprache, sagt Koof. „Es motiviert die Kinder, etwas für Emma zu tun. Emma bündelt die Konzentration, und die Kinder sind dadurch bei den Therapieübungen viel mehr bei der Sache“, erklärt Koof.

Gemeinsam mit Ergotherapeutin Claudia Peter-Plum hat Koof seit dem vergangenen Jahr mit „Therapie und Hund“ eine Weiterbildungsmöglichkeit zum Therapiehundeteam ins Leben gerufen. Der erste Ausbildungsgang ist im Dezember vergangenen Jahres erfolgreich zu Ende gegangen. Die qualifizierte Ausbildung (siehe Infokasten) gliedert sich in insgesamt fünf Module, die je zwei Tage dauern und mit einer theoretischen und praktischen Prüfung enden. Die Inhalte sind vielfältig und reichen von Hund-Mensch-Kommunikation, Wirkungsweise tiergestützter Therapie, Hygiene, Erziehungsmethoden und Entspannungsübungen für den Hund bis hin zu juristischen Aspekten.

Interessant ist die Therapiehundeausbildung aber nicht nur für Ergotherapeuten und Logopäden. Auch Physiotherapeuten, Erzieher, medizinisches Hilfspersonal, Pädagogen und Psychologen können in ihrer Arbeit davon profitieren. Die gesamte Ausbildung findet im Seniorenwohnheim St. Josef in Übach-Palenberg statt. „Dort haben wir nicht nur räumlich variable Möglichkeiten, sondern auch die Gelegenheit, die Bewohner des Hause unmittelbar mit in die Weiterbildung einzubinden und so unseren Teilnehmern eine praxisnahe Ausbildung zu bieten“, erklärt Peter-Plum. Doch nicht jeder Hund ist für solch eine Ausbildung geeignet. Darüber entscheidet im Vorfeld der Weiterbildung ein Eignungstest, um das Verhalten des Hundes und die Bindung zwischen Mensch und Hund zu überprüfen.

Emmas Eignung steht natürlich außer Frage. Sie ist als ausgebildeter Therapiehund dreimal in der Woche zu Gast in der Kita Triangel und unterstützt ihr Frauchen bei der Therapie von derzeit vier Kindern. Von einer Therapiesitzung ist auf den ersten Blick nichts zu spüren. So läuft auch bei der fünfjährigen Kira alles spielerisch ab. Zur Begrüßung leckt die Labrador-Hündin erst einmal die restlichen Krümel des Frühstücksbrotes von Kiras Handflächen. Dann startet sogleich das erste Spiel: Im Wechsel rollen Emma und Kira einen roten Würfel über den Boden, die angezeigte Augenzahl entscheidet darüber, wie viele Leckerlis Kira der Hündin geben darf. „Komm her Emma“, sagt Kira und gibt dem Hund das entscheidende Kommando: „Nimms!“ Und das lässt sich Emma nicht zweimal sagen. „Kira ist normalerweise sehr wibbelig und hat Konzentrationsprobleme“, sagt Koof.

Seit knapp zwei Jahren wird die Fünfjährige mit Hilfe des Hundes therapiert. „Sie spricht seitdem schon viel deutlicher“, so Koof. Die Logopädin kann von vielen positiven Effekten ihrer Arbeit mit Emma berichten. Zum Beispiel von einem kleinen Jungen, der vor der Therapie kein einziges Wort sprach. Emma war dann das Erste, was er in seinem Leben sagte, noch vor Mama und Papa. „Das sind natürlich ganz tolle Momente meiner Arbeit“, sagt Koof. „Die Hunde zaubern, oft auf magische Weise, ein Lächeln in das Gesicht von Jung und Alt.“

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