Geilenkirchen: Theaterstarter: Mut und ein Krokodil ohne Frühstück

Geilenkirchen: Theaterstarter: Mut und ein Krokodil ohne Frühstück

Im Westen nichts Neues? Doch! Die Aula der Realschule wurde in unserem beschaulichen Westzipfelstädtchen von allerlei seltsamen Gestalten bevölkert. Da gab es einen Cowboy und einen Indianer, was für den „Wilden Westen“ an sich nichts Ungewöhnliches ist.

Doch hinzu gesellten sich drei äußerst bemerkenswerte Ponys — ein rotes, ein rosafarbenes und eins, welches sogar des Singens mächtig war. Außerdem tummelten sich eine Muffins backende Kuh, ein Hamster, ein Coyote, ein Krokodil und ein tanzender Wüstenkaktus auf der Bühne. Davor saßen viele kleine Kinder, teils mit Mama oder Papa — und alle hatten ihren Spaß und überhaupt keine Angst vor den bunten Tischfiguren aus Holz und Plüsch. Diese agierten auf einer Farm, in Gebirge, Wald und Wüste vor liebevoll hergestellten Requisiten aus bemaltem Holz und verschiedenfarbigen Decken.

Zum tanzenden Kaktus

Angst hatte lediglich besagter Cowboy; doch eigentlich hatte er nur keinen Mut. Billy trug zwar einen chicen gelben Hut und ein Lasso, doch auf die bevorstehende Klassenfahrt traute er sich nicht mitzufahren. Hamster Charlie wusste Rat und machte sich mit ihm auf den Weg zum tanzenden Kaktus, von dem er sich eine „Tüte Mut“ für seinen Freund versprach.

Die Reise war gefährlich. Die Freunde kamen an eine tiefe Schlucht mit einem reißenden Fluss und einem hungrigen Krokodil. Billy wusste nicht weiter. „Nimm das Lasso!“, schallte es aus vielen Kinderkehlen. Ja, richtig! Billy spannte das dicke Seil über die Schlucht und balancierte unter dem Gejohle der kleinen Zuschauer hinüber. Kaum war er drüben, grummelte das Krokodil ärgerlich: „Mist, schon wieder kein Frühstück.“

Gebrauchtpony-Handel

Die Gefahr war vorüber, doch wer heulte da so schauerlich? Ein Wolf? Billy zitterte. Ein Coyote war‘s. „Tut dir was weh?“, fragte unser Cowboy. „Ja, die Pfote.“ „Dann puste ich, und alles wird wieder gut.“ Billy pustete, und viele der kleinen Gäste ahmten ihn mit dicken Backen und vollem Einsatz nach. Jedoch — die Pfote tat immer noch weh. Billy sah genau hin, entdeckte einen Dorn und zog ihn heraus. Als Dank zeigte ihm der Coyote den Weg zum tanzenden Kaktus: „Weil du mir geholfen hast, helfe ich dir auch.“

Die Reisenden gelangten zur windigen Wüste. Der Wind war stark, und Billy fiel dauernd um, was die jungen Zuschauer sehr amüsierte und mit lautem Lachen quittierten. Plötzlich Indianertrommeln. „Die essen Hamster am Spieß“, ängstigte sich Charlie.

„Ich bin Gebrauchtpony-Händler“, stellte sich dann ein Indianer vor. „Hier habe ich ein rotes Ferrari-Pony, und da ein rosarotes mit Glitzerhalsband. Das mit den Punkten kann sogar ein Lied singen.“ Billy hoffte, mit einem Pony schneller zum Ziel kommen, kaufte das musikalische, welches sogleich anstimmte: „Wenn dir dein Mut verloren geht, ein Löwe vor der Haustür steht, dann singe ‚ya ya yippie yippie yeah‘...“ Das fröhliche Singen steckte die Kinder an, und sie versuchten eifrig mitzusummen — bis in die hintersten Reihen.

Schon war der tanzende Kaktus in Sicht. Mit einer Sonnenbrille auf der Nase mokierte er sich über Billys Wunsch: „Du willst ne Tüte Mut? Wer über eine Schlucht balanciert und einem Coyoten hilft, der braucht keinen Mut, er hat ihn schon. Mut wächst, wenn man Dinge tut, die man vorher noch nie getan hat.“

Billy erkannte, dass er die ganze Zeit über Mut gehabt hatte und es nur nicht wusste. Jetzt freute er sich auf die Klassenfahrt und ritt mit Charlie zurück nach Hause, wo ihn die Kuh Kuhnigunde mit leckeren, frisch gebackenen Muffins erwartete.

Was zum Nachbacken

Die gebannt lauschenden kleinen und großen Zuhörer hatten bei jeder Station der Reise mitgefiebert und bedankten sich mit begeistertem, lang anhaltenden Applaus. Die fünfjährige Fiona Staudt drückte die Meinung etlicher junger Zuschauer aus: „Das Pferd war schön, aber am Besten war das Lustige.“

Christian Schweiger vom „Seifenblasen-Figurentheater Meerbusch“, Autor des Stücks und an diesem Tag alleiniger „Herr der Puppen“ auf der Bühne, hatte noch eine Überraschung für sein junges Publikum: Er verteilte Rezepte für „hamsterstarke Blaubeer-Muffins“. Seine Fans rissen sie ihm förmlich aus den Händen und bestürmten ihre Mamas, sie auch zu backen.