Geilenkirchen: Taucherprozess: Welcher Tauchlehrer war im Dienst?

Geilenkirchen : Taucherprozess: Welcher Tauchlehrer war im Dienst?

Mit den eher unverbindlich gewählten Worten „fast schon so gut wie beinah fertig“ beschrieb Richterin Corinna Waßmuth den Verfahrensstand im sogenannten Taucherprozess. Es geht um den Unfall einer jungen Taucherin am 2. Juni 2013 im Lago Laprello in Heinsberg.

Richterin Waßmuth schien am Verhandlungstag am Dienstag gewillt, das Verfahren bis zum Urteil zu führen. Sie wird wohl dem Antrag der Nebenklage, das Verfahren an das Landgericht Aachen abzugeben, nicht entsprechen. Die Anwälte der Nebenklage hatten am vorangegangenen Prozesstag zu bedenken gegeben, dass aufgrund der Aussage eines Sachverständigen auch eine Verurteilung des angeklagten ehrenamtlichen Tauchlehrers wegen Totschlags durch Unterlassung und damit eine Verweisung an das Landgericht in Frage kämen.

Der Sachverständige hatte den Tauchcomputer des Angeklagten ausgewertet. Er war zu dem Schluss gekommen, dass vor dem Bergungstauchgang, bei dem der Angeklagte seine im See verschollene Tauchpartnerin geborgen hatte, sieben Minuten vergangen sein mussten. Die verunglückte Taucherin war 2016 vermutlich an den Folgen des Unfalls verstorben.

Auch die Staatsanwaltschaft konnte keinen aktiven Tötungsvorsatz erkennen, auch wenn da diese sieben Minuten vor der Bergung im Raum standen. Richterin Corinna Waßmuth hatte sich mit ihren beiden Schöffen beraten und befand den Inhalt des Antrags der Nebenklage für zu dünn. Eine Entscheidung über den Antrag wird aber noch beim nächsten Sitzungstermin ergehen. Gehört wurden am Verhandlungstag drei Zeugen. Es handelte sich um Sachbearbeiter der Versicherungen, die Ansprüche der Unfallbeteiligten zu klären hatten.

Einlassungen sind viel wert

Interessant war die Aussage eines Sachbearbeiters der Haftpflichtversicherung des Angeklagten. Da der Angeklagte weiterhin schweigt, ist jede originäre Einlassung zum Unfall für Richter und Schöffen viel wert. Und tatsächlich gab es ein Telefonat des Angeklagten mit seiner Haftpflichtversicherung, das einer der als Zeuge geladenen Sachbearbeiter zumindest indirekt wiedergeben konnte. Der Angeklagte hatte sich telefonisch bei der Landesgeschäftsstelle seiner Versicherung in Dortmund gemeldet. Er sei bei dem Unfalltauchgang im Juni 2013 privat getaucht, soll er gesagt haben. Nach dem Unfall sei ihm fahrlässige Körperverletzung vorgeworfen worden. Er sei aber nicht schuld.

Der Sachbearbeiter, der das Telefonat führte, soll beim nächsten Verhandlungstermin am 16. Februar gehört werden. Erörtert wurde beim Termin am Dienstag noch einmal die Frage, ob der Angeklagte denn nun privat oder als sogenannter Tauchlehrer vom Dienst vor Ort war. Neben dem Angeklagten war ein zweiter Tauchlehrer am betreffenden Junisonntag am Lago Laprello gewesen. Beide Tauchlehrer waren von der Tauchabteilung des TuS Oberbruch, die die Tauchveranstaltung durchgeführt hatte, als Tauchlehrer vom Dienst bestellt worden. Wer von beiden hatte aber an diesem Sonntag die Aufsicht? Ein Tauchgangsprotokoll, das dem Gericht vorliegt, wies den Vornamen des Angeklagten unter dem Punkt Tauchlehrer vom Dienst auf. Dies würde seiner Einlassung gegenüber seiner Versicherung, er sei privat vor Ort gewesen, widersprechen.

Die Frage nach dem Tauchlehrer vom Dienst ist eine von vielen, die das Gericht beschäftigen. Die Worte „fast schon so gut, wie beinah fertig“ scheinen da eine gute Portion Zweckoptimismus zu enthalten, zumal die Verteidigung am Dienstag noch zehn Beweisanträge auftischte.

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